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Transferstau bei der Eintracht

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Von: Ingo Durstewitz

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Oliver Glasner von Eintracht Frankfurt
Oliver Glasner im Eintracht-Training. © Jürgen Kessler / Imago Images

Alles in der Schwebe: Fällt ein Dominostein oder bleibt’s beim Alten?

Frankfurt – Langsam, aber sicher läuft der Kader von Eintracht Frankfurt wieder der Vollauslastung entgegen. Am Montag sind die meisten Nationalspieler, die eine Woche Sonderurlaub genießen durften, zum Team gestoßen, am Dienstag steigt Spielmacher Daichi Kamada ins Training ein, am Donnerstag dann die letzten beiden Auswahlspieler Kevin Trapp und Filip Kostic. Beide durften ihre Ferien um zusätzliche drei Tage verlängern. Das liegt nicht an ihrem zweifelsfrei hohen Stellenwert, sondern daran, dass Torhüter Trapp noch länger im Einsatz war als andere und Linksaußen Kostic leicht angeschlagen war. Da hat es Trainer Oliver Glasner gut gemeint mit den beiden.

In den zurückliegenden Wochen ist fast täglich gerätselt worden, ob Filip Kostic überhaupt noch in Frankfurt aufschlagen oder seine Zelte schon vorzeitig abbrechen wird. Stand jetzt sieht es so aus, als ob Kostic seine Arbeit im Stadtwald fristgerecht aufnehmen wird – sollte die Angelegenheit mit Juventus nicht doch noch plötzlich Fahrt aufnehmen. Der 29-Jährige hat einen gültigen Vertrag bei der Eintracht, er fühlt sich eigentlich wohl in der Stadt und im Klub. Er weiß, dass er über die Maßen geschätzt wird. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass er sich pünktlich einfinden wird.

Eintracht Frankfurt: Kamada, Ndicka und Kostic mit Verträgen bis 2023

Das wiederum bedeutet nicht, dass der serbische Nationalspieler seine Zukunft zwingend in Frankfurt sieht. Juve ist weiterhin aussichtsreich im Rennen, und auch die bevorstehende Verpflichtung von Starspieler Angel Di Maria, ebenfalls auf dem Flügel zu Hause, ändert daran nichts. Die Turiner gehen auf dem Transfermarkt in die Vollen, zwei Jahre hintereinander ohne Meistertitel entspricht nicht so ganz dem Selbstverständnis des Topklubs. Kostic würde das gerne machen. Die Eintracht würde bei einer Entschädigung von rund 18, 19 Millionen Euro (inklusive Boni) zustimmen.

Bleibt er oder geht er: Filip Kostic wird am Donnerstag bei Eintracht Frankfurt zurückerwartet - Stand jetzt.
Bleibt er oder geht er: Filip Kostic wird am Donnerstag bei Eintracht Frankfurt zurückerwartet - Stand jetzt. © Imago

Deshalb ist das Aufgebot der Eintracht zwar bald komplett, aber eben doch nicht so wirklich. Das Transferfenster schließt am 31. August. Das ist eine lange Zeit, da kann viel passieren. Ungewöhnlich ist es nicht, dass Profis noch Pflichtspiele für ihren aktuellen Verein bestreiten, ehe sie sich doch noch umorientieren. In diesem Fall könnten Kostic oder andere potenzielle Seitenwechsler sogar noch sechs (!) Partien für die Eintracht machen, darunter die Spitzentreffen im Uefa-Supercup gegen Real Madrid und zum Auftakt in der Bundesliga gegen die Bayern. So ist das Geschäft eben.

Doch nicht nur Kostic, auch Daichi Kamada oder Evan Ndicka sind auf dem Markt begehrt. Bei beiden, wie Kostic bis 2023 gebunden, ruht der See allerdings still: kein Angebot eines Klubs, keine Vertragsverlängerung in Sicht. Ein Szenario, das Sportvorstand Markus Krösche vermeiden wollte. Da geht es um Kapital und eine Zukunftsorientierung.

Eintracht Frankfurt: Geht keiner, kommt keiner

Klar ist, dass die Eintracht eigentlich noch Leistungsträger verkaufen müsste, um selbst handlungsfähig zu bleiben und die Verluste der letzten beiden Corona-Jahre abzumildern. Der Europapokalsieg und die Champions-League-Teilnahme haben zwar für Entlastung, aber nicht Entwarnung sorgen können. Krösche wirkt in diesen Tagen jedoch nicht so, als sei er beunruhigt oder besorgt. „Natürlich sind wir auf Einnahmen angewiesen, aber es kann auch sein, dass alle drei bleiben“, sagt er. „Man wird sehen, wie es sich entwickelt. Wir haben das Transferfenster noch acht Wochen offen, da kann ich keine verlässliche Aussage treffen.“ Der Poker wird zur Hängepartie.

Krösche ist ohnehin als Verkäufer gefragt, der Kader ist zu aufgebläht. Doch nicht nur in der Spitze klemmt es. Selbst bei Hinterbänklern wie Ajdin Hrustic oder Goncalo Paciencia gibt es keine konkreten Angebote. Doch auch das kann sich noch ändern. Aktuell ist es freilich so: Wenn keiner mehr geht, wird keiner mehr kommen. Das wäre zu verschmerzen, denn sollte das Team so zusammenbleiben, wäre es quantitativ zwar deutlich überbesetzt, qualitativ aber hochwertig, „deutlich besser als letzter Saison“, wie Kapitän Sebastian Rode findet. Ähnlich sieht es Sportchef Krösche. „Wir sind mit unserem Kader, wie er jetzt ist, sehr zufrieden“, sagt er. „Wenn noch etwas passieren sollte auf der Abgabenseite, würden wir vielleicht noch reagieren. Aber das ist nicht verbrieft, das würden wir dann entscheiden, wenn es so käme.“ Noch ist kein Dominostein gefallen.

Daher liegt auch die angedachte Verpflichtung von Ridvan Yilmaz erst einmal auf Eis. Besiktas Istanbul verlangt 6,5 Millionen Euro für den 21 Jahre alten Linksverteidiger. Die Eintracht würde vier Millionen zahlen – aber erst dann, wenn ein Abgang Kostics akut würde. Vorher passiert nichts. Definitiv gar nichts mehr wird es mit einem Kauf von Nicolas Castro aus Argentinien. Krösche konnte sich nicht mal mit den Beratern des Spielers einigen. Der Klub Newell’s Old Boys droht dennoch damit, die Eintracht zu verklagen, weil sie sich nicht an Absprachen gehalten habe. In den Büros im Stadtwald sorgt das fast schon für Belustigung. (Ingo Durstewitz)

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