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Frankfurts Kicker müssen sich anstrengen, um den Traum von der erfolgreichen Saison zu realisieren.
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Frankfurts Kicker müssen sich anstrengen, um den Traum von der erfolgreichen Saison zu realisieren.

Frankfurter Fehlstart

Die Träumer sind erwacht

Nach dem Fehlstart in die Bundesliga-Saison wirkt die Klubspitze nervös. Das Team um Trainer Michael Skibbe muss aufwachen, um noch eine erfolgreiche Saison zu spielen.

Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Nach dem Fehlstart in die Bundesliga-Saison wirkt die Klubspitze nervös. Das Team um Trainer Michael Skibbe muss aufwachen, um noch eine erfolgreiche Saison zu spielen.

Alexander Meier, mittlerweile auch schon 27, kann sich vermutlich nicht erinnern, schon einmal einen solch verflixten Samstag wie jenen am letzten Augustwochenende 2010 erlebt zu haben. Muss schon lange her sein. Ewig lange. Alex Meier, der große Dauerbrenner, war am Samstag in der voll besetzten Frankfurter Arena so etwas wie die tragische Figur, ausgerechnet er, der Hamburger Junge, trug erheblich dazu bei, dass seine große, alte Liebe, der HSV, drei Punkte aus Frankfurt stibitzen konnte.

Das kam so: Sekunden vor dem Pausenpfiff, die Eintracht führte schon mit 1:0, hätte Meier die Entscheidung herbeiführen können, eigentlich müssen. Mutterseelenallein strebte er da – nach einem dramatischen Fehltritt des niederländischen HSV-Verteidigers Joris Mathijsen ? aufs Hamburger Tor zu. Meier lief und lief, die Zuschauer sprangen auf, das Stadion tobte und brodelte, Meier schaute auf, doch im entscheidenden Moment gab er dem Ball mit seinem rechten Fuß versehentlich einen leichten Schubs, weshalb er die Kugel mit links nicht richtig traf – sie flog weit am Tor vorbei.

Es wäre das 2:0 gewesen, und ? darüber gab es keine zwei Meinungen – die Partie wäre gelaufen gewesen. „Das war ein ziemlicher Matchball“, sagte Trainer Michael Skibbe. Doch Meier vergab, und die Eintracht schlidderte in ihre zweite Niederlage.

Die gute Stimmung ist perdu

An den Gegentoren eins und zwei, man kann es erahnen, war Alexander Meier nicht unschuldig. „Ich penne bei zwei Standardsituationen. Da stehe ich falsch“, räumte der Lange angenehm selbstkritisch ein. In der 61. und 81. Minute nutzten erst Mathijsen, dann Ruud van Nistelrooy diese Unachtsamkeiten jeweils nach zwei Ecken von Zé Roberto. „Die beiden Standardsituationen haben uns das Genick gebrochen“, sagte Skibbe, „dadurch sind wir geknackt worden.“ Gerade das zweite Gegentor wurmte den 45-Jährigen sichtlich: „Es kann nicht sein, dass der Ball im Fünfmeterraum aufsetzt, da müssen wir aggressiver verteidigen.“

Das 3:1 durch Guerrero nach einem bösen Stellungsfehler von Benjamin Köhler war nur der Tiefpunkt eines unerfreulichen Nachmittags, der stimmungsvoll begann und auch nach dem 1:0 durch einen von Halil Altintop abgefälschten Schuss von Patrick Ochs verheißungsvoll weiterging. Aber eben nur eine Stunde. Spätestens da war es vorbei mit der Frankfurter Herrlichkeit.

Die Eintracht ist schon am zweiten Spieltag auf dem Boden der Tatsachen angekommen, die Welle der Begeisterung nach der fast schon perfekten Vorbereitung ist nach genau 180 Minuten abgeebbt, die schöne Aufbruchstimmung ist perdu. Ein klassischer Fehlstart? „Das kann man so sagen“, bekannte Klubchef Heribert Bruchhagen. Eine gewisse Ohnmacht hat die Eintracht erfasst, Bruchhagen wirkt schwer angeschlagen. Diesen miesen Start hätte kaum einer für möglich gehalten. „Es ist nicht schön, wenn man zwei Spiele zu Beginn verliert, aber das Vertrauen in die Mannschaft ist nach wie vor vorhanden“, sagte Bruchhagen.

Sind 50 Punkte noch zu holen?

Die Mannschaft steht nun schon ein wenig unter Druck, „gegen Gladbach müssen die ersten Punkte her – ohne Wenn und Aber“, befand Kapitän Patrick Ochs. In Frankfurt herrscht erhöhte Wachsamkeit. Was Wunder? Die Hessen rangieren auf dem vorletzten Tabellenplatz, nur der 1. FC Köln steht noch schlechter da. „Wir sind absolut in die falsche Richtung gestartet“, sagte Skibbe. „Wir müssen von unten nach oben gucken, das ist unangenehm.“ Meier, der Pechvogel, sagte: „Wir sind jetzt wieder in der Realität angekommen.“ Die Träumer sind aufgewacht. Am Saisonziel von 50 Punkten will Skibbe festhalten. Er ahnt aber: Es wird verdammt schwer.

Binnen acht Tagen ist das ganze schöne Selbstvertrauen weg, ist die einst so breite Brust eingefallen. Ernüchterung ist eingekehrt, die ersten Wunden werden schon geleckt. Skibbe sagte nur eine gute Woche nach dem Saisonstart allen Ernstes: „Die Länderspielpause wird uns ganz gut tun. Wir können durchschnaufen und abschalten.“ Er weiß aber auch: „Natürlich stehen wir jetzt mehr unter Druck, weil wir bald punkten müssen.“ Die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt stehen diesem Fehlstart einigermaßen ratlos gegenüber. Gerade weil die Eintracht gegen den HSV „ganz gut Fußball gespielt hat“ (Pirmin Schwegler), doch am Ende mit leeren Händen dasteht. „Ich bin mit der Leistung nicht ganz unzufrieden“, sagte Skibbe.

Und doch ist auffällig, dass zu viele Spieler (Meier, Schwegler, Caio, Gekas, Amanatidis) ihre Form noch nicht gefunden haben, das sind zu viele Leistungsträger, die wegbrechen, zumal auch Neuzugang Gekas bisher überhaupt nicht ins Rollen kommt. Bezeichnend: Am Samstag stand kein einziger Neuer in der Startelf. Zu den Enttäuschungen zählt auch Ümit Korkmaz, der österreichische Nationalspieler schaffte es nicht einmal in den 18 Mann umfassenden Kader. „Seine aktuelle Form hat mir nicht gefallen“, urteilte Skibbe. Er klang besorgt.

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