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Pumpt durch: David Abraham (re.unten) nach dem Schlusspfiff.

Eintracht Kolumne

Torlos zufrieden

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Die Frankfurter Eintracht hat ihre Negativserie beendet und erstmals seit fünf Spielen nicht verloren. Für Eintracht-Vorstand Axel Hellmann ist das 0:0 gegen den Hamburger SV "Gold wert".

Vielleicht hätte sich der kurz vorher  eingewechselte Danny Blum nur mal ein Herz fassen müssen. Da lief er in der allerletzten Minute auf halblinker Position aufs Hamburger Tor zu. Er zog noch einen Sprint an, drang in den Strafraum ein – und entschied sich dann falsch.

Statt den Ball Vollspann einfach aufs  Tor zu nageln, entschied er sich für ein Abspiel. Das kam aber zu schwach, HSV-Torhüter René Adler machte sich lang und fing den gut gemeinten Pass auf Marco Fabian ab. Dann war das Spiel zu Ende, Eintracht Frankfurt und der HSV hatten sich torlos getrennt.

 Es war ein gerechtes Ergebnis eines sehr zerfahrenen, zähen Spiels ohne besonderen Höhepunkte.

Hinterher waren die Frankfurter richtig froh, nicht schon wieder verloren zu haben. Die fünf Niederlagen in Folge hatten Spuren hinterlassen, in erster und einziger Linie ging es der Eintracht an diesem Abend darum, nur nicht zu verlieren.

„Jeder Punkt zählt“, sagte bei der Analyse der Frankfurter Trainer  Niko Kovac. Auch Sportdirektor Bruno Hübner hieb in die gleiche Kerbe: „Es war ganz wichtig, die Negativserie zu beenden und zu punkten. Ein 0:0 ist im Moment okay für uns.“

Es war mehr drin

Ein bisschen sind sie in Frankfurt aufgeschreckt, weil sich die lange Zeit komfortable Situation geändert hat: Bei einer Niederlage wäre der Abstand auf den Relegationsplatz auf sechs Punkte geschrumpft. Nur nicht verlieren, war deshalb oberste Maxime. „Jeder Punkt hilft uns weiter“, sagte Kovac, den  der Blick nach vorne in die oberen Tabellengefilde „nicht interessiert. Mein Ziel ist es, diese ominösen 40 Punkte zu holen“. Dazu habe man heute einen weiteren Schritt getan.

Vor allem, wenn man weiß, dass die Teams von hinten derzeit „mächtig schieben“, fand Kovac.  „Wenn man schon nicht gewinnen kann, darf man wenigstens nicht verlieren“, sagte hinterher auch Rechtsverteidiger Timothy Chandler. „Wir können und werden mit dem Punkt gut leben“, fasst der Frankfurter Fußballlehrer zusammen.

Dabei war durchaus mehr drin  als ein dünnes 0:0. Die Eintracht hatte vor ausverkauften Haus die besseren Möglichkeiten, drei, vier klare Chancen hatten sich den Frankfurtern geboten.

Mal wieder vergab Branimir Hrgota, der erstaunlicherweise den Vorzug vor Alexander Meier erhalten hatte,   allein vor dem Tor (29.) , dann köpfte Ante Rebic (51.) eine feine Chandler-Flanke über das Tor, schließlich scheiterte der dieses Mal erstaunlich solide spielende Verteidiger Michael Hector an Torwart Adler (72.).

„Wir müssen unsere Chancen besser nutzen“, mäkelte Hübner. Aber dieses Manko zieht sich seit Wochen durch Frankfurter Auftritte. Glück hatten die Gastgeber nach einer Stunde, da hätten die Hamburger durchaus einen Elfmeter zugesprochen bekommen können.

David Abraham hatte ihm Laufduell im Strafraum Filip Kostic gefoult. „Wenn der Schiedsrichter da pfeift, ist es ein berechtigter Elfmeter“, sagte Kovac ehrlich. Abraham habe allenfalls mit einem Stollen den Ball berührt.

Ansonsten war noch bemerkenswert, dass Marco Russ erstmals in der Startformation stand und gleich Kapitän war.

Hasebe-OP in Japan?

Makoto Hasebe, eigentlich für die Abwehr vorgesehen, musste passen. Die Rettungsaktion von vor einer Woche in München hatte Folgen gezeitigt. Als er an den Pfosten prallte, ist irgendetwas im Knie in Mitleidenschaft gezogen worden.

Hasebe wird sich einer Operation unterziehen müssen. Was genau im Knie kaputt ist, soll eine Arthroskopie zeigen. Dennoch wird Hasebe zwölf Stunden nach Japan zur Nationalmannschaft fliegen, auch dort sollen sich die Ärzte ein Bild seines lädierten Knies machen. Die OP wird er wahrscheinlich in Japan vornehmen lassen.

Russ also spielte, und er spielte halbwegs ordentlich, zumindest für einen, der eine Krebserkrankung überwunden hat. „Bis auf die ersten fünf Minuten war ich zufrieden. Da musste ich mein Navigationsgerät noch anschalten. Die Beinen waren wacklig.“ Trainer Kovac war aber mit der Leistung seines Stoppers zufrieden. „Wenn ich ihn benoten müsste, war das keine zwei, sondern eine eins.“

1 - In keinem anderen Saisonspiel gab es so wenige Torschüsse aufs Tor (1) wie bei dieser Partie. Langeweile. #SGEHSV

— OptaFranz (@OptaFranz)

18. März 2017

 

Dazu hielt Rekonvaleszent Marco Fabian 90 Minuten durch. Für Kovac keine Überraschung. „Er ist Azteke und, die können laufen ohne Ende.“ Jetzt hat Eintracht Frankfurt in der Länderspielpause Zeit,  den Akku wieder aufzuladen. Auch Jesus Vallejo, der sich noch nicht so weit fühlte, soll danach zurückkehren. „Ich sehne die Pause herbei“, sagte Kovac. Ein bisschen entspannt hat sich die Lage zu im Stadtwald schon. Sogar  durch ein dürres Null-zu-Null.

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