Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

SGE

Eintracht Frankfurt: Filip Kostic und die Posse um Serverprobleme in Rom

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
    schließen

Eintracht Frankfurt will Filip Kostic für seinen Streik zwar bestrafen, ihm aber bereitwillig den Weg zurück ebnen. Lazio Rom sollte nicht nur in Spieler, sondern auch in die IT investieren.

Frankfurt am Main - Zurzeit herrscht noch Funkstille. Keine Mail, keine Whatsapp, kein Telefonat. „Es gibt“, sagt Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche, „keinen Kontakt.“ Es geht, natürlich, um das Dauerbrenner-Thema in Frankfurt, es geht um den bockigen Leistungsträger Filip Kostic, der so gerne weg wollte, aber nicht durfte. Der Serbe ist momentan mit seiner Nationalmannschaft auf Europatour, Debrecen, Belgrad, Dublin. Weit weg von Frankfurt. Das ist besser so. Findet sogar der Sportchef. „Es ist ganz gut, dass er jetzt mal ein bisschen Abstand gewinnen kann“, betont Krösche.

Eintracht Frankfurt: „Filip hat überreagiert“

Es ist anzunehmen, dass Filip Kostic aktuell nicht ganz so gut drauf ist, enttäuscht ist er allemal, vielleicht fühlt er sich einfach nur leer. Schließlich ist der forcierte Wechsel von Eintracht Frankfurt zu Lazio Rom endgültig geplatzt, Kostic muss in Frankfurt bleiben. Ob ihm das passt oder nicht. Daran wird er zu knabbern haben, denn der Wunsch nach einer Veränderung war ausgeprägt und nicht kurzfristiger Natur, seit Wochen beschäftigt sich der Linksaußen mit einem Abgang von seinem Stammverein. Und hat das intern entsprechend kommuniziert. Das Problem: Lange Zeit gab es gar kein Angebot.

Oliver Glasner und Markus Krösche im Gespräch.

Doch dann hat ihm Lazio den Mund ganz schön wässrig gemacht, ihn mit einem Salär von fast fünf Millionen Euro gelockt – netto. Kostic, bald 29, witterte die Chance auf seinen letzten großen Vertrag, einen langfristigen gar, vier Jahre. Der Traum platzte, weil die Römer nicht bereit waren, ihr Angebot aufzustocken, das lag bei lächerlichen zehn Millionen Euro – die Offerte übrigens kam erst an, nachdem mehrere E-Mails wegen Serverproblemen bei Lazio gar nicht bei der Eintracht ankamen. Die aus Rom verbreitete Geschichte, wonach die Eintracht absichtlich eine falsche Mail-Adresse angegeben habe, ist erwiesenermaßen falsch und im Kern irrelevant, denn für diese Summe hätte die Eintracht ihren besten Spieler sowieso nicht verkauft. „Das konnten wir nicht machen“, erläutert Krösche mit einigem Abstand. Und genau so hat er es auch seinem Spieler mitgeteilt, ehe dieser sich zum ultimativen Mittel entschied: Streik. Gewiss nicht die bester aller Ideen, eher so ziemlich die dümmste.

Eintracht Frankfurt: Absprachen aus der Vergangenheit zählen nicht

Krösche stellte heraus, dass er nicht auf die Einzelinteressen aller Akteure eingehen könne, zumal dann nicht, wenn die wirtschaftlichen Kennzahlen nicht im Sinne des Vereins sind. „Ich trage die Verantwortung für das Große und Ganze und muss Vereinswerte und den Klub schützen.“ Da müsse er eben auch mal „Entscheidungen treffen, die für den Spieler nicht so optimal sind.“ Die Frage, ob sich Kostic auf mündliche Zusagen seines Vorgängers Fredi Bobic berufen habe, umschiffte Krösche. „Was vor meiner Zeit war, kann ich nicht bewerten.“ Heißt: Absprachen aus der Vergangenheit mit von Bord gegangenem Führungspersonal können in der Gegenwart nicht zählen. Das ist nur allzu logisch.

