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Frankfurts Marco Russ liegt nach dem Spiel am Boden.
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Frankfurts Marco Russ liegt nach dem Spiel am Boden.

Eintracht-Kolumne

Tiefschlag in Hannover

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Enttäuscht, verbittert, sauer – so reagierten die Frankfurter Spieler auf die völlig unnötige Niederlage gegen Hannover 96.

Als alles schon verloren schien, hätte die Eintracht diese seltsame Begegnung in Hannover fast noch gedreht. In der zweiten Minute der Nachspielzeit schraubte sich Marco Russ in seiner besten Szene des ganzen Spiels in die Luft und bugsierte einen wuchtigen Kopfball an den Pfosten, Hannovers Torwart Florian Fromlowitz konnte dem Ball nur hinterher sehen. In der dritten Minute der Nachspielzeit stand Ioannis Amanatidis plötzlich halbrechts frei, schoss die Kugel aber nur ans Außennetz. Dann war das erste Spiel der Saison gespielt, die Eintracht hatte gleich verloren, 1:2 (1:1) bei Hannover 96 und hatte den ersten Rückschlag der taufrischen Saison zu verkraften.

„Irgendwie können wir hier nicht gewinnen“, stöhnte Kapitän Patrick Ochs nach den ernüchternden 90 Minuten. Der letzte Sieg der Frankfurter an der Leine datiert aus dem Jahr 1987, Smolarek und Detari hatten seinerzeit die beiden Tore zum Sieg geschossen. Lang, lang ist`s her. Aber mal wieder vergeigte die Eintracht ein Spiel, das sie nie und nimmer hätten verlieren dürfen. Ein paar Fakten zum Anfang: 65 Prozent Ballbesitz hatten die Hessen, zudem fanden 83 Prozent ihrer Pässe den richtigen Adressaten, sie schlugen 29 Flanken, sechs Ecken (Hannover nur zwei) und schossen 17 Mal aufs Tor. Über weite Strecken waren die Frankfurter die bessere Mannschaft, mit dem besseren Spielverständnis und der größeren Reife. „Die Frankfurter“, sagte später bei der Analyse der zuvor schon schwer in die Schusslinie geratenen 96-Trainer Mirko Slomka, „waren der erwartet schwere, spielstarke Gegner.“

Aber die Eintracht vermochte aus dieser Überlegenheit gegen den erwartet schwachen Gegner aus Hannover kein Kapital zu schlagen. Trainer Michael Skibbe sagte, man habe Hannover genau so erwartet, also genau so unkoordiniert und planlos, wie sie eine Stunde lang aufgetreten waren. Doch die Eintracht fühlte sich zu sicher. Im Vertrauen auf ihre spielerische Dominanz, versäumten sie es, druckvoll nach vorne zu spielen. Statt dessen wurde der Ball noch mal mit der Sohle gestreichelt, wurde eine weitere Pirouette eingestreut, wurde noch ein Schnörkel eingeflochten. Das sah alles ganz nett aus, blieb aber brotlos.

„Wir müssen die richtige Mischung aus schön spielen und effektiv spielen finden“, sagte Amanatidis nach der Partie. Er war sichtlich sauer über die Vorstellung seiner Mannschaft. Er selbst gehörte vor allem im ersten Abschnitt noch zu den Besseren. Er war es aber, der eine blendende Gelegenheit zur Führung verpasste. Nach zehn Minuten köpfte er eine Freistossflanke seines Landsmannes Georgios Tzavellas ungehindert neben das Tor, es war eine 100-prozentige Torchance.

Diese Nachlässigkeit, ja Fahrlässigkeit zog sich durch das gesamte Spiel der Frankfurter. Der Sack wurde nicht zugemacht, ein Erfolg leichtfertig aus der Hand gegeben. Es wird nicht mehr viele Mannschaften geben, die derart harm- und ideenlos auf eigenem Platz zu Werke gehen wie die Hannoveraner, denen man die Verunsicherung deutlich anmerkte. Die Eintracht aber spielte eine gute Stunden Hacke, Spitze, eins, zwei, drei, danach bauten sie rapide ab und agierten viel zu offen. „Man darf das Spiel nicht nur kontrollieren, man muss halt auch den lucky punsh setzen“, deckelte Skibbe sein Team. Und wenn man dann seine Chancen liegen lässt, „fährt man mit einer Niederlage im Gepäck nach Hause.“

