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Eintracht-Gegner VfB Stuttgart: „Sind Feuer und Flamme“

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Von: Daniel Schmitt

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Unkonventionell, aber mit gutem Auge: Sven Mislintat. Foto: AFP
Unkonventionell, aber mit gutem Auge: Sven Mislintat. © AFP

Die seit fünf Spielen tor- und sieglosen Stuttgarter vertrauen mitten im Abstiegskampf weiterhin auf junge Spieler, auf ein mutiges Führungsduo und Daten. Das birgt große Risiken.

Den nach seiner langwierigen Schulterverletzung erst kürzlich auf den Bundesliga-Rasen zurückgekehrten Zwei-Meter-Stürmer Sasa Kalajdzic, die – Achtung doppeldeutig – große Hoffnung des abstiegsbedrohten VfB Stuttgart, entdeckte er einst in den Untiefen seiner digitalen Aufzeichnungen. Die Auffälligkeiten: häufig Sieger in Kopfballduellen, gute Ballabsicherungs-Werte, auch viele einleitende Pässe zu Toren. Seine Neugier war sofort geweckt, auch ohne den Spieler jemals live gesehen zu haben. Solch einen Mann, angestellt bei einem Verein in Österreich, könnten sie doch gut gebrauchen im Ländle. Einen, den die Daten in einen ähnlichen Bereich wie Sebastien Haller, den früheren Frankfurter und heutigen Amsterdamer Knipser, einsortierte. Danach hatte er gesucht.

Er, VfB-Sportdirektor Sven Mislintat, vertraut gerne den Zahlen. Viele seiner Entscheidungen basieren auf Werten, die die Systeme ausspucken. Selbstverständlich werden sie unterfüttert, mit Spielbeobachtungen und persönlichen Gesprächen etwa. Nicht übertrieben ist es jedoch zu behaupten, Mislintat sei ein Daten-Junkie. Das war er schon immer, der studierte Sportwissenschaftler mit Trainerlizenzen bis hin zum Fußballlehrer-Schein. So hat der ehemalige Amateurkicker den Weg bis in die Bundesliga gefunden.

Als einstiger Chefscout von Borussia Dortmund entdeckte er unter anderem Shinji Kagawa in Japans zweiter Liga sowie Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé (beide jetzt FC Barcelona) in Frankreich. Der FC Arsenal ließ sich 2017 die Dienste des „diamond eye“, so der Spitzname des Familienvaters, eine knappe Million Euro kosten, ehe Mislintat im Frühjahr 2019 beim VfB anheuerte und erstmals an die vorderste Linie eines Klubs trat. Es ist eine fruchtbare Zusammenarbeit seitdem, der VfB entwickelt sich sportlich weiter, schafft Werte. So wird die Lage jedenfalls wahrgenommen.

VfB Stuttgart: Angreifer Kalajdzic und Silas sind fit

Erstaunlich, denn eigentlich läuft es doch gerade überhaupt nicht wie geschmiert an der Mercedesstraße 109. Die Stuttgarter sind seit fünf Spielen tor- und sieglos und Tabellenvorletzter, ein Abstieg liegt im Bereich des Möglichen. Dennoch: Sportdirektor und Trainer, der nach außen oft nüchtern wirkende, intern aber emotionale Pellegrino Matarazzo, dürfen vor dem wichtigen Heimspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Eintracht Frankfurt weiterhin in Ruhe arbeiten.

Sie gelten als Erfolgsduo, was zum einen im guten Abschneiden der vergangenen Saison (9.) begründet liegt, zum anderen im Grundvertrauen in ihre Fähigkeiten. Mislintat, der Spieler-Entdecker, Matarazzo, der Spieler-Bessermacher. Sie haben ein enges Verhältnis zueinander, sitzen fast nebeneinander auf der Bank, pöbeln ganz gerne gemeinsam auch Gegner wie Schiedsrichter an (sollten sie sich sparen). Das Umfeld jedenfalls spürt, dass da Leute werkeln, die frische Ideen haben, mutige Entscheidungen treffen, mit jungen, hungrigen Fußballern einen neuen Stuttgarter Weg beschreiten wollen.

Mislintats ungewöhnliche Ansage zu Saisonbeginn, im Zweifel auch mit Matarazzo in die zweite Liga zu gehen, ließ aufhorchen. Hehre Absichten, dachte man, aber auch im Ernstfall belastbar? Bisher schon. Matarazzo darf sich der Unterstützung seines Sportdirektors gewiss sein. Der sagte unlängst bei Sport 1: „Die Jungs haben gerade eine Krise zu bewältigen. Es ist eine Aufgabe, die Klasse zu halten.“ Aber: „Wenn wir das schaffen, und selbst wenn wir scheitern, werden wir uns in vielen Themen weiterentwickeln.“ Da hält einer den Kurs.

VfB Stuttgart: „Wir sind Feuer und Flamme“

Genügend fußballerische Qualität für den Klassenerhalt besitzt die Stuttgarter Mannschaft, vor allem nach der Rückkehr der lange verletzten Unterschiedsspieler Kalajdzic und Silas Katompa Mvumpa. Gegen die Eintracht soll zudem Winterneuzugang Tiago Tomás (19, Sporting Lissabon) die Offensive zusätzlich beleben. Zuletzt schwor sie sich in einem sechstägigen Trainingslager in Marbella noch einmal auf die Restrunde ein. Doch reicht die Erfahrung der durchschnittlich jüngsten Mannschaften der Liga (22,51 Jahre) aus? Spricht nicht gerade die steil nach unten zeigende Formkurve gegen den VfB? „Die Mannschaft ist fokussiert und bereit. Wir sind Feuer und Flamme“, entgegnet Matarazzo.

Doch die vermeintlich schwächere Konkurrenz schläft ja nicht, sie kämpft, rückt ran (Fürth), zieht vorbei (Bielefeld). Beim Verein für Bewegungsspiele 1893 müssen also dringend Punkte her, gute Arbeit hin, gute Arbeit her. Falls nicht, sprechen spätestens am Saisonende die geliebten Zahlen eine eindeutige Sprache, eine sehr unangenehme.

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