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Weiße Pracht. Die Eintracht, angeführt von Christoph Preuß (mit Megafon), zelebriert ihren Punktgewinn in Nürnberg doch  arg überschwänglich.
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Weiße Pracht. Die Eintracht, angeführt von Christoph Preuß (mit Megafon), zelebriert ihren Punktgewinn in Nürnberg doch arg überschwänglich.

Punktgewinn in Nürnberg

Träumen verboten

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Ein Dreier wäre in Nürnberg drin gewesen: Warum die Eintracht keine Luftschlösser bauen sollte. Von Ingo Durstewitz

Nach dem mühselig, aber wacker und aufrecht erkämpften Punktgewinn im Frankenland haben sich die Frankfurter Profis ganz putzige schwarz-weiße Pudelmützen über die Stirn gezogen und dann im Nürnberger Eisschrank mal richtig losgerockt. Sie sahen aus wie artentfremdete Nikoläuse, die Eintracht-Fußballer, viel dürrer und auch ganz in weiß, aber es war schon lustig, wie sie da singend und tanzend umherhopsten vor dem Fanblock. Christoph Preuß, bestückt mit einem Megafon, mimte den Einpeitscher. Man will sich gar nicht ausmalen, wie die Frankfurter Jubelarie in weiß ausgesehen hätte, wenn Hessen die vollen Punktzahl eingeheimst hätten.

Ein Dreier wäre drin gewesen für die Eintracht, und es war gerade Vorturner Preuß, der nach ziemlich genau 65 Spielminuten die große Chance hatte, den Sack zuzuschnüren. Patrick Ochs hatte den Ball da nach Innen gebracht, Maik Franz ließ ihn geschickt passieren, und plötzlich stand Preuß ziemlich blank im Strafraum. Er hätte zum Helden für einen Nachmittag werden können, was wäre das für eine wunderhübsche Geschichte gewesen. Der Langzeitverletzte, dessen Karriere wegen zweier Knorpelschäden im Knie am seidenen Faden hing, schießt die Eintracht auf Platz sechs, eine Viertelstunde nach seiner Einwechslung in seinem ersten richtigen Erstligaspiel seit mehr als zwei Jahren. Doch Preuß trat ein klassisches Luftloch, der Ball hoppelte weiter, die Riesenchance war vertan. "Der Ball kam zu schnell, ich habe ihn nicht optimal getroffen", erklärte Preuß. Eigentlich hat er ihn gar nicht getroffen. "Da war er zu hektisch", analysierte Trainer Michael Skibbe trocken. So richtig böse war er nicht, mit dem 1:1 konnte er gut leben.

Wenn aber eine Mannschaft den Sieg verdient gehabt hätte, dann die aus Hessen, die Eintracht war die spieltechnisch reifere, erwachsenere Mannschaft. Vorstandschef Heribert Bruchhagen war daher nicht ganz zufrieden: "Wir sind der Chance auf drei Punkte nicht entschlossen genug nachgegangen." Bruchhagen ärgerte sich aber doch sehr maßvoll, schnell ruderte er ein wenig zurück und legte sich Zurückhaltung auf: "Wir wollen ja nicht überheblich werden."

Und doch ist er wieder gefragt worden, ob für die Eintracht nicht noch mehr drin sei, immerhin ist sie punktgleich mit Werder Bremen. "Wir sind froh, 28 Punkte zu haben. Wir stehen auf einem tollen Tabellenplatz. Darüber freuen wir uns sehr", antwortete Bruchhagen. Vor Wochenfrist war er bei gleichlautender Frage noch eiligst davongelaufen. Darf also geträumt werden von Europa? "Wir sollten schön auf dem Boden bleiben", mahnt Torschütze Benjamin Köhler, der beste Frankfurter Spieler (siehe auch untenstehenden Bericht).

Die Eintracht bleibt in der Erfolgsspur, sie hat nun bereits sechs Spiele hintereinander nicht mehr verloren. "Diese Serie wollen wir unbedingt ausbauen", sagt Kapitän Christoph Spycher. Denn natürlich schwimmt es sich auf einer Welle der Begeisterung leichter. "Diese Serie gibt der Mannschaft Sicherheit, auch in punkto Spielkontrolle und Ballsicherheit", urteilt Trainer Skibbe.

Und doch sind die Hessen gut beraten, den Ball flachzuhalten, keine Luftschlösser zu bauen. Denn es ist kaum zu erwarten, dass die Eintracht tatsächlich in die Phalanx der Europa-Anwärter wird eindringen können. Zu ausgemergelt ist der Kader, zu dünn die Besetzung im Sturm. Es wäre ein leichtes gewesen, in Nürnberg drei Punkte zu landen, wenn die Frankfurter im Angriff mehr Zug, Tempo und Kaltschnäuzigkeit hätten, da fehlt auch die Klasse. "Und der letzte Punch", fügt der Trainer an. "Uns fehlt ein torgefährlicher Stürmer." Nikos Liberopoulos, der schlaue Grieche, ist nicht dieser Knipser, er ist gefragt als Prellbock, als Anspielstation, er ist im Grunde der ärmste Hund da vorne alleine. Zumal auch Alexander Meier von Skibbe mehr und mehr zurückbeordert wird, eine zweite Spitze ist der Lange schon lange nicht mehr. Skibbe fehlen die Alternativen, den jungen Spielern auf der Bank traut er - mit einigem Recht - nicht zu, Liberopoulos zu ersetzen oder ihm zu attestieren. Skibbe bleibt dabei: "Uns fehlt einer quirliger, schneller Stürmer." Ob noch einer kommen wird in diesem Winter? "Das glaube ich nicht", antwortet Skibbe.

Zu allem Überfluss bangt die Eintracht um ihren wichtigen Mittelfeldstrategen Pirmin Schwegler. Nach einem rüden Tritt von Andreas Wolf humpelte er mit einem dicken Knöchel in Halbzeit zwei raus. Der Schweizer zog sich, wie eine Kernspintomographie am Sonntag ergab, eine Bänderverletzung im rechten Sprunggelenk zu. Am Montag sollen weitere Untersuchungen Aufschluss darüber geben, wie lange Schwegler ausfallen wird.

Die kleine Serie der Eintracht ist damit ein klein wenig mehr in Gefahr.

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