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Volle Pulle: Alex Schur (re.) gegen Freiburgs Zlatan Bajramovic.

Es war einmal: Mai 2004

Nur ein Strohfeuer

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Eintracht Frankfurt schlägt Freiburg mit 3:0, steigt im Mai 2004 dennoch ab.

Nach dem doch eigentlich erlösenden 3:0 über einen fast schon bemitleidenswerten    SC Freiburg herrschte Frust pur, zumindest bei Alexander Schur, dem Kapitän der Eintracht. „Erleichtert?“, fragte er     grimmig blickend, „warum sollte ich erleichtert sein? Ich bin überhaupt nicht erleichtert“. Alldieweil: „Es ist dieselbe angespannte Situation wie vor dem Spiel.“ 

Klar habe man endlich mal wieder gewonnen, es wurde auch Zeit nach fünf Niederlagen am Stück, doch das Wasser stand den Frankfurtern damals, im Frühjahr 2004, weiterhin bis zum Hals, sie standen auf Tabellenplatz 17. „Was nutzt dieser Sieg, wenn wir nicht nachlegen?“, fragte Schur. Er wusste genau, welche Möglichkeiten die Hessen vergeben hatten, sich eine bessere Position zu erarbeiten. „Wir haben viele Punkte verschenkt.“ Die haben sie, dies vorneweg, auch nicht mehr aufholen können. 

Angebote eiskalt genutzt

An diesem Samstag im April boten die Breisgauer freundlicherweise Hilfestellung bei allen drei Toren: Vor dem 1:0 durch Ervin Skela hatte Bruno Berner Eintracht-Stürmer Markus Beierle zu Fall gebracht, vor dem 2:0 durch Christoph Preuß hatte wieder Berner einen Freistoß in die Füße der Frankfurter gespielt, vor dem 3:0 durch Beierle hatten die Freiburger den Ball bei eigener Ecke vertändelt. Die Eintracht nutzte die Geschenke eiskalt. 

 Und auf einmal war das rettende Ufer zumindest wieder in erreichbare Nähe gerückt. „Wenn wir nicht gewonnen hätten, wäre alles vorbei gewesen“ , fasste Markus Kreuz zusammen. Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass die Eintracht mal wieder mit zwei Spitzen, Beierle und dem recht agilen Nico Frommer, agiert hatte. Die Änderung der taktischen Ausrichtung, statt der bisherigen Variante mit nur einem Angreifer, ist hernach von vielen als spielentscheidend gewertet worden. „Die offensive Taktik“, sagte Schur, „war eine der Grundlagen zum Sieg.“

So sah es auch die FR: „Vielleicht hat dieser Sieg den Frankfurtern nicht nur zu neuem Selbstvertrauen verholfen, sondern Trainer Willi Reimann auch einen Hinweis gegeben: Dass man sein Heil doch in einer etwas offensiveren Haltung finden kann. Es wäre gerade noch der richtige Zeitpunkt: Vier Spieltage vor Ultimo muss man auch mal etwas wagen, wenn man gewinnen will. Und gewinnen muss die Eintracht, wenigstens noch zweimal. Die Chance auf den Klassenerhalt ist nur unwesentlich größer geworden. Aber man muss wenigstens versuchen, sie mit aller Macht zu nutzen.“ 

Dafür aber wirkte Reimann, der da längst den Spitznamen „Container-Willi“ verpasst bekam, weil er wegen einer Sperre die Heimspiele von einem Baucontainer aus verfolgte, sehr müde und desillusioniert. Dass der Erfolg mit der offensiveren Taktik zu tun hatte, glaubte er nicht. Er kommentierte lapidar: „Wenn man gewinnt, hat man vieles richtig gemacht, wenn man verliert, hat man vieles verkehrt gemacht.“ Ansonsten wirkte der Coach gewohnt emotionsfrei. Befragt nach den Chancen, sagte er seltsam schlapp, er werde alles dafür tun, dass „wir es vielleicht doch noch schaffen“. Aufbruchstimmung klingt anders. 

Am Ende wurde es denn auch nichts mit dem Klassenerhalt. In den letzten vier Spielen setzte es drei Niederlagen, nach dem 1:2 in Hamburg am 22. Mai stand der dritte Abstieg der Vereinsgeschichte fest – Friedhelm Funkel war es, der nur ein Jahr später  den Betriebsunfall korrigierte. 

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