Im Stadtwald hat der Eingliederungsprozess schon lange wieder begonnen. Der 28-Jährige soll nach der Länderspielreise wieder fester Bestandteil der Mannschaft und ein wichtiger Faktor sein. „Filip hat überreagiert“, sagt Manager Krösche. „Es war eine Sondersituation, und Menschen machen Fehler.“ Der 40-Jährige bleibt dabei: Kostic sei im Grunde seines Herzens ein zurückhaltender, guter Junge, ein feiner Kerl. Aber fehlgeleitet. Diesen Eindruck haben die Verantwortlichen gewonnen, sie zeichnen das Bild eines zerrissenen Menschen, dem von windigen Herrschaften der Kopf verdreht wurde. Dass Kostic im relativ hohen Fußballalter die Gelegenheit ergreifen und dick Kasse machen wollte, kann die Sportliche Leitung sogar nachvollziehen. Der Weg aber war der falsche. Und: „Er wird auch bei uns nicht zum Sozialfall“, wie Coach Oliver Glasner treffend sagt. Gerüchte, wonach der Spieler seinen Spind ausgeräumt habe, bestätigten weder der Sportvorstand noch der Trainer.

Eintracht Frankfurt: Filip Kostic droht eine Strafe

Klar ist, dass es zu einem ausführlichen Gespräch mit dem Kurzzeit-Querulanten kommen wird. „Wir werden einen Weg finden, auch in Zukunft gemeinsam erfolgreich zu sein“, bekundet Markus Krösche. Unstrittig ist, dass Kostic eine Strafe erhalten wird. „Wir werden über Sanktionen sprechen müssen.“ Alles andere wäre nahezu absurd.

Der von Filip Kostic forcierte Wechsel von Eintracht Frankfurt zu Lazio Rom platzt.

Für Oliver Glasner ist eine Bestrafung aber „nicht entscheidend“, und er wählt zur Verdeutlichung ein Beispiel aus dem Familienleben. „Das wäre ja so, als würde es in der Ehe einen Seitensprung geben und der Mann dann sagen: ,Okay, ich zahle eine Geldstrafe - und damit ist es wieder gut.‘ Das funktioniert nicht.“

Amin Younes bleibt ein Problem für Eintracht Frankfurt

Es geht eher darum, wieder zueinander zu finden, sich anzunähern und „Vertrauen wieder aufzubauen, damit wir alle gemeinsam eine gute Zukunft haben.“ Kostic habe auf alle Fälle eine Chance verdient, diese Signale habe er, der Cheftrainer, aus der Mannschaft empfangen. „Die Tür ist nicht zu, wir machen sie ihm auf.“ Und nach der Aussprache müsse die Angelegenheit abgehakt werden. „Das muss dann erledigt sein.“ In wieweit sich Kostic mental wieder auf die Eintracht einlassen kann, steht momentan in den Sternen. Gedanklich war er nämlich schon weg.

Genauso wie Amin Younes, der zweite Problemfall im Kader. Der Wechsel des 28-Jährigen nach Saudi-Arabien ist ebenfalls gescheitert, doch wie es mit Younes weitergeht, ist völlig offen. Die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt bissen sich am Mittwoch in einer Presserunde auf die Zunge. „Dazu wollen wir heute erst mal nichts sagen“, befand Krösche. Zum Fall Younes werde man sich „separat äußern“, ergänzte Pressechef Jan Martin Strasheim.

Klingt nicht so, als stünde für den Nationalspieler die Tür genauso weit offen wie bei Kollege Kostic. Die Offensivkraft hat den Rückhalt innerhalb des Teams verloren. Sogar eine Vertragsauflösung könnte ein Thema werden. Denn Quertreiber sollen ausgemistet werden, das Kollektiv wieder über dem Ego stehen. „Der 1. September ist vorbei. Es wird kein Angebot mehr kommen, und in die Champions League kommen wir nachträglich auch nicht mehr. Also Haken dran“, sagt Glasner und will das genau so auch seinen Spielern sagen: „Lasst uns als Gruppe zusammenhalten. Dann macht alles viel mehr Spaß.“ (Ingo Durstewitz)

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa/archivbild

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare