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Sein Tor kann Millionen Euro wert sein: Goncalo Paciencia.

Eintracht Frankfurt

Goncalo Paciencias Tor zum Träumen

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Goncalo Paciencia, Stürmer Nummer vier, hält Eintracht Frankfurt weiter im europäischen Spiel.

Ehe Goncalo Paciencia sein bislang wichtigstes Tor für Eintracht Frankfurt erzielt hat, zum 2:4, natürlich mit dem Kopf, seine Spezialität, ist er kräftig ausgepfiffen worden. Die Lissabonner Fans wissen sehr wohl, dass das Herz des Neu-Frankfurters für den FC Porto schlägt. Dort hat er das Fußballspielen erlernt, dort spielte er seit er acht Jahre alt war, und dort ist Vater Domingos eine Ikone. Sieben Meisterschaften hat der Vater mit dem großen Rivalen von Benfica errungen. Und der Filius hat auch zuletzt keinen Hehl daraus gemacht, dass er weiterhin dem FC Porto im Meisterschaftszweikampf beide Daumen drückt. Derzeit ist Benfica Tabellenführer in der Liga NOS, punktgleich mit dem FC Porto. Lustigerweise ist sein Bruder Vasco jetzt von Porto zu Benfica gewechselt, er spielt in der U23.

Die Pfiffe waren also nachvollziehbar, aber sie haben Paciencia nicht groß berührt. Er hege keine Antipathie gegen Benfica, die er eine „super Mannschaft mit großer Geschichte“ nannte, das Spiel sei für ihn „normal“. Nicht aber die Rückkehr nach Portugal: „Das ist mein Land, meine Heimat, es ist schön, nach Hause zu kommen. Ich kenne die Leute hier“, sagte er nach dem 2:4. Er kennt auch das Estadio da Luz, gute Erinnerungen daran hat er nicht, da gab es für ihn mit seinen Klubs (Vitoria Setubal oder Rio Ave, wohin er ausgeliehen war) nichts zu holen - bis zur 72. Minute.

Da köpfte Paciencia einen fein getretenen Eckball des ebenfalls eingewechselten Jonathan de Guzman ins Tor, zum so wichtigen zweiten Auswärtstreffer. Und dieser Treffer hat urplötzlich die Chancen der Frankfurter auf ein Weiterkommen extrem verbessert, Paciencia hat die Eintracht am Leben gehalten und im Spiel. Sein Tor hat die Stimmung komplett kippen lassen, nun wittern die Hessen wieder Morgenluft, die Zuversicht ist zurück. Ein Tor, das zwar die Niederlage nicht verhinderte, aber den Traum weiterleben lässt.

Der Treffer könnte Millionen wert sein

„Der Kopfball freut mich als Stürmer. Da hatte er ein unheimliches Timing, stark wie er den platziert. Besser kannst du den nicht köpfen“, lobte Sportvorstand Fredi Bobic den Angreifer, der ohnehin in den knapp 25 Minuten, in denen er spielte, enorm präsent und aktiv war. Er war sofort im Spiel, stürzte als einzige Spitze die Benfica-Abwehr in arge Verlegenheit, er war immer anspielbar, hatte noch eine weitere Kopfballmöglichkeit und er war es auch, der Filip Kostic kurz vor Schluss fast noch zum 3:4 verholfen hätte. Es war ein rundherum starker Auftritt des Angreifers, der in den vergangenen Monaten ein wenig im Schatten des formidablen Sturmtrios stand und nur schwer daraus hervortreten konnte. Spätestens in Lissabon hat der Stürmer unter Beweis gestellt, dass er mehr ist als eine Ergänzung. Zumal ja weiter ungewiss ist, wann der derzeit angeschlagene Sebastien Haller (Bauchmuskelzerrung) ins Team zurückkehren kann. „Das kann eine Woche dauern, es kann aber auch fünf Wochen dauern“, sagte Haller jetzt in Lissabon. Im Aufgebot stand der Franzose nicht.

Goncalo Paciencia, der im Sommer für drei Millionen kam und wegen eines Meniskusrisses monatelang ausgefallen war, ist kein typischer Mittelstürmer. Er verfügt über eine ausgesprochen gute Technik, kann prima dribbeln und hat ein Auge für den Mitspieler. Zwei Tore hat der 24-Jährige in der Liga für die Eintracht erzielt, darunter das entscheidende beim 3:2-Sieg über die TSG Hoffenheim in der Nachspielzeit. Erstaunlicherweise hat er, obwohl er einen feinen Fuß hat, alle seine vier Tore bei elf Einsätzen für die Eintracht - dazu zählt noch der Treffer zum 1:2 im Pokalspiel gegen den SSV Ulm - per Kopf erzielt. Das Tor in der Heimat kann Millionen wert sein.

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