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Plädiert für den konservativen Weg: Heribert Bruchhagen.

Eintracht Frankfurt

Ein tiefer Riss durchzieht die Eintracht

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Die beiden Frankfurter Vorstände Heribert Bruchhagen und Axel Hellmann sind sich alles andere als einig, wie der hessische Bundesligist sich wirtschaftlich aufstellen soll.

Am Samstagabend hat die hochrangige Delegation von Eintracht Frankfurt den Vorstand des arabischen Fußballklubs Al Ain FC empfangen. Der potente Verein ist so etwas wie der FC Bayern der Arabischen Welt, neunmaliger Meister und asiatischer Champions-League-Sieger. Die Frankfurter Abordnung gab sich alle Mühe, ein guter Gastgeber im fremden Land zu sein, sie lud die mächtigen Herren zum Essen in den Palast der Paläste ein, dem drei Milliarden Prunkschloss Emirates Palace. Anschließend gab es noch den einen oder anderen Drink oben in Ray‘s Bar im 62. Stock der Etihad Towers. Der Vorstand des gestrigen Freundschaftsspielgegners hatte im Laufe des Abends vor allem einen Wunsch geäußert. „Sie wollten von uns wissen: Spielt Alex Meier?“, erzählt Eintracht-Finanzboss Axel Hellmann.

Meier, der in Deutschland die Torschützenliste anführt, sei „herausragend bekannt“ in Arabien, werde in einem Atemzug mit Champions-League-Größen genannt. „Es war ihnen wichtig, dass Alex Meier spielt, sie wollten ihn sehen“, befindet Hellmann. „Alex Meier ist hier unser Aushängeschild.“

Er erzählt das ausführlich zur Mittagszeit am Pool des Mannschaftshotels unter riesigen Sonnenschirmen. Er erläutert, wie wichtig die Auslandsvermarktung ist, gerade für einen Verein wie Eintracht Frankfurt. „Die Wachstumsraten sind im Ausland höher als im Binnenmarkt“, gerade weil die Deutsche Fußball Liga (DFL) „der Auslandsvermarktung oberste Priorität“ verliehen habe. Eintracht Frankfurt spiele da keine unwichtige Rolle. Die Banken, die Wirtschaft, die Hochhäuser, der Flughafen. „Wir haben eine internationalere Seite als Mönchengladbach, Düsseldorf oder Stuttgart“, betont der Finanzvorstand. Und für die DFL sei es wichtig, „dass die Klubs in die Zielmärkte gehen.“

Es reiche nicht, dass die DFL Spielbilder anbiete, „sie brauchen vor Ort auch Storys, Interviews, Spieler zum Anfassen.“ Die Eintracht bekommt dank ihres Europa-League-Auftritts gutes aus dem Auslands-Topf der DFL, in der kommenden Saison fünf Millionen Euro, in dieser Runde sind es drei. Die Internationalität, glaubt Hellmann, sei eine große Möglichkeit, mehr Einnahmen zu erzielen, die die Eintracht dringend benötigt, um nicht abgehängt zu werden im Wettbewerb.

Den Verein und die Gremien treibt seit geraumer Zeit die Frage um: Wie lässt sich die Erlösseite verbessern oder, banal gesprochen: Wie kann der Lizenzspieleretat signifikant erhöht werden, sodass die Leistungsträger gehalten und neue Leistungträger dazu geholt werden können? Axel Hellmann hat da eine klare Meinung, die in den Gremien als mehrheitsfähig gilt: „Das funktioniert nur durch eine Gegenfinanzierung, das funktioniert nur durch eine Kapitalaufnahme.“ Durch frisches Geld also, das dem Klub von außen zugeführt wird.

Unterschiedliche Ansichten

Eine Stunde zuvor sitzt Heribert Bruchhagen am Rande des Trainingsplatzes und legt seine Sicht der Dinge dar. Da hört sich vieles anders an, fast alles. Man könnte, zugespitzt formuliert, auch sagen: Der Vorstandsvorsitzende hat eine diametral andere Meinung als der Finanzvorstand. Das gezeichnete Bild ist eines der inneren Zerrissenheit, ein Bild der Gegensätze, der Kontroverse. Die Eintracht, sagt Bruchhagen, habe unter seiner Führung in den vergangenen Jahren ihre Mannschaft „immer aus dem laufenden Geschäft heraus bezahlt“ und „positives Eigenkapital“ anhäufen können: „Wir haben uns einen Status erarbeite, der ausgesprochen gut ist.“

Bruchhagen verdeutlicht klipp und klar, dass er von Fremdfinanzierung, von Anleihen oder ähnlichen Modellen nichts hält. „Man stellt sich Trojanische Pferde in den Garten, die ich hier schon vor elf Jahren vorgefunden habe.“ Der erfahrene Funktionär erinnert an den berühmten ISPR-Vertrag, der der Eintracht vor fast eineinhalb Jahrezehnten im Vorgriff zehn Millionen Euro sicherte. „Wir haben aber 24 Millionen zurückgezahlt.“ Erst vor zwei Jahren wurde die letzte Rate beglichen.

