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Trainingsauftakt bei Eintracht Frankfurt
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1. Juli 2021: Trainingsauftakt bei Eintracht Frankfurt

SGE

Trainingsauftakt der Eintracht: „Und dann jagen...“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der neue Eintracht-Trainer Oliver Glasner gibt zum Auftakt einen Vorgeschmack auf die ganze Saison.

Frankfurt - Von einem lockerer Aufgalopp, einem kleinen Showprogramm als Warmup hält Oliver Glasner offenbar nicht allzu viel. „Wir legen schnell mit hoher Intensität los“, hatte der neue Trainer von Eintracht Frankfurt während seiner Vorstellung verkündet – und hielt Wort. Zum Auftakt am Donnerstagmorgen ließ er die Frankfurter Spieler gleich zwei Stunden schuften, es war beileibe kein knüppelhartes Training, aber sehr wohl eine ambitionierte Einheit. „Es war anstrengend, aber nicht zu anstrengend“, sagte Neuzugang Christopher Lenz. „Es ging darum, reinzukommen, sich nach der langen Pause mal wieder durchzubewegen.“ Das hat einwandfrei geklappt.

Keine Fans, die wegen des Coronavirus noch immer ausgesperrt sind, aber insgesamt 26 Spieler durfte der Fußballlehrer auf dem Übungsplatz im Schatten der Haupttribüne begrüßen, darunter Rückkehrer wie Danny da Costa oder Goncalo Paciencia, alte Haudegen wie Makoto Hasebe oder Filip Kostic oder frische Gesichter wie jenes von Fabio Blanco, diesen 17 Jahre jungen Frechdachs mit der wilden Matte, einer Zwitterfrisur irgendwo zwischen Paul Breitner in den 70ern, Carlos Valderrama und Bob Marley. Das unbekümmerte Talent aus Spanien, so viel vorneweg, macht Lust auf mehr.

Eintracht Frankfurt: Pressing in Reinkultur

Ungefähr genauso alt, aber nicht ganz so begabt, sind die zehn A-Jugendspieler, die bei den Profis aushelfen dürfen, weil noch viele Nationalspieler im Sonderurlaub weilen. Alle Jungs und alle Männer wurden gebraucht. Denn Oliver Glasner machte gleich in seiner ersten Trainingseinheit deutlich, auf was er großen Wert legt: Tempo, Druck, Attackieren, Aggressivität. Kurzum: Pressing in Reinkultur. „Und dann jagen...“, rief der 46-Jährige über das Areal, und seine Spieler wetzten los. Draußen stand ein gut gelaunter Sportvorstand Markus Krösche und flankierte im vereinseigenen TV-Sender: „Der Spielstil, den Oliver sehen möchte, ist den Jungs bekannt.“ Selten, dass das schon am ersten Tag so deutlich zu erkennen ist.

Auffällig war zudem, dass der Coach die Übungen häufig unterbrach, erklärte, gestikulierte und mit dröhnender Stimme gegen die donnernden Flugzeuge ankämpfte. An den Lärm über dem Stadtwald wird sich der Österreicher erst noch gewöhnen müssen. In Wolfsburg schipperte vielleicht mal ein Bötchen über den Mittellandkanal.

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner nimmt das Heft in die Hand

Glasner ist offenkundig kein Trainer, der seinen Assistenten das Feld überlässt und wie ein Feldherr die Beobachterrolle einnimmt. Zumindest jetzt zu Beginn nicht. „Ich habe ein paarmal eingegriffen, weil es wichtig ist, gleich am Anfang zu sagen, was man möchte“, betonte der Coach.

Diesen Eindruck hatte auch der ablösefrei von Union Berlin nach Frankfurt umgesiedelte Linksverteidiger Lenz. „Der Trainer wollte uns seine Philosophie und seine Ideen direkt mitgeben“, sagte der 26-Jährige.

Glasner wird sein Team nicht mit Inhalten überfrachten und nicht übermäßig hart trainieren lassen, auch wenn der „physische Aspekt“ natürlich eine Rolle spiele. „Den wollen wir aber versuchen, ins Fußballtraining zu integrieren.“ Stupide Konditionsbolzerei steht eher nicht auf dem Plan, auch wenn so manche sogenannte „Schweineeinheit“ dabei sein wird.

