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Erleichterung bei den Frankfurtern: Marc Stendera wird von seinen Kollegen geherzt.
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Erleichterung bei den Frankfurtern: Marc Stendera wird von seinen Kollegen geherzt.

Eintracht siegt in Hannover

Talfahrt gestoppt

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Die Frankfurter Eintracht siegt mit 2:1 in Hannover, weiß aber auch danach immer noch nicht, wo sie eigentlich genau steht.

Der Frankfurter Trainer Armin Veh wusste zuerst gar nicht, wohin mit seiner ganzen Freude. Da hatte der Schiedsrichter endlich abgepfiffen, Eintracht Frankfurt hatte eine Serie von fünf sieglosen Spielen gerade gestoppt, als der Coach die Fäuste ballte, leicht in die Knie ging, seinen Jubel hinausschrie und dann seinen langjährigen Co-Trainer Reiner Geyer umarmte. Und dann noch den Leiter der Lizenzspielerabteilung Rainer Falkenhain. Und wer ihm noch so in die Quere kam. „Ich bin unheimlich glücklich.“

Tatsächlich war nach dem nicht einmal unverdienten 2:1-Erfolg, dem ersten Bundesligasieg bei Hannover 96 seit 28 Jahren, die Erleichterung bei allen Beteiligten mit Händen zu greifen. Die Talfahrt ist fürs Erste gestoppt. Es war in einer durchaus kritischen Phase der Saison ein eminent wichtiger Erfolg. Diese drei Punkte sorgen erst einmal für Ruhe, auch angesichts des nächsten Heimspiels, in dem die Bayern zu Gast sind und die Wahrscheinlichkeit eines hohen Sieges nicht allzu groß ist.

Diese drei Punkte sind in erster Linie für die mentale Beschaffenheit dieser Mannschaft von enormer Bedeutung, sie lösen Blockaden, machen den Kopf frei. Das Selbstvertrauen, das auf seltsame Art und Weise vor dreieinhalb Spielen irgendwie in der Kabine geblieben war, ist zurück, die Frankfurter Brust geschwellt.

Noch kein Befreiungsschlag

Natürlich war der Sieg in Hannover, der vor allem dem jungen Marc Stendera mit seinen beiden schönen Treffern (57. und 65. Minute) zu verdanken ist, noch lange kein Befreiungsschlag. Aber der erste Schritt in die richtige Richtung, eine Art Schadensbegrenzung zur rechten Zeit. Auf der Leistung nach der 50. Minute lässt sich aufbauen.

Als Wachmacher musste ausgerechnet ein Gegentor herhalten. „Normalerweise ist so ein Rückstand in unserer Situation tödlich“, sagte Armin Veh. Stefan Reinartz, der völlig neben den Schuhen stand, hatte im Mittelfeld eine leichten Ball verloren, Hiroshi Kiyotake hatte den bis dato harmlosen Felix Klaus in Szene gesetzt, und weil sich der Stürmer im Kern selbst anschoss, flog der Ball zur Hannoveraner Führung ins Netz (51.) Danach hatte die Eintracht, die in gewöhnungsbedürftigen eigelbfarbenen Trikots spielte, nichts mehr zu verlieren, „da haben wir endlich angefangen, Fußball zu spielen“, sagte Alexander Meier. Auf einmal waren die Hessen im Spiel, auch weil Veh den behäbigen Reinartz sofort auswechselte und Slobodan Medojevic (siehe Seiten 2 und 3) brachte. Ein Schachzug, der aufgehen sollte.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Plötzlich war Zug im Frankfurter Spiel, schnell bot sich Stefan Aigner die Möglichkeit zum 2:1 (58.), während die Gastgeber weiterhin völlig passiv agierten und nicht mehr gefährlich vor das Frankfurter Tor kamen. So absurd es sich anhörte: Das 0:1 war der Dosenöffner, es wirkte geradezu befreiend für die Frankfurter, die Lethargie war endlich wie weggeblasen. Denn jetzt war eh schon alles egal.

Zuvor freilich lieferte die Eintracht ein grottenschlechtes Spiel ab. Das hatte mit Bundesligafußball wenig zu tun. Oberste Priorität hatte das Sichern des eigenen Tores, die Kompaktheit im Spiel, „wir wollten nur nicht die Ruhe verlieren“ (Marco Russ). Danach wollte man über Konter zum Erfolg kommen. Dummerweise hatte Hannover 96 die gleiche Idee, und so entwickelte sich ein unterirdisch schlechter Kick. Die Nervosität war unübersehbar, die Verunsicherung zu spüren, einfachste Dinge klappten nicht. Selbst der Frankfurter Trainer Armin Veh wollte fast schon nicht mehr hinschauen: „In der ersten Halbzeit war es kein Spiel, für das man ins Stadion gehen muss.“ Es ging nur darum, das Schlimmste zu verhindern. „Offensiv haben wir nicht stattgefunden“, sagte Veh. „Jeder hat den Druck gespürt.“

Armin Veh hatte, wie angekündigt, System und Personal gewechselt. Statt einer Raute spielten die Hessen mit einer 4-2-3-1-Taktik. Immerhin wirkten die Frankfurter (gegen einen ebenso schwachen, passiven Gegner) einigermaßen stabil. Auch wenn Bastian Oczipka auf Linksaußen und Makoto Hasebe als Rechtsverteidiger allenfalls als Notlösungen durchgehen. Natürlich war es nicht schön anzusehen, wie die Gäste in Hannover auftraten. Doch in so einer Situation heiligte der Zweck die Mittel. Da war in den ersten 50 Minuten nichts zu sehen von Spielwitz, von Ballzirkulation, von Dominanz. „In der ersten Halbzeit ging es nur darum, gut zu stehen“, sagte hinterher Marco Russ.

Ob diese Art, Fußball zu spielen, freilich eine Zukunft in Frankfurt hat, ist fraglich. So wie in der ersten Halbzeit geht es sicherlich nicht. Irgendwie wissen sie in Frankfurt auch nach zehn Spieltagen noch nicht, wo die Mannschaft steht und wofür sie steht. Sie haben ein bisschen ihren Kompass verloren, tasten sich mühevoll an ein tragfähiges Konstrukt heran. Doch wie belastbar ist es?

Das Wichtigste ohnehin war der schnöde Sieg, die drei Punkte. „Selbstvertrauen kriegst du nur durch Siege“, sagt Veh. Er kam gerade zur rechten Zeit, angesichts der nächsten Spiele im Pokal bei Erzgebirge Aue und am Freitag zu Hause gegen den FC Bayern München. Die Stimmung jedenfalls war im Stadtwald schon mal schlechter.

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