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Macht derzeit keine gute Figur: Sebastien Haller.
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Macht derzeit keine gute Figur: Sebastien Haller.

Sebastien Haller

Der tiefe Fall des Sebastien H.

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Der Frankfurter Angreifer Sebastien Haller steckt in einer veritablen Krise.

Kurz vor dem Ende des aus Frankfurter Sicht unerfreulichen Spiels hätte Sebastien Haller die Partie noch einmal heiß machen können. Da befand sich der Eintracht-Stürmer in sehr aussichtsreicher Situation, mittig im Strafraum. Um den ersten Berliner Verteidiger war er noch herumgekommen, dann aber bekam er die Kugel nicht mehr unter Kontrolle, sie sprang ihm weit vom Fuß. Und beim Versuch, noch mal an den Ball zu kommen, beging er ein Foul. Das sah ziemlich tapsig aus. Und weh hatte er sich dabei auch noch getan.

Es war eine Szene, die typisch war für Sebastien Haller. Typisch für seine letzten Auftritte im Trikot der Frankfurter Eintracht, die allesamt sehr unglücklich verlaufen sind. Mittlerweile hat der 23-Jährige auch seinen Stammplatz im Team verloren, Luka Jovic, das Schnäppchen aus der Reserve von Benfica Lissabon, hat ihm inzwischen den Rang ablaufen. Selbst in Spielen, in denen die Eintracht in Rückstand geraten war, kam es vor, dass er, der Stürmer, ausgewechselt wurde.

Das ist nicht mehr der Sebastien Haller, der noch in der Hinrunde als Königstransfer gepriesen wurde, als einer, den Eintracht Frankfurt mit viel Gewinn womöglich an eine Champions League-Mannschaft veräußern kann. Mit Haller wollte Eintracht Frankfurt den nächsten Schritt gehen, die sieben Millionen Euro (so viel hatten die Hessen noch nie für einen Fußballer ausgeben), die die Frankfurter im Sommer an den FC Utrecht überwiesen hatten, waren auch als Investition in die Zukunft gedacht. Und die Hinrunde war, nach einer gewissen Anlaufzeit, auch vollkommen in Ordnung für einen, der aus einer kleineren, schwächeren Liga in die Bundesliga wechselt: Haller war präsent, er behauptete den Ball, traf meist spektakulär, etwa gegen Werder Bremen oder in der Schlusssekunde gegen den VfB Stuttgart, als er das Tor des Monats per Fallrückzieher erzielte, er erzielte Tore mit der Hacke (Schalke) und aus dem Stand (Wolfsburg) heraus. Dazu entpuppte sich der Franzose als außerordentlich gewiefter Elfmeterschütze, allerdings bekam die Eintracht in 31 Spielen bislang erst zwei Strafstöße zugesprochen. Bis zum 18 Spieltag hatte der Schlaks acht Tore auf dem Konto, dazu kamen vier im Pokal - seit der Partie in Wolfsburg am 20. Januar freilich herrscht absolute Torflaute.

Spielerische Defizite

Dass ein Stürmer Phasen hat, in denen er nicht trifft, ist normal. Haller aber hat nicht einmal mehr Chancen, er kommt kaum noch zum Abschluss - gegen Berlin schoss Jovic, sein Sturmpartner in dieser Partie, fünfmal aufs Tor, Haller kein einziges Mal. Dazu kommt der 1,90-Meter-Mann nicht einmal mehr in die Nähe einer brenzligen Situation, selbst ein junger Dachs wie Aymen Barkok war am Samstag im Berlin-Spiel zuweilen näher vor dem Tor als der außer Form geratene Haller.

Ein Grund für die Flaute könnte sein, dass die Eintracht seit der Winterpause mehr Wert auf gepflegten Fußball legt. In der Hinrunde, als die Frankfurter öfter lange Bälle spielten, kam Haller das schlichte System dank seiner Präsenz entgegen, inzwischen bleibt der Ball am Boden. Haller ist kein Kombinationsspieler, er hat große spielerische Defizite, der Ball gehorcht ihm nicht, er verschusselt manches. Noch immer wirkt sein Spiel so, als ginge vieles zu schnell für ihn, auch gedanklich. Dass manches schwerfällig aussieht, mag an seiner Größe liegen. In der momentanen Form ist Haller der Mannschaft jedenfalls keine Hilfe, mehr noch: Er wirkt wie ein Fremdkörper. Derlei technische Defizite offenbarte er auch in der Hinrunde, doch da traf er wenigstens noch. 

Der tiefe Fall des Sebastien H. ist den sportlich Verantwortlichen nicht verborgen geblieben. Sie bemerkten ja auch die Krise ihres Stürmers, registrierten den rapiden Werteverfall des Königstransfers.

Kovac und Bobic reden den Angreifer stark

Deshalb versuchen sie, den Mann, der aus einem Vorort von Paris stammt, starkzureden. Trainer Niko Kovac lobt fast gebetsmühlenartig, wie sehr Haller für die Defensive ackert. Bei Eckbällen oder Standards ist er wegen seiner Kopfballstärke im eigenen Strafraum gefragt. Ex-Torjäger Fredi Bobic hob selbst sportliche Minimalanforderungen über die Maßen hervor. Etwa, als Haller im Spiel gegen Hoffenheim per Kopfball die Latte traf, „überragend“, lobte Bobic. 

Haller selbst spürt natürlich, dass es momentan nicht läuft bei ihm. Dabei, glaubt er, habe er gezeigt, dass er in der Bundesliga mithalten kann. Aber: „Als Stürmer kannst du nicht sagen, du hast gut gespielt, wenn du nicht getroffen hast“, sagte er vor einigen Wochen im großen FR-Interview. Nur: Wie kommt man aus der Krise heraus? Am Samstag gegen die Bayern wird das mit dem Toreschießen nicht leichter.

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