In der Öffentlichkeit sei stets von „mutigen und innovativen Investitionen“ die Rede, „aber ein Investor will sein Geld zurückgezahlt bekommen“, sagt Bruchhagen. Mit Zinsen. Und einen Gönner, der der Eintracht mit einer großzügigen Finanzspritze ohne Gegenleistungen unter die Arme greife, den gebe es sowieso nicht. „Den weißen Ritter habe ich noch nicht gesehen“, betont der 66-Jährige. „Wenn ich einen Patriarchen habe, der eine Carte blanche gibt, dann kann ich jedes Konstrukt machen. Aber den haben wir nicht.“

Er, Bruchhagen, ist der Meinung, dass „andere Konstrukte nicht zielführend sind“, man müsse ja auch immer bedenken, ob die Finanzierungsmöglichkeiten „zu unserem Verein passen“. Er hat da so seine Zweifel. Bruchhagen würde sich, wenn überhaupt, für den konservativen Weg entscheiden. „In meiner schlichten Denke geht man zur Bank, leiht sich Geld und macht Schulden. Und dieses Geld kann man dann in den Kader stecken.“ Natürlich hält er auch diese Variante eigentlich für schlecht, aber noch den einzig gangbaren Weg.

Zumal ja ohnehin niemand aufgetaucht sei, der der Eintracht Geld geben wolle. „Es gibt gar keinen Investor“, sagt er. Und auch oftmals gehandelte und ins Spiel gebrachte Namen wie etwa jenen von Börsen-Guru und Eintracht-Freund Wolfgang Steubing seien aus der Luft gegriffen. „Die genannten Namen sind Wunschdenken, aber keine Realität.“

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60 Minuten später nimmt Hellmann die Aussagen seines Vorstandskollegen leicht irritiert, aber professionell zur Kenntnis. Der 43-Jährige geht inhaltlich ein paar Schritte auf Bruchhagen zu: Es herrsche völlig Einmütigkeit darüber, dass „es keinen Anteilseigner geben wird, der Eintracht Frankfurt fremdbestimmen wird“. Das passe nicht zur Philosophie. Aber, und das Aber ist dick unterstrichen, die Eintracht müsse nach alternativen Wegen suchen, um konkurrenzfähig zu bleiben. „Die große Frage lautet: Wie kommt ein Mittelfeldklub wie wir nach vorne?“

Und da sei es unabdingbar, dass der Verein Finanzierungsmodelle prüft. „Nicht alle sind des Teufels“, sagt der Finanzexperte. „Es gibt Schattierungen bei der Aufnahme von Kapital“, und in diesen Schattierungen gebe es durchaus Chancen für die Eintracht. Hellmann wundert sich über einige Aussagen des Vorstandschefs. Etwa die, dass es gar keinen Investor gebe, der Interesse an der Eintracht habe. Hellmann: „Es gibt Leute, die bereit sind, in Eintracht Frankfurt zu investieren.“ Das sei verbrieft. Es soll insgesamt um ein Volumen von zehn Millionen Euro gehen.

Er kann sich nicht recht erklären, weshalb sich Bruchhagen überhaupt in diese Richtung äußerte. „Es gibt eine klare Beschlusslage zwischen Aufsichtsrat und Vorstand“, führt er aus. Diese sehe vor, Modelle zu prüfen. „Es gibt einen absoluten Konsens über die Aufnahme von Kapital. Diese Notwendigkeit hat auch Heribert Bruchhagen gesehen und mitgetragen.“ In einer Aufsichtsratssitzung im alten Jahr ist in dieser Frage in der Tat Einmütigkeit hergestellt worden. Das bestätigte zuletzt auch Aufsichtsratschef Wilhelm Bender. „Der Wettbewerb wird härter. Wir können nicht zuschauen, wir müssen Antworten finden.“ Es seien klare Arbeitsaufträge verteilt worden.

Geld von außen ist nötig

Axel Hellmann hat sogar schon ein „favorisiertes Modell“ im Kopf, bis Ende der Saison soll „alles unter Dach und Fach sein“. Das sei unabdingbar, um die lukrativen Angebote für Carlos Zambrano und Kevin Trapp aufrechtzuerhalten. Nur durch Geld von außen lassen sich diese Spieler über Jahre hinweg halten. „Das muss gegenfinanziert werden“, sagt Hellmann. Die Idee, sich Geld von einer Bank zu holen, hält der Finanzchef für nicht besonders clever. „Wenn wir mit fünf Millionen Euro Eigenkapital uns ein Darlehen von zehn Millionen Euro geben lassen würden, wären wir in kein guter Position.“ Der Zinssatz sei zu hoch, müsse zudem stetig bedient werden. „Geld von der Bank bietet sich für den Ausbau des Kaders nicht an.“

Es gibt schon eher die Gedanken, die Investoren „an einer Wertsteigerung des Spielers zu beteiligen“. Das habe nichts mit dem so genannten Third Party Ownership zu tun, also der Abgabe von Transferrechten an Dritte. „Das ist verboten“, bekräftigt Hellmann. Und sei niemals ein Modell für die Eintracht gewesen.

Es gehe nicht um wirtschaftliches Harakiri oder riskante Finanzmanöver. „Es geht um Kapitalaufnahme in verträglichem Rahmen und in Einklang mit den Regeln der DFL und der Kultur des Klubs.“ Das Knowhow habe man im Verein, allein fünf der neun Aufsichtsratsmitglieder seien im Finanz- oder Börsengeschäft zu Hause. „Wer, wenn nicht wir, sollte solch ein Modell sauber und seriös auf die Beine stellen können“, fragt Hellmann rhetorisch. Er muss nur seinen Vorstandskollegen überzeugen.

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