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Erst Mittwoch wieder gegeneinander: Benjamin Goller (Werder Bremen) und Djibril Sow (Eintracht Frankfurt).

Werder Bremen sauer

Streitthema Spielverlegung

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Das verschobene Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt wird zum Zankapfel.

Statt auf dem grünen Rasen streiten sich Eintracht Frankfurt und Werder Bremen an diesem Wochenende am Grünen Tisch: Nachdem die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Freitagmittag verkündete, dass das nächste Bundesligaspiel zwischen den Bremern und Frankfurtern, angesetzt für Sonntag 18 Uhr im Weserstadion, auf unbestimmte Zeit verschoben wird, machten ganz unterschiedliche Interpretationen die Runde.

Zustimmung gab es von Seiten der Eintracht: „Das ist die einzig richtige Entscheidung im Sinne eines fairen und sauberen Wettbewerbs. Auch der Montag wäre nicht die richtige Lösung gewesen“, sagte Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic. Die Hessen wollten nur 48 Stunden nach dem wegen einer Sturmwarnung um einen Tag verlegten Europa-League-Rückspiel beim FC Salzburg (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) nicht erneut antreten. Zumal es ja schon im DFB-Pokalviertelfinale zwischen beiden Teams am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) weitergeht. Dann hat Frankfurt Heimrecht.

Eintracht Frankfurt zufrieden mit der Entscheidung

Mit der Verschiebung „bekräftigt die DFL ihre Linie, Bundesligaklubs nach Einsätzen in der Europa League möglichst mindestens zwei volle Tage Regenerationszeit vor dem darauffolgenden Bundesligaspiel einzuräumen und damit auch die Integrität des eigenen Wettbewerbs zu schützen“, hieß es in einer Mitteilung der Eintracht. Zufrieden war auch der abstiegsbedrohte SC Paderborn, der zuvor Bedenken wegen Wettbewerbsverzerrung zugunsten von Werder geäußert hatte.

Mächtig verstimmt hingegen reagierte Werder-Geschäftsführer Frank Baumann. „Es wird mit der Wettbewerbsintegrität argumentiert. Aus meiner Sicht ist jetzt ein Wettbewerbsnachteil der einen Mannschaft zum Nachteil einer anderen geworden. Wir hätten mit einem Heimspiel in eine sehr entscheidende Woche starten können. Dieser Vorteil wurde uns genommen. Für uns ist das eine extrem schlechte Entscheidung“, kritisierte der 44-Jährige.

Abschneiden von Eintracht Frankfurt in der Europa League entscheidend

Die Bremer hatten darauf spekuliert, dass die in drei Wettbewerben belastete Eintracht am Sonntag vorstellig wird. „Wir hatten keine Möglichkeit, ein Veto einzulegen. Die DFL hat das letzte Wort“, sagte Baumann. Er hatte den Vorschlag gemacht, entweder am Sonntagabend oder unter gewissen Umständen am Montagabend das Bundesligaspiel zu bestreiten. Beim Montag hätte aber auch nach Baumanns Sicht das Pokalspiel in Frankfurt auf Donnerstag und die für Samstag vorgesehenen Bundesligaspiele – Bremen in Berlin, Frankfurt in Leverkusen – auf Sonntag verlegt werden müssen. „Das wären der DFL zu viele Verlegungen gewesen.“ Aus nachvollziehbaren Gründen wurden diese Kettenreaktion nicht gewählt.

Wann nun die besagte Bundesligapartie ausgetragen wird, ist noch offen. Kurzformel: Je früher die Eintracht aus dem Europapokal ausscheidet, desto eher kann gespielt werden. Rund um die Länderspielpause Ende März sind bereits alle Wochentermine bereits belegt. Und: Weil ein Team auf jeden Fall ja das Pokalhalbfinale spielt, scheidet auch der 21./22. April als Termin aus.

„Angesichts der Terminenge im Rahmenterminkalender ist der späteste mögliche Nachholtermin für die Begegnung die Kalenderwoche 20 zwischen den Bundesliga-Spieltagen 33 und 34“, teilte die DFL mit: „Mögliche frühere Ansetzungsoptionen stehen im Zusammenhang mit dem Abschneiden von Eintracht Frankfurt in der Europa League.“

Der Fall Freiburg

Kurios: In der Saison 2007/2008 gab es den umgekehrten Fall: Damals trat Werder am Donnerstag, 21. Februar im Uefa-Cup beim SC Braga spät abends um 22.30 Uhr an, um keine 40 Stunden später das Bundesliga-Auswärtsspiel in Frankfurt an einem Sonntag um 15.30 Uhr zu bestreiten. Vorstandschef Klaus Allofs sagte damals: „Es gehört zu den Qualitäten einer Spitzenmannschaft, dass sie mit diesen Widrigkeiten zurecht kommen. Von unserer Seite wird es kein Gejammer geben.“ Werder verlor damals im Frankfurter Stadtwald nach einem kraftlosen Auftritt mit 0:1.

Seit der laufenden Rechteperiode mit der Saison 2017/2018 wird den Europapokalteilnehmern eine ausreichende Regeneration zugestanden, dafür wurden extra die zehn Entlastungstermine am Sonntagmittag und Montagabend eingeführt. Auffällig nur, dass der SC Freiburg plötzlich im Dezember 2017 zweimal binnen drei Tagen antreten musste. Erst sonntags, dann dienstags.

Die Bremer, die mit der Deutschen Fußball-Liga wegen des Streits um die Polizeikosten im Clinch liegen und deren Funktionäre beispielsweise dem DFL-Neujahrsempfang komplett fernblieben, fühlen sich als Verlierer des Terminstreits. Nun kann es dazu kommen, dass Werder vom 9. bis 16. Mai binnen acht Tagen in Mainz, gegen Frankfurt und Köln ums Überleben kämpft – vorausgesetzt die Grün-Weißen sind dann in der Tabelle nicht schon abgeschlagen.

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