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Die Mauer war nie ein Hindernis für den Freistossspezialisten Markus Weissenberger.

Markus Weissenberger

Der Strippenzieher aus Österreich

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Markus Weissenberger lenkt einst als Nummer Zehn bei der Eintracht das Spiel. In Frankfurt erlebt der Österreicher einige Höhepunkte: Aufstieg, Pokalfinale, Euro League. Jetzt führt er im Fußballgeschäft hinter den Kulissen Regie.

Neulich hat sich Markus Weissenberger mal wieder dabei ertappt, wie er sich alter Zeiten erinnert hat. Natürlich ging es um Fußball, ein ganz spezielles Spiel ist ihm da im Kopf herumgegeistert. „Ein Wahnsinnsspiel“, sagt er noch heute, ein Spiel, das er nicht vergessen kann. Bald zehn Jahre ist es her, und es war, logisch, eines der besten Partien des filigranen Mittelfeldspielers mit dem feinen linken Fuß.

In Mönchengladbach war es, Ende Dezember 2004, Weissenberger war da 30 Jahre alt, richtig gut drauf, ein wichtiger Spieler bei Eintracht Frankfurt. Die Hessen gingen in Gladbach auch überraschend schnell in Führung, 2:0, trotzdem verloren sie die Partie am Ende noch mit 3:4. Aber die ersten beiden Treffer hatte Markus Weissenberger vorbereitet, das erste richtig spektakulär, als er mit dem Ball über 50, 60 Meter am linken Flügel allen Gladbachern Verteidigern davongesprintet war und Francisco Copado perfekt aufgelegt hatte. Auch das 2:0 bereitetet der Österreicher vor.
„Ich habe zuletzt immer mal wieder versucht, Ausschnitte von diesem Spiel zu bekommen. Aber auch von anderen Begegnungen“, sagt der mittlerweile 40-Jährige, doch das sei gar nicht so einfach. Die mediale Rundumversorgung war seinerzeit noch nicht in dem Maße wie heute gegeben. Diesen Sprint hätte er sich zu gerne noch einmal angeschaut.

Denn eigentlich war Markus Weissenberger ja kein Sprinter. Er war ein Zehner, einer, der das Spiel lesen und ordnen konnte, er war ein Techniker alter Schule, ein klassischer Linksfuß. Natürlich trug er bei der Eintracht das Trikot mit der legendären Zahl drauf.

Markus Weissenberger hat die Zeit in Frankfurt sehr genossen. Zwischen 2004 und 2008 spielte er bei der Eintracht, es war seine schönste Zeit. Zuvor kickte er bei Arminia Bielefeld auf der Alm, „für mich ein perfekter Einstieg in die Bundesliga“, es ging da eher betulich zu, und Weissenberger konnte sich an das andere Tempo gewöhnen. Bei 1860 München, bei den Löwen, seiner zweiten Station, für die er drei Jahre am Ball war, war es schon anders, es stimmte nicht mehr viel in der Mannschaft, nach dem Abstieg wechselte er zur Eintracht.

„Aufstieg, Pokalfinale, Euro League“ – der Österreicher rasselt die Höhepunkte in seiner Zeit in Hessen nur so runter, „die Mischung zwischen alt und jung stimmte damals“. Dazu gesellte sich in Friedhelm Funkel ein Trainer, der haargenau zu dieser Mannschaft passte. Und Weissenberger passte zu dieser Mannschaft. Er machte zwar in den vier Jahren lediglich 69 Spiele, da er relativ verletzungsanfällig war, aber kraft seiner Autorität, Ausstrahlung, vielleicht auch Erfahrung als Nationalspieler war er fürs Binnenklima der Mannschaft mit seiner ausgleichenden, ruhigen Art enorm wichtig. „Er genießt hohes Ansehen“, hat Friedhelm Funkel einst gesagt über seine „Zehn“, der noch mit Marco Russ und Alexander Meier gemeinsam gespielt hat.

Tragischer Abschied

Umso tragischer war sein Abschied: Dass er den Klub verlassen würde, war klar, doch im allerletzten und eigentlich bedeutungslosen Spiel gegen den MSV Duisburg verletzte sich der Nationalspieler bei einem simplen Schussversuch, er zog sich einen Sehnenanriss zu – und verpasste trotz aller Anstrengungen die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz.

„Zwei Wochen war ich wirklich down“, erinnert sich der 40-Jährige. „Aber im Leben kannst du nichts erzwingen.“ Seine Karriere ließ er dann bei seinem Stammklub LASK Linz, wo er einst als junger Mann auch den Durchbruch schaffte, ausklingen, passend dazu nach einer schweren Verletzung: Nach einem Mittelfußknochenbruch hatte er sich einen Krankenhauskeim eingefangen. Ein Jahr war er außer Gefecht, danach hängte er die Fußballschuhe an den Nagel, spielte noch nur zum Spaß bei einem unterklassigen Klub, Union Pregarten. Noch heute ist an längeren Sport kaum zu denken, „aber mit den Kindern kicken, das geht“, sagt Weissenberger, der mit Familie und den drei Kindern gerade in Linz sein neues Haus fertiggestellt hat.

Markus Weissenberger ist im Fußball geblieben. Er arbeitet als Spielerberater bei der Agentur von Max Hagmayr und vertritt unter vielen anderen auch die ehemaligen Eintracht-Profis Erwin Hoffer (jetzt Fortuna Düsseldorf), Ümit Korkmaz und Leonard Kweuke (beide Caykur Rizespor). Zudem vermittelt die Agentur Trainingslager; den Aufenthalt von Eintracht Frankfurt vor zwei Jahren in Feldkirchen (bei Linz) kam über diese Schiene zustande.

Langsam, sagt Weissenberger, „beginnt der Stress“. Die Saison neigt sich dem Ende zu, das Transferfenster öffnet sich, da gibt es viel zu tun, auch Weissenberger ist jetzt noch öfter unterwegs. Er hat gut zu tun und viel Spaß an seiner beratenden Arbeit. „Man trifft ja immer wieder alte Weggefährten, mit denen man Zeit der aktiven Karriere zu tun hatte.“ Erst kürzlich hat er Christoph Preuß, inzwischen Teammanager bei der Eintracht, beim Skifahren in den Bergen getroffen. Das vereinfacht die Sache natürlich, man bekommt schneller einen Termin, kommt leichter ins Gespräch. Ob es aber zu einem Abschluss kommt, ist damit noch lange nicht gesagt. „Es kommt immer auf die Qualität des Spielers an.“

Und heutzutage gibt es von jedem Spieler Videos, Ausschnitte von Spielszenen und Bildmaterial en masse. Der Sprint von Weissenberger wäre mit Sicherheit auch darunter.

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