+

Europa League

Die Südamerikaner aus der Kälte

  • schließen

Eintracht-Gegner Schachtjor Donezk ist Stammgast in der Königsklasse - und traditionell Heimat vieler brasilianischer Profis.

Ein einziges Törchen fehlte Schachtjor Donezk am Ende gegen Olympique Lyon. Dann wäre der ukrainische Spitzenklub im Achtelfinale der Champions League und nicht die Franzosen. Die Partie endete aber 1:1, Donezk hätte einen Sieg gebraucht, um noch Zweiter hinter Manchester City in der Gruppe F zu werden. So muss der Klub aus dem Donbass im Sechzehntelfinale der Europa League ran und trifft dort auf Eintracht Frankfurt. Jenen Wettbewerb also, den der Klub des Milliardärs Rinat Achmetow 2009 gewonnen hat, als er noch Uefa-Cup hieß. 2:1 gegen Werder Bremen nach Verlängerung in Istanbul. Damals wie heute dabei: Keeper Andrij Pijatov. Die andere Konstante ist die, dass damals wie heute Brasilianer für die Erfolge verantwortlich sind.

Beim Uefa-Cup-Sieg spielten unter anderem Willian (heute FC Chelsea), Fernandinho (Manchester City) und der damalige brasilianische Nationalstürmer Luiz Adriano (Spartak Moskau). Kein Team in Europa setzt so konsequent auf die Kicker vom Zuckerhut wie die Ukrainer. Die heute unbekannten Damian Rodriguez und Brandao waren 2002 die ersten Brasilianer, die nach Donezk kamen.

Die Erfolgsstory des Klubs begann jedoch erst mit der Verpflichtung von Trainer Mircea Lucescu. Für Achmetow war der Rumäne genau der richtige Mann, um Dynamo Kiew vom ukrainischen Fußballthron zu stoßen, Lucescu sprach fließend portugiesisch und hatte in der Türkei mit Galatasaray und Besiktas Istanbul attraktiven Fußball spielen lassen. So passte er perfekt in die Strategie, die sich Ahmetov zurechtgelegt hatte. „Schachtjor war bereit, viel Geld für die Spieler auszugeben“, berichtete Oleksandr Tkach, früherer Chefredakteur von Tribuna.com dem US-Sender ESPN. Dabei sei das Scoutingsystem in Brasilien nicht darauf ausgelegt gewesen, unentdeckte Talente aufzuspüren, sondern Juniorennationalspieler, die auf sich aufmerksam gemacht hatten, in die Ukraine zu locken. „Den Spielern wurde gesagt, dass es eine Menge Brasilianer bei Schachtjor gibt und alle glücklich sind“, sagte Tkach. Das waren und sind sie auch, denn die Spieler blieben nicht nur ein oder zwei Jahre, sondern meistens vier oder fünf.

Seit 2004 hat Donezk zehnmal die Meisterschaft gewonnen und ist Dauergast in der Champions League. Seit 2016 heißt der Trainer Paulo Fonseca, ein Portugiese. Natürlich führt Donezk die Liga auch in dieser Saison an, sieben Punkte Vorsprung vor Kiew. In der Hauptstadt oder in Charkiw trägt Schachtjor seit dem Krieg in der Ostukraine seine Heimpartien aus. Das Hinspiel gegen die Eintracht wird die erste Partie nach drei Monaten Winterpause sein. Ein Vorteil für Frankfurt?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare