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Vaclav Kadlec nach seinem Tor 2013.

Eintracht Frankfurt

Der Teufel trägt Kickstiefel

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Damals vor fünf Jahren: Mit drei Siegen am Stück ist Eintracht Frankfurt fast in der nächsten Runde.

Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren und nach einem erstaunlich souveränen 2:0 (1:0)-Erfolg im dritten Europa League-Spiel gegen Maccabi Tel Aviv titelte die „Frankfurter Rundschau“ schier freudetrunken: „Mit Siebenmeilenstiefeln durch Europa.“ Drei Spiele - drei Siege, neun Punkte, 8:0 Tore - sehr viel besser hätte sich Eintracht Frankfurt beim letzten Auftritt auf internationaler Bühne nicht präsentieren können, und natürlich waren da schon längst Erwartungen geweckt. Kein Mensch zweifelte da am Einzug in die Runde der letzten 32.

Vorstand Axel Hellmann formulierte entsprechend forsch, aber keineswegs kühn: „Wir müssenGruppensieger werden.“ Nicht nur, dass der Gruppensieg gut fürs Renommee war und ist, er brachte bares Geld, 400.000 Euro damals, in diesem Jahr wird es bereits eine Million Euro sein.

Vaclav Kadlec war es, der die Hessen vor 40.800 Zuschauern früh (13.) schon ihn Führung bringen sollte. Es war schon sein sechster Pflichtspieltreffer, und da dachte man noch, der Tscheche könne endlich das Frankfurter Sturmproblem dauerhaft lösen. Tat er dann aber doch nicht. Das Tor war zugleich die Krönung der schönsten Kombination des ganzen Spiels, fast die halbe Mannschaft war an der Entstehung beteiligt: Johannes Flum leitete den Treffer mit einem Flankenwechsel auf Sebastian Jung ein, der direkt weiter zu Tranquillo Barnetta passte. 

Der Schweizer setzte sich sehr geschickt durch, flankte nach in die Mitte, wo Tel Avivs Torwart Juan Pablo den Kopfball von Alexander Meier noch an den Pfosten lenken konnte – und Kadlec abstaubte. Ein Spielzug wie aus dem Lehrbuch. Und ein Ausdruck Frankfurter Dominanz. Alex Meier, wer sonst, machte dann in der zweiten Halbzeit den Sack (53.) mit dem 2:0 zu. Vorher hatte sich Tel Aviv selbst geschwächt, Ben Haim sah nach zweimaligem Handspiel binnen weniger Minuten noch in der ersten Hälfte die Ampelkarte.

„Das war ein toller Abend heute“, fand Barnetta. Trainer Armin Veh hatte einen „tollen Sieg“ gesehen und die Frankfurter Begeisterung für europäische Abende herausgestellt. „Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn wir über Weihnachten nicht im Wettbewerb blieben“, meinte selbst der sonst so vorsichtige formulierende Klubboss Heribert Bruchhagen. 

Die Partie fiel auch in die Woche, in der Mittelfeldmotor Sebastian Rode ein offenes Geheimnis endlich lüftete und seine Absicht verkündete, den im Sommer 2014 auslaufenden Vertrag mit der Eintracht nicht zu verlängern. Und sich stattdessen dem FC Bayern München, von langer Hand geplant, anzuschließen. Drei Tage nach dem Euro-Highlight gingen die Hessen bei Borussia Mönchengladbach sang- und klanglos 1:4 unter. Die Frankfurter rutschten da, am zehnten Spieltag mit zehn Zählern auf Platz 14, langsam, aber sicher in die unangenehmen Gefilden der Liga ab.

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