Eintracht Frankfurt: Fabio Blanco sticht ins Auge

Der Vorbereitungszeit misst der frühere Wolfsburger eine eminent große Bedeutung bei, weshalb er keinen Tag verschenken möchte. „Wir legen jetzt nicht nur die Grundlage für die Herbstsaison, sondern für die gesamte Spielzeit.“ Schließlich falle die Winterpause so gut wie weg, „sie wird ja immer kürzer“.

Mit den Ergebnissen der zuvor durchgeführten Fitnesstests ist der Trainer mehr als einverstanden. „Die Werte sind sehr zufriedenstellend. Das passt.“ Gute Grundlagen sind die Voraussetzung, um auf das höchste Level kommen zu können, doch entscheidend dafür sei die spezifische Arbeit auf dem Rasen. „Man kann im Urlaub viel trainieren, aber Fußball lässt sich nicht imitieren. Diese kurzen Bewegungen, Drehungen, Starts und Stopps gibt es fast nur im Fußball.“ Daher werden seine Spieler „die nächsten Tage spüren“, wie er sagte. „Wir haben noch ein bisschen was vor in der Woche.“ Insgesamt war der 46-Jährige zufrieden mit dem, was seine Mannen am ersten Tag angeboten haben. „Die Jungs haben das super gemacht.“

Ein alter Hase und viele neue Gesichter: die Eintracht-Spieler Zalazar, Gebuhr, Lenz, Blanco - und Oldie Hasebe (von links).

Allen voran der blutjunge Fabio Blanco, der im Abschlussspiel gleich ein Tor erzielte, durch seine Technik und Dribblings und nicht nur durch seine Haarpracht auffiel. Natürlich lässt die erste Duftmarke kaum Rückschlüsse zu, der von FC Valencia gekommene Rechtsaußen wird Zeit zur Akklimatisierung brauchen und nicht sofort wie eine Rakete durchstarten. Aber der erste Eindruck ist vielversprechend. Fand auch Mitspieler Lenz. „Er ist aktiv, will zeigen, was er kann.“ Er, der fast ein Jahrzehnt ältere Berliner, findet diese Unbeschwertheit wichtig. „Ich finde es gut, dass einer mit 17 frech aufspielen will. Es ist besser, wenn er sich etwas zutraut als zu zurückhaltend zu sein.“

SGE: Neuzuganz Lenz ist voll des Lobes

Diese Maxime hat sich der dynamische Verteidiger im übertragenen Sinne zu eigen gemacht, seine Begeisterung für die Eintracht vermag er kaum zu zügeln. „Die Strahlkraft des Vereins nach außen spricht für sich“, sagte Lenz, der das Gefühl hat, „dass jeder, der in Frankfurt lebt, Eintracht-Fan ist – das ist in Berlin anders.“ Gerade auf die Europapokalnächte ist er gespannt wie ein Flitzebogen: „Die Vorfreude ist riesig.“

Auch sportlich legt er die Latte hoch. „Wir wollen eine ähnlich gute Saison spielen wie die letzte“, sagte er. „Das ist der Anspruch, den wir an uns haben.“ Zwar kennt Lenz die meisten seiner Mitspieler nur als Gegner, doch sein Bild steht unverrückbar: „Die Mannschaft ist intakt, sie funktioniert. Es steckt unheimliche Qualität in ihr.“ Freilich muss sie eine Dreifachbelastung mit strapaziösen Reisen, vielen Spielen und wenig Training schultern.

Nicht nur, aber auch aus diesem Grund glaubt Außenverteidiger Lenz, dass er auf seine Einsätze kommen wird – selbst wenn Ausnahmespieler Filip Kostic den Verein nicht verlassen und an Bord bleiben sollte. „Filip ist unglaublich wichtig“, sagte der Ex-Eiserne. Aber man müsse abwarten, ob Glasner eine Dreier- oder Viererkette baue, und man dürfe nicht vergessen: „Wir haben viele Spiele.“ Die Botschaft: Da wird jeder gebraucht.

Einer eher nicht mehr. Ersatztorwart Elias Bördner steht kurz vor einem Wechsel auf Leihbasis zu Drittligist Viktoria Köln. Perspektiven hatte er in Frankfurt ohnehin eher nicht. (Ingo Durstewitz)

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