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Kehrte nach seiner Meniskus-Operation zurück als ob er nie weg gewesen wäre: Timothy Chandler.

Eintracht Frankfurt

Timothy Chandler trotzt der Ohnmacht

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Eintracht-Rechtsverteidiger Timothy Chandler gibt nach seiner langen Verletzungspause ein beachtliches Comeback - auch wenn ihn die Mannschaft am Ende durchziehen muss.

Ganz zum Schluss hat Timothy Chandler noch einmal alles reingelegt, aus 18, 20 Metern hat er aus halbrechter Position scharf aufs Hamburger Tor geschossen, „mit der letzten Power“, wie der Rechtsverteidiger sagte. Fix und fertig war der 27-Jährige zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon, sieben, acht Minuten vor Ultimo, ja Ersatzkapitän Marco Russ meinte gar, Chandler habe „gefühlt nach der Halbzeit kurz vor der Ohnmacht“ gestanden. Aber er biss die Zähne zusammen, angesichts der „unglaublichen Mannschaftsleistung konnte ich gar nicht anders als bis zum Ende kämpfen“, sagte er. Den fulminanten Schuss wehrte Christian Mathenia ab, weiter ging es für Timothy Chandler, den Sieg über die Zeit zu mauern. Und er hielt 90 plus vier Minuten durch.

Das ist insofern bemerkenswert, als sich der Ur-Frankfurter mit US-amerikanischem Pass am 21. Oktober im Heimspiel gegen Borussia Dortmund den Meniskus gerissen hatte und operiert werden musste. Die Partie in Hamburg war seine erste seitdem und er spielte gleich so, „als ob er nie weg gewesen wäre“, lobte Eintracht-Vorstand Fredi Bobic. Siebeneinhalb Wochen hatte Chandler gefehlt, erst seit knapp zehn Tagen ist er wieder im Mannschaftstraining. „Für mich persönlich war es natürlich hart, mich nach so langer Abstinenz so durchzubeißen“, sagte er zufrieden. Ein wenig habe ihn die Mannschaft auch „durchgezogen“

Chandler bereitet mustergültig vor

Und Chandler schwang sich bei seinem Comeback gleich zu einer tragenden Säule auf: Die ersten beiden Tore durch Marius Wolf und Mijat Gacinovic bereitete der Rechtsverteidiger mustergültig vor, gerade das zweite war ein wunderschön herausgespielter Treffer. Entscheidend war das Tempo, das der 27-Jährige dabei gehen konnte: Mit seinem Sprint am Flügel hebelte er die Hamburger Hintermannschaft aus. Gerade Tempo hat zuletzt bei der Eintracht gefehlt, auch deshalb ist es gut, dass Chandler zurück ist.

Dazu ließ der Comebacker auf seiner Seite wenig zu. Er lief knappe elf Kilometer, setzte zu 22 Sprints an - nur Ante Rebic (43) und Marius Wolf (33) spurteten noch häufiger, 42 Ballkontakte hatte er noch dazu. Und in den Zweikämpfe ging er so, als habe er nicht gerade eine schwere Knieblessur überwunden.

Mit der Rückkehr des Dauerläufers mit 178 Bundesligapartien gewinnt die Eintracht auf dem rechten Flügel merklich an Dynamik und Power. Zumal Marius Wolf, der in Abwesenheit Chandlers den rechten Verteidiger gab, ein Stückchen weiter nach rechts ins offensive Mittelfeld rückte und dort für jede Menge Impulse sorgen konnte. Ohnehin harmonierten diese beiden am Dienstag im Volkspark ausgesprochen gut miteinander, Marius Wolf gelingt derzeit nahezu alles.

Für Trainer Niko Kovac freilich war es „keine Überr aschung, dass Timmy durchgehalten hat“. Die komplette Mannschaft sei körperlich „auf einem hohen Niveau“, auch Chandler habe die Defizite wegen seines verletzungsbedingten Ausfalls schnell aufgeholt. Ohnehin hat sich Chandler in den letzten Monaten noch mal ein Stückchen weiterentwickelt. „Ich habe von Niko Kovac sehr viel gelernt“, sagte der Rechtsverteidiger noch. „Der Trainer redet viel mit uns, deshalb sind wir auch eine Einheit.“

Und deshalb, findet Chandler, gebe es keinen Grund, warum die beste Auswärtsmannschaft der Liga künftig nicht auch zu Hause punkten soll. Gegen Schalke am nächsten Samstag besteht wieder die Chance. Mit Timothy Chandler auf rechts.

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