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Berühmter Gegenspieler für Luca Waldschmidt: Marco Reus.

Eintracht Frankfurt

Teddybären und ein Lichtblick

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Ohne Alex Meier läuft im Sturm bei Eintracht Frankfurt nicht viel zusammen, selbst dann nicht, wenn Luca Waldschmidt Mut macht.

Sehr viel größer könnte der Kontrast für Luca Waldschmidt nicht sein. Eben noch die ganz große Bühne, 80 000 im Dortmunder Fußballtempel, Bundesliga, die Gegenspieler namhaft, etwa Marcel Schmelzer. Marco Reus oder Mats Hummels, maximale Aufmerksamkeit. Jeder Ballkontakt wird gezählt (zwölf), jeder Zweikampf (vier, zwei gewonnen) wird registriert, jeder gelaufene Meter gezählt, 2500 hatte er. Es war ein Erlebnis für den jungen Mann, „etwas ganz besonderes“, wie er hinterher sagte. Es war sein allererstes Bundesligaspiel. „Geil, einfach geil.“

18 Stunden später war er zurück in der Normalität. Die heißt: Riederwald, Abstiegskampf, A-Junioren, fast 100 Zuschauer, die Gegenspieler sind Görgy Hursan oder Adrian Emerllahu, und die Ballkontakte zählt auch keiner. 3:2 hat Alex Schurs Truppe gewonnen, nach 0:2-Rückstand, Waldschmidt hat zwar kein Tor selbst erzielt, aber zweimal aufgelegt, zum Ausgleich und zum Siegtor durch Enis Bunjaki, der nach einem Waldschmidt-Schuss abstaubte. Es war ein rundum gelungenes Wochenende für den gebürtigen Siegener Luca Waldschmidt ist es schon ein bisschen gewohnt, zwischen den Ligen zu switchen, zwischen Jugend- und Erwachsenenfußball zu pendeln. Er trainiert, seit dem er seine Schambeinverletzung inklusive Operation in Berlin überwunden hat, regelmäßig bei den Profis, und spielt an den Wochenenden bei der A-Jugend, die jeden Punkt im Kampf um den Klassenerhalt dringend braucht. Unlängst, beim 2:1-Sieg gegen den FC Augsburg, hat er den Siegtreffer erzielt.

Couragierter Kurzauftritt

Er war schon „ein bisschen nervös“, erzählte er hinterher lächelnd, als ihm der Trainer Thomas Schaaf am Samstag ein Zeichen gegeben hatte. Der 18-Jährige hatte sich die ganze Zeit über warmgemacht, schon das war bemerkenswert. Denn die Frankfurter Ersatzspieler trabten sich direkt vor der berühmten gelben Dortmunder Wand in Form, dann, in der 73. Minute, betrat Waldschmidt den Rasen. „Die Freude war größer als der Bammel“, sagte er später. Er musste danach auch gleich ans Flatterband, Interviews geben. Er machte das nicht schlecht.

Sein erster Auftritt in der Bundesliga war durchaus ermutigend. Er hatte Zug zum Tor, spielte forsch auf, er fremdelte kaum. Einmal wäre er sogar fast zum Abschluss gekommen, doch Doppelpasspartner Nelson Valdez war falsch gelaufen, einen Torschussversuch hatte er dennoch. „Er ist einer, der immer in eins-zu-eins-Situationen gehen kann“, lobte später Trainer Schaaf. „Er hat auch eine gewisse Unbekümmertheit an den Tag gelegt.“ Schaaf mag solche Typen, die drauf gehen, keine Angst zeigen, er will ihnen auf ihrem Weg zum Bundesliga-Profi behilflich sein. Das hat er bereits bei Joel Gerezgiher getan, doch der Mittelfeldspieler war lange verletzt und sucht derzeit den Anschluss.

Waldschmidts couragierter Kurzauftritt war vielleicht das einzig halbwegs Positive an diesem trüben Samstagnachmittag. Denn Eintracht Frankfurt hinterließ gerade im Angriff einen erschütternd harmlosen Eindruck, als griffen lauter kuschelige Teddybären an. Nie hatte man auch nur im Entferntesten das Gefühl, es könnte gefährlich werden für BVB-Torwart Mitchell Langerak. Wahrscheinlich hätte man das Dortmunder Tor abbauen können, ob es die Frankfurter gemerkt hätten, ist ungewiss.

Lucas Piazon, Nelson Valdez und Haris Seferovic, die nominell für die Offensive aufgeboten waren, erwiesen sich jedenfalls als Totalausfälle. Piazon hat nach fast einem Jahr noch immer nicht begriffen, dass er nicht mehr in der A-Jugend spielt. Zum wiederholten Male agierte er schüchtern im Zweikampf, saft- und kraftlos, vor allem aber körperlos, läuft er über den Platz, spielt in der Regel quer oder zurück. Ausgerechnet ihm bot sich die einzige Chance auf einen Treffer: Kurz vor der Pause lief er, nach einem Missverständnis der Dortmunder, plötzlich mutterseelenallein aufs Tor. Der Brasilianer hatte freie Schussbahn, doch er zögerte viel zu lange, wartete und wartete, so lange, bis Sokratis ihm den Ball noch vom Fuß holte. Selbst Schaaf, der ein großer Fürsprecher des vom FC Chelsea ausgeliehen Angreifers ist, deckelte ihn hinterher sanft: „Das Tor muss er machen.“ Erstaunlicherweise durfte Piazon 90 Minuten durchspielen, Schaaf hatte halt immer noch darauf gehofft, dass „er seine Qualitäten“ zeige. Vergeblich. Immerhin wird Eintracht Frankfurt auf die Dienste des Brasilianers künftig verzichten, Piazon muss zurück nach London.

Eintracht Frankfurt hat durch den Ausfall des besten Torschützen Alex Meier ganz offensichtlich ein veritables Problem, Tore zu erzielen. Seit drei Spielen fehlt Meier, seit drei Spielen hat Eintracht Frankfurt kein Tor mehr erzielt, jene Mannschaft, die hinter Bayern, Wolfsburg und Leverkusen die treffsicherste ist. Wenn dann auch noch Stefan Aigner (neun Treffer) ausfällt, und Seferovic wie Valdez derart indisponiert sind und in 90 Minuten kein Bein auf den Boden bekommen, dann sieht es duster aus. Trotz eines Lichtblicks.

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