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Wohin geht die Reise der Eintracht?
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Wohin geht die Reise der Eintracht?

Eintracht-Krise

Suche nach sich selbst

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Eintracht hat ihre Bestimmung noch immer nicht gefunden. Die Hessen suchen weiter ihre Form und Wege aus der Krise. Viel schlechter und hilfloser als gegen Aue kann man sich nicht präsentieren.

Es ist noch nicht so lange her, da war die Eintracht-Welt noch ganz und gar heile. Nicht dass sie jetzt komplett zerbrochen wäre, aber ein paar tiefe Risse zeichnen sich ab, das ganze Gebilde wankt und ist vom Einsturz bedroht. Rosarot kommen die Frankfurter nicht mehr daher. Es war ja schon so schlimm, dass die schwarzrote Eintracht im unschönen gelben Gewand spielen musste, um noch größeres Ungemach abzuwenden. In Hannover hatte das geklappt. In Aue nicht mehr. Bei einem Drittligisten. Eintracht Frankfurt ist am Tiefpunkt angekommen. Davon war vor ein paar Monaten nicht auszugehen.

Die Illusionen sind weg

Damals, Ende Juli, im Trainingslager in Windischgarsten, strotzte die Frankfurter Entourage vor Selbstvertrauen. Die Spieler zogen prächtig mit, die Stimmung war bombastisch. Und Armin Veh glaubte, seine Mannschaft gefunden zu haben. Er lobte die neue Schnelligkeit da hinten durch David Abraham, adelte Stefan Reinartz als seinen Quarterback, verteilte sogar Sonderlob an Takashi Inui („geiler Kicker, liebe solche Spieler“), und ganz vorne, ja, da war er der festen Überzeugung, dass die Eintracht mit Haris Seferovic und Luc Castaignos zwei echte Waffen in ihren Reihen hat. Vom verletzten Alex Meier sprach da noch gar keiner. Veh war der Ansicht, mit diesem Team die Großen ein bisschen ärgern zu können. Das denkt in Frankfurt heute niemand mehr.

„Man sollte wissen, für was man steht. Das, was wir vorhaben und das, was wir wollen, soll klar und erkennbar sein“, führte Veh damals aus. Zumal die Eintracht in ihren Reihen „gute Fußballer“ habe. „Eine Hauruck-Mannschaft sind wir nicht.“ Hauruck – genau so hat Vehs Mannschaft zuletzt gespielt. Oder noch schlimmer: Eigentlich völlig plan- und konzeptlos.

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Eigentlich dachte man, die Eintracht hätte den rapiden Abwärtstrend erst einmal gestoppt, vor knapp einer Woche siegte sie in Hannover. Doch dann kam der Rückschlag in Aue, dieses böse 0:1, diese Blamage beim Drittligisten im Pokal, die die FR anderntags als „Schande von Aue“ beschrieb. Solch eine pomadige, schlampige und lethargische Vorstellung hatte man lange von keiner Eintracht-Mannschaft gesehen. Und dürftige Auftritte gab es zuhauf in der letzten und auch in dieser Saison.

Und jetzt kommen noch die Bayern, die wahrscheinlich auch mit ihrer U23 zu stark für die völlig verunsicherten Frankfurter wären. Dass man am Freitagabend die Münchner schlägt, das glauben wohl nicht mal die, die früher die Bayern immer oder fast immer im Waldstadion geschlagen haben. Legenden wie Charly Körbel, Bernd Hölzenbein oder Jürgen Grabowski eben. Heutzutage sind die Duelle mit den langweiligen Immersiegern von der Isar zu ungleich geworden. Eine echte Siegchance besteht kaum. Für die Eintracht in der Form vom Dienstag erst recht nicht.

So kann die Eintracht nicht bestehen

Die Eintracht hat ohnehin andere Sorgen als die kalkulierte Null-Punkte-Nummer gegen die Bayern. Sie sucht nämlich nun, im tiefen Herbst, ihre Form, sie sucht nach Wegen aus der Krise. Denn viel schlechter und hilfloser als gegen Aue kann man sich nicht präsentieren. Die Hessen fahnden noch immer nach ihrer Identität, ihrer Philosophie, ihrem Spielstil, ja dem Königsweg. Veh hatte gegen Hannover alle Ideale und Ideen über den Haufen geworfen, um seine Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen, ihr ein Erfolgserlebnis zu ermöglichen. Das hat an der Leine geklappt, in Aue nicht mehr.

Mit dieser Art des Fußballs, das hat nicht nur der Auftritt im Erzgebirge gezeigt, wird die Eintracht auf Dauer keine Chance haben, im Tableau so weit nach oben zu klettern, um in Schlagweite zu den Plätzen zu stehen, an denen sie gerne schnuppern würde. Dazu ist die fußballerische Darbietung zu matt und bieder. In dieser Verfassung geht es nur darum, noch drei Mannschaften zu finden, die hinter der Eintracht bleiben.

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Schon die letzte Saison lief holprig, auch da war abzusehen, dass es nicht zum großen Wurf oder zumindest etwas mehr reichen wird, weil nicht ein Rädchen ins andere griff, weil es atmosphärische Störungen gab und das Spielsystem nicht durchschlug. Im zwischenmenschlichen Bereich gibt es dieses Mal keine Probleme, doch auch in dieser Spielzeit scheint die Eintracht wie eine Suchende: Auf der Suche nach Balance, nach dem Gleichgewicht – nach sich selbst. Sie ist eine Wundertüte, schwer zu greifen, man weiß nicht, was herauskommt. Wenn man denkt, sie hat die Kurve halbwegs bekommen, folgt der Rückschlag auf den Fuß.

Sie hat generell wenig, worauf sie sich stützen kann. Keiner weiß, wofür und wo diese Eintracht steht. Man muss, nach zehn Spieltagen und zwei DFB-Pokalrunden, seriös festhalten: Noch immer weiß man nicht, wie gut oder schlecht dieses Team wirklich ist. An manchen Tagen kann man das Potenzial sehen, an anderen erahnen, dann wieder fragt man sich, ob diese Mannschaft doch eher limitiert in ihren Möglichkeiten ist und heillos überschätzt wurde. Zurzeit tendiert man zur letzten These.

Veh wirkt ratlos

Am besten können das die Verantwortlichen beurteilen, aber auch Veh sind Zweifel gekommen, er wirkt ratlos, angezählt. Die Kritik an ihm wird lauter. Dabei hatte er zu Saisonbeginn gesagt: „Wir hatten vorher schon gute Mannschaften. Aber ich glaube, von der Qualität her ist es aktuell die beste Mannschaft.“

Der 54-Jährige ist immer noch am Experimentieren, am Verschieben, am Korrigieren. Da ist eine Menge Flickschusterei am Werk. Das große Ganze passt einfach nicht. Man dachte, die Eintracht sei weiter. Veh muss sein Ensemble wieder aufpäppeln, es über harte Maloche, viele Zweikämpfe und Leistungsbereitschaft wieder in die Spur leiten, es dahin bringen, wieder besser und überhaupt wieder Fußball zu spielen. Denn nur mit einer Verhinderungstaktik wird es nicht klappen.

Veh muss seine Spieler zu besserer Form verhelfen: Stefan Aigner, Bastian Oczipka, Stefan Reinartz, Marco Russ, Makoto Hasebe, Alex Meier und auch Haris Seferovic sind zu weit weg von dem, was sie eigentlich können. Das ist mehr als die Hälfte des Teams. Keiner Wunder, dass bei Eintracht Frankfurt alles fürchterlich gequält wirkt. Auswege aus der Krise werden gesucht, in Sicht sind sie momentan nicht.

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