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Normalerweise ist das ein Tor: Alex Meier schießt, doch Torhüter Jaroslav Droby ist blitzschnell zur Stelle.

Hamburger SV - Eintracht Frankfurt

Sturm im Wasserglas

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Erstaunlicherweise gelingt Eintracht Frankfurt in Hamburg kein Tor. Dass Eintracht Frankfurt übrigens nicht mit drei Punkten aus dem Norden zurückkehrte, ist auch ein bisschen die Schuld von Armin Veh.

Vor einem knappen Jahr hat Jaroslav Drobny die Mitgliedschaft im exklusiven „Klub Ligovych Brankaru“ erhalten. Die bekommt man selten, und Drobny, mittlerweile bald 36 Jahre alt, hat einen weiten Weg zurücklegen müssen, von Slavoj Zirovnice über Panionios Athen, ADO Den Haag, Ipswich Town, Hertha BSC und jetzt Hamburg. Dem erlauchten Klub gehört er seit dem 4. Oktober 2014 an, und so furchtbar viele Mitglieder hat der Klub nicht, den das tschechische Fußballmagazin „Gol“ aus der Taufe gehoben hat: Mitglied dürfen nur Torleute werden, die mindestens 100 Pflichtspiele im Profifußball ohne Gegentor auf dem Buckel haben.

Dass Jaroslav Drobny völlig zurecht zu diesem Elitekreis zählt, hat er am Samstag im Spiel seines HSV gegen Eintracht Frankfurt bewiesen. Eine gute Stunde war absolviert, gerade hatte sich Eintracht Frankfurt ein wenig vom Druck des erstaunlich gut Fußball spielenden HSV befreien können, als eine Flanke von Haris Seferovic perfekt auf den linken Fuß von Alex Meier flog. Da blitzten kurz mal Frankfurter Fähigkeiten auf, und eigentlich war dies ein sicheres Tor: Meier, Innenseite, Strafraum – das ist für gewöhnlich ein Dreiklang, der mit einem Tor zu enden pflegt.

Und Meier traf die Kugel perfekt, die Innenseite ausgerichtet, und der Ball sauste auch knapp oberhalb der Grasnarbe in Richtung Tornetz. Doch im allerletzten Moment, kurz bevor der Ball die Kreidelinie passierte, zuckte der Arm des langen Schlussmanns hervor. Mit einem unglaublichen Reflex bugsierte der 1,92-Meter Mann den Ball h zur Seite, die meisten der gut 55000 Zuschauer hatten die Kugel schon im Tor gesehen. Auch Alex Meier schaute dem ins Seitenaus trudelnden Ball noch sekundenlang ungläubig hinterher.

„Der sieht so aus, als komme er nicht mehr runter“, sagte hinterer der Frankfurter Trainer Armin Veh. Aber Drobny, der nur spielte, weil die Schulterverletzung von Stammkraft Rene Adler gerade erst ausgeheilt ist, kam rechtzeitig runter. Und wie. „Den hat er super gehalten“, sagte hinterher anerkennend auch der Frankfurter Spielführer.

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Die Glanzparade des Tschechen war ein Grund, weshalb das hochgelobte Frankfurter magische Dreieck in Hamburg nicht so richtig ins Laufen kam. Klubchef Heribert Bruchhagen, lange genug im Geschäft, hatte vorher ohnehin schon eine Ahnung, dass das nach der Gala gegen den 1. FC Köln nicht so munter weitergehen würde. Auch Stefan Reinartz, der Routinier im Mittelfeldstaubsaugen, meinte, man könne nicht erwarten, „jedes Spiel mit 4:1 oder 5:1 zu gewinnen“. Aber ein torloses Unentschieden schien vor der Partie außerhalb der Vorstellungskraft – gerade nach dem Orkan und der Urgewalt, die der Frankfurter Sturm vor Wochenfrist zu entfachen wusste. Aber war es sicherlich ein torloses Unentschieden der besseren Art.

„Normalerweise“, sagte Trainer Armin Veh nach der Partie, „sind 0:0-Spiele langweilig. Das war aber ein temporeiches, intensives Spiel.“ Es fehlten halt nur die Tore, „es hätte auch 2:2 ausgehen können.“ Marco Russ (5.), dessen Kopfball Nicolai Müller von der Linie kratzte, Meier (62.), zudem Johan Djourou (10.) mit einem Lattenknaller und Ivo Ilicevic (49.) hätten leicht für die dazu erforderlichen Tore sorgen können. Einhellige Meinung war aber: „Mir dem Ergebnis können wir zufrieden sein“, fasste Klubchef Heribert Bruchhagen zusammen, im ersten Abschnitt war der HSV besser, im zweiten die Eintracht. Mit diesem Punkt können beide gut leben, zumal die Norddeutschen deutlich stabiler und geordneter auftraten als in den vorausgegangenen beiden Krisenjahren und vor einer ruhigeren Saison stehen dürften.

Meier bleibt blass

Für Armin Veh zeigte der Auftritt in Hamburg aber: Man kann durchaus auch auswärts extrem offensiv ausgerichtet auftreten, das System mit zwei Spitzen und einer Raute funktioniert auch in der Fremde. „Wir können das spielen, weil alle nach hinten arbeiten“, sagte Veh. Und weil der HSV in der ersten Halbzeit das Geschehen zumindest optisch bestimmte, war es „zunächst darum gegangen, kein Gegentor zu kassieren statt eines zu schießen“, sagte Alexander Meier. Auch das klappte dank starker Defensivleistungen (siehe nächste Seite). „Wir mussten uns erst in das Spiel hineinkämpfen“, fand auch Stefan Reinartz. Unter der Intensität dieses Spiels litt allerdings das Frankfurter Passspiel, das Bruchhagen in einer ersten Analyse als „grenzwertig“ bezeichnete. Dennoch war der Aufwärtstrend auswärts zu sehen: Vier Punkte aus zwei Spielen in der Fremde ist ordentlich. „Schlechter als letztes Jahr, kann man auswärts ja auch nicht spielen“, sagte Meier. Zwölf Zähler holten die Hessen da nur und waren das auswärtsschwächste Team der Liga.

Wichtig war Veh zudem: Auch wenn die drei Offensiven Luc Castaignos, Seferovic und Meier, die bislang neun der zwölf Frankfurter Treffer erzielt hatten, dieses Mal aber blass geblieben waren, nicht ins Tor trafen, so sei doch jederzeit ihre Torgefahr zu spüren gewesen. „Die sind immer für ein Tor gut“, freute sich Veh. „Auch wenn es gegen bessere Gegner geht.“

Dass Eintracht Frankfurt übrigens nicht mit drei Punkten aus dem Norden zurückkehrte, ist auch ein bisschen die Schuld von Armin Veh. Als er nämlich noch beim HSV Trainer war, hat er den Wechsel von Jaroslav Drobny von Hertha BSC nach Hamburg durchgesetzt. „Ich habe den geholt, weil ich wusste, dass er gut ist.“ 108 Spiele übrigens hat Klubmitglied Drobny jetzt schon ohne Gegentor hinter sich gebracht.

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