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Ein Schubser mit Symbolik

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Von: Ingo Durstewitz

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Legt sich mit den Kapitän an und kommt beim 0:1 zu spät: Tuta (li.).
Legt sich mit den Kapitän an und kommt beim 0:1 zu spät: Tuta (li.). Foo: Imago Images © imago

Tuta wehrt sich handgreiflich gegen Torwart Kevin Trapp und muss zum Rapport bei Trainer Oliver Glasner

Frankfurt – Als wäre die verdrießliche 0:3-Klatsche beim Letzten nicht schon schlimm genug, gehen sich die Frankfurter Fußballer mitten im Spiel auch noch gegenseitig an den Kragen und liefern Bilder, die nicht schön sind, aber zu diesem schwarzen Nachmittag im Ruhrpott passen und für den desolaten Auftritt der Eintracht bezeichnend sind. Trapp gegen Tuta – da steckte viel Symbolik und Sinnbildliches drin.

Das kurze Theater begann so: Torwart Kevin Trapp, bekannt dafür, sich seine Vorderleute gerne mal zur Brust zu nehmen, schnappte sich nach gut 70 Minuten seinen Verteidiger Tuta, um ihn sehr bestimmt zu etwas mehr Konzentration anzuhalten. Das kann man schon mal machen als Vizekapitän und unumstrittene Führungskraft, zumal der junge Brasilianer in Bochum fürwahr nicht seinen besten Tag erwischte, was passieren kann, aber generell schlecht ist, wenn es neun anderen genauso ergeht. Tuta also hatte gerade einen halbgaren Befreiungsschlag fabriziert, weshalb der Keeper einschritt und den Kameraden zur Räson rief. Der 23-Jährige, bisher nicht als übermäßiger Hitzeblitz auffällig geworden, fand das gar nicht so lustig, schluckte die kurze Ansage seines Torwächters auch nicht einfach runter, sondern ging erbost und ganz schön wütend zur Gegenattacke über: Schubser und leichter Wischer. Gehört sich nicht, macht man nicht. Gerade dann nicht, wenn man fast zehn Jahre jünger ist und in der Hierarchie nun auch nicht ganz oben steht.

Eintracht Frankfurt: Glasner beordert Tuta zum Rapport

Trapp, 32, Nationaltorwart, schaute verdutzt, als habe er gar nicht begriffen, was da gerade passiert ist. Doch klugerweise ließ er den Ärger schließlich an sich abperlen und widmete sich wieder dem Geschehen auf dem Rasen. Bezeichnend auch, dass kurz drauf das 0:1 nach einer Ecke fiel. Genauso bezeichnend, dass es Tuta war, der den Bochumer Stürmer Philipp Hofmann aus den Augen verlor.

Nun sollte man die Szene nicht höher hängen als sie ist und auch nicht dramatisieren, das kann schon mal passieren in der Hitze des Gefechts. Trotzdem ist es richtig von Trainer Oliver Glasner, nicht einfach darüber hinwegzugehen und auch klarzumachen, wer eines Fehlverhaltens zu bezichtigen ist: Tuta.

Der Coach kündigte an, den Abwehrmann zum Rapport zu bestellen. „Es wird deutliche Worte geben“, befand Glasner. „Es ist gut, wenn Kevin die Jungs auch mal rüffelt, wenn irgendetwas nicht passt. Ganz wichtig ist auch, dass man sich von erfahrenen Spielern mal etwas sagen lässt“, betonte der sichtlich frustrierte Fußballlehrer und legte mit einer grundsätzlichen Einschätzung nach, die eigentlich nichts Gutes erahnen lässt und die Vermutung nahelegt, Tutas Sinne seien ein wenig vernebelt und der Kerl wohl ein wenig abgehoben. „Vielleicht ist dem einen oder anderen der Erfolg ein bisschen zu schnell gegangen. Darüber werden wir intern sprechen.“ Klingt nicht gut, so alles in allem. (Ingo Durstewitz)

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