Sorglosigkeit bei der Chancenverwertung

Zu dieser allgemeinen Sorglosigkeit in der Chancenverwertung gesellte sich eine fatale Neigung zu freundlichen Gastgeschenken. Beide Hannoveraner Tore wären mit ein wenig mehr Konzentration leicht zu verhindern gewesen: Beim 0:1durch einen nicht unhaltbaren Flachschuss von Konstantin Rausch (21.) ließ sich Marco Russ anfängerhaft den Ball von Hannovers Neuem Mohammed Abdellaoue abluchsen, dann drosch Sebastian Jung die Kugel direkt zu einem Gegenspieler. Beim 1:2 war die Fehlerkette noch grotesker: Ümit Korkmaz, zuvor für den gelb-rot-gefährdeten Georgios Tzavellas eingewechselt, hatte den Ball an der Außenlinie eigentlich schon geklärt, er ließ ihn sich dann von Sergio Pinto wieder abnehmen, und dessen Flanke köpfte Didier Ya Konan (75.) drei, vier Meter vor dem Tor ins Netz. Wieso Oka Nikolov diese Hereingabe nicht abfing, wird das Geheimnis des 36 Jahre alten Schlussmannes bleiben. Zu seinem Patzer wollte er sich nicht äußern, nur so weit: „Dafür seid ihr Journalisten da, um das zu beurteilen.“ Bitte schön: Es war ein krasser Torwartfehler, der die Niederlage besiegelte. Auch Skibbe krittelte. „Da sah Oka nicht gut aus, der Ball war so nah am Tor.“

Der Fußball-Lehrer war, logisch, angesäuert über diese Niederlage. „Aber wir müssen uns an die eigene Nase fassen, hier war mehr möglich.“ Was ihn besonders fuchste: Die Eintracht war ja nicht ausgespielt worden, sondern eigene Fehler und Konter der 96er, die durch Ya Konan (68.) sogar noch einen Lattentreffer hatten, hätten zu der Schlappe geführt. Er wollte der Abwehr pauschal nicht die Tore ankreiden, „es waren keine Abwehrfehler, sondern Fehler der Abwehr.“ Chris, der Kapitän, fehlte doch mehr als gedacht. Am nächsten Samstag gegen den Hamburger SV soll der Brasilianer wieder spielen, es ist nötig.

Zu diesen Bolzen gesellte sich fehlende Durchschlagskraft. Theofanis Gekas, der überraschend vor Halil Altintop den Vorzug erhalten hatte, war ein Totalausfall. Er nahm im Grunde kaum am Spiel teil oder stand im Abseits. Pech hatte er, dass bei seiner einzigen guten Aktion der Hannoveraner Ya Konan den Ball wohl mit der Hand auf der Linie abwehrt, ansonsten meckerte selbst Landsmann Amanatidis: „Fanis muss mehr ins Spiel kommen, er muss mehr Ballkontakte haben, er muss engagierter sein. Das könnte besser gehen. “ Läuferisch blieb der Frankfurter Neuzugang deutlich unter Durchschnitt. Skibbe begründete seine Aufstellung mit dessen „sehr guter Trainingswoche“.

In dieser Verfassung freilich ist Gekas der Mannschaft keine Hilfe. Auch die Schaltstelle im Mittelfeld mit Alexander Meier und Pirmin Schwegler funktionierte nicht so wie erwartet. Sie bekamen keinen Druck auf, vermochten die Hannoveraner nicht in Bedrängnis zu setzen. Im ersten Abschnitt gehörte die rechte Seite mit Ochs und Sebastian Jung noch zu den Aktivposten, beide bauten nach 60 Minuten, wie viele, ab. Benjamin Köhler spielte wieder zwei Positionen, erst links im Mittelfeld, dort gelang ihm auch der Ausgleich (27.) nach Flanke von Ochs, später verteidigte er hinten links. Da freilich hatten die 96er die Partie mehr und mehr in den Griff bekommen, am Ende war ihr Sieg nicht unverdient.

Insgesamt aber war es wie so oft an der Leine, nämlich „dass wir spielerisch dominant sind, aber am Ende verlieren“, wie Klubchef Heribert Bruchhagen sagte. Der Vorstandsvorsitzende war zuletzt der einzige, der nicht in den Chor deren eingestimmt hatte, die der Eintracht eine glorreiche Saison mit 50 Punkten und mehr prophezeit hatten. Ihm habe noch niemand gesagt, gegen wen man die 50 Punkte holen wolle, hatte er erst kürzlich gemahnt. Doch Bruchhagen kann sich bestätigt fühlen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen im Augenblick bei Eintracht Frankfurt noch weit auseinander.

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