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Akrobatisch, praktisch, schön: Der überragende Luka Jovic (links) erzielt sein erstes Tor gegen Düsseldorf per Seitfallrückzieher.

Eintracht Frankfurt - Fortuna Düsseldorf

Torfestival im Stadtwald

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Stürmer Luka Jovic erzielt fünf Tore beim unwiderstehlichen 7:1-Sieg der Eintracht über Fortuna Düsseldorf.

Wohl dem, der solche Stürmer hat. Es waren Sebastien Haller und insbesondere Luka Jovic, die diese sehr unterhaltsame Bundesligapartie unter Flutlicht entschieden und alle sieben Treffer beim unwiderstehlichen 7:1 (3:0)-Sieg der Frankfurter Eintracht über Fortuna Düsseldorf erzielten. Haller traf zweimal, doch der Mann des Abends war der Serbe Jovic, der fünfmal (27,. 35., 56., 69., 72.) traf. Jovic hat damit in der Liga bereits sieben Tore markiert. Noch lange nach der Partie wurde der fünffache Torschütze frenetisch gefeiert von den Fans, zu Recht. „Es ist der absolute Hammer, was der Luka heute für Tore gemacht hat“, sagte Rechtsverteidiger Danny da Costa. Jovic selbst, ganz Profi, zeigte sich bescheiden: „Es ist ein emotionaler Tag für mich, aber es geht nicht um meine Tore, sondern um den Erfolg der Mannschaft. Die hat es sensationell gemacht heute.“

Jovic und Haller waren es aber, die den Unterschied machten. Diese Angriffsreihe gehört mit zum besten, was in der Bundesliga derzeit angreift. Beide waren nie unter Kontrolle zu bringen, waren brandgefährlich und eiskalt im Strafraum. Beide Angreifer haben in dieser Saison zusammen allein zwölf der 19 Frankfurter Tore erzielt. Fünf Tore in einem Spiel allerdings hatte bis gestern Abend noch nie ein Frankfurter Spieler erzielt, trotz Stars wie Yeboah, Grabowski oder Meier. Die Sportliche Führung der Hessen sollte schnellstens die Option für den Serben ziehen. Der letzte Profi, der in der Bundesliga fünf Treffer erzielt hatte, war Robert Lewandowski. Mit dem Kantersieg überflügelte die Eintracht sogar den FC Bayern – zumindest für eine Nacht. 

Eintracht Frankfurt wie aufgedreht

Schon als Schiedsrichter Deniz Aytekin nach 45 Minuten eines sehr einseitigen Bundesligaspiels zur Pause pfiff, brandete ein Sturm der Begeisterung durch Stadion im Stadtwald. Die knapp 50.000 Zuschauer erhoben sich von ihren Sitzen und spendeten lang anhaltenden Beifall. Das hat es lange nicht mehr gegeben in Frankfurt: Zur Pause führte Eintracht Frankfurt gegen einen völlig hilflosen Aufsteiger aus Düsseldorf bereits mit 3:0 – und damit waren die Fortunen sogar noch gut bedient. Zuletzt hatten die Hessen so früh mit drei Toren Unterschied am 4. Spieltag der Saison 2015/2016 geführt, damals endete die Partie gegen den 1. FC Köln 6:2.

Schon in den ersten 45 Minuten spielte sich die Eintracht, nach einem etwas zähen Beginn, beinahe in einen kleinen Rausch. Nach dem Führungstor durch Sebastien Haller (20.), der einen umstrittenen Handelfmeter verwandelte, gelang den Frankfurtern nahezu alles. Der Ball lief wie auf Schienen, wunderschöne Kombinationen wurden ins Angriffsspiel eingestreut, praktisch im Minutentakt boten sich den Gastgebern torreife Situationen. Es waren aber vor allem die Offensivspieler Haller, Jovic, Filip Kostic und Mijat Gacinovic, die ständig für Torgefahr sorgten, die eine lange nicht mehr gesehene Spielfreude an den Tag legten und bemitleidenswerte Düsseldorfer förmlich überrannten. Leicht hätte es zur Halbzeit auch 4:0, 5:0 oder gar 6:0 heißen können, Lucas Torro und Evan Ndicka scheiterten jeweils mit ihren Versuchen noch an der Latte. Diese erste Hälfte gehörte zum besten, was Eintracht in dieser Saison in der Bundesliga abgeliefert hatte, und in der zweiten setzten die Frankfurter noch das Sahnehäubchen drauf.

Allerdings war auch das entsprechende Spielglück auf Seiten der Eintracht: Den Elfmeter zur Führung, so etwas wie der Dosenöffner gegen die vom Ex-Trainer Friedhelm Funkel sehr defensiv eingestellten Düsseldorfer, war mehr als umstritten. Schiedsrichter Aytekin bediente sich des Videoassistenten: Torro hatte aus kürzester Entfernung dem Fortuna-Kapitän Adam Bodzek an die Hand geschossen, es war ein Kann-Elfmeter. Definitiv wäre es keine krasse Fehlentscheidung gewesen, wenn die Kölner Videospezialisten nicht eingegriffen hätten. Ohnehin intervenierten sie spät. Die Partie war längst wieder im vollen Gang, Luka Jovic hatte danach sogar noch eine prima Tormöglichkeit. Eine gute Minute nach der fraglichen Situation schaute sich Aytekin dann die Szene noch einmal im TV an.

Der Eintracht kam die Führung natürlich entgegen. Danach spielte sie wie befreit, wie aufgedreht. Filip Kostic, von Gacinovic in Szene gesetzt, flankte, und Jovic drosch die Kugel artistisch zum 2:0 ins Tor (27.). Kurz darauf legte Haller technisch sehr ansprechend halbhoch auf Jovic ab, der die Kugel volley zum 3:0 im Tor unterbrachte. 35 Minuten waren da erst absolviert. 

Und es ging nach der Pause munter weiter: Haller stellte nach 50 Minuten auf 4;0, Luka Jovic in der 55. Minute gar auf 5:1 - zwischenzeitlich hatte der eingewechselte Dodi Lukebakio auf 1:4 verkürzt, was insbesondere Kevin Trapp fuchste. Erneut schaffte es der Nationaltorhüter nicht, ein Spiel ohne Gegentor zu überstehen. Kurz darauf musste der Schlussmann, ohnehin leicht angeschlagen, vorsichtshalber vom Platz, für ihn kam Frederik Rönnow zu seinem zweiten Bundesligaeinsatz. Und dann gingen die Luka-Jovic-Festspiele weiter, der Serbe traf nach Belieben, zum 6:1 und 7:1. Den Rekord, den Dieter Müller mit sechs Toren für den 1. FC Köln einst aufgestellt hat, konnte er nicht knacken. Fünf Minuten vor dem Schluss holte ihn Trainer Adi Hütter vom Platz, und ein ganzes Stadion huldigte einem 20 Jahre alten Stürmer. 

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