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So sieht es aus, wenn ein Strafraumschleicher ins Tor trifft. Theofanis?Gekas bei der Arbeit.
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So sieht es aus, wenn ein Strafraumschleicher ins Tor trifft. Theofanis?Gekas bei der Arbeit.

Theofanis Gekas

Auf das Strafraumgespenst ist Verlass

Der Höhenflug der Frankfurter Eintracht nimmt nach dem neuerlichen Auswärtssieg auf St. Pauli dank zweier Tore des außergewöhnlichen Theofanis Gekas ungeahnte Ausmaße an.

Von Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz

Der Höhenflug der Frankfurter Eintracht nimmt nach dem neuerlichen Auswärtssieg auf St. Pauli dank zweier Tore des außergewöhnlichen Theofanis Gekas ungeahnte Ausmaße an.

Am Sonntagvormittag, zwischen Frühschoppen und Mittagessen, ist der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen gebeten worden, ein paar Sätze zu der wirklich bemerkenswerten Leistung seiner Eintracht zum Besten zu geben. Fünfmal hintereinander ungeschlagen, darunter vier Siege, dazu die Gala gegen den HSV im Pokal als I-Tüpfelchen, zweitbestes Auswärtsteam, viermal in der Fremde siegreich, das ist doch, wie Torwart Oka Nikolov am Abend zuvor im Aktuellen Sportstudio sagte, „aller Ehren wert“, oder? Heribert Bruchhagen aber ging die allgemeine Lobhudelei mal wieder viel zu weit. Er blockte alles ab, wirkte sichtlich genervt, das ist oft so bei ihm, wenn es gut läuft bei Eintracht Frankfurt. „Wir waren nicht aufgeregt, als wir 17. waren und wir sind nicht aufgeregt, jetzt, da wir oben stehen“, sagte er lapidar. Man wolle den „Ist-Zustand“ nicht überbewerten.

Der Mann kann nicht aus seiner Haut. Immer den Ball flach halten, immer konservativ denken, nur nicht den Anschein erwecken, nicht alles unter Kontrolle zu halten. Dabei hätte es durchaus Grund zur Freude gegeben. Die Eintracht zählt, spätestens nach dem 3:1 (1:1)-Sieg beim FC St. Pauli, zu den Teams der Stunde, sie spielt einen schönen Fußball, ist erfolgreich und auf einem guten Weg. Doch die vornehme Zurückhaltung scheint Vereinspolitik zu sein, auch Trainer Michael Skibbe oder vereinzelte Spieler äußerten sich entsprechen vorsichtig. Auch dieses Spiel sei eng gewesen, sagte Skibbe, St. Pauli liege gerade mal drei Punkte hinter den Hessen. „Das ist alles eine Momentaufnahme.“ Auch Kapitän Patrick Ochs stapelte tief. Man möge den momentanen Tabellenplatz nicht überbewerten. „Ich habe keine große Hoffnung, dort oben zu bleiben.“ So viel Bescheidenheit macht ja fast schon Lust auf mehr.

Vor allem dann, wenn das Team nach Belieben auf eine fast schon unheimliche Tormaschine zurückgreifen kann: Theofanis Gekas, das Strafraumgespenst, das Phänomen, das niemand sieht, aber Tore ohne Ende schießt. Auf St. Pauli mal wieder zwei, die beiden ersten. Nach den 90 Minuten lief der Held des Tages dann in aller Seelenruhe durch die wuselige Mixed Zone. Er wurde von niemandem aufgehalten, er blieb nicht stehen, der Mann, mittlerweile so wertvoll wie ein van Gogh oder für Frankfurt das Goethe-Haus, spazierte unbehelligt in die Kabine, duschte und kletterte genauso unbehelligt in den Bus. Gerne hätte man den 30-jährigen Torjäger, der am Samstag zweimal traf (42., 70.), das dritte Tor durch Caio (90.) per Kopf vorbereitete und der nach zwölf Pflichtspielen schon elf Tore markiert hat, etwas gefragt.

Platzhirsch am Punkt

Etwa, wie er es anstellt, im Spiel selbst nahezu unsichtbar zu sein, aber immer richtig zu stehen und entscheidende Tore zu schießen. Oder was sein Geheimnis für seine fast schon sagenhafte Trefferquote ist. Oder ob er so etwas wie Nerven kennt. Den Elfmeter kurz vor der Pause, äußerst umstritten, hämmert er mit Verve und humorlos unters Tordach. Gekas selbst war zuvor gefoult worden. Und wahrscheinlich war es für ihn schwieriger, seinem verärgerten Kollegen Halil Altintop den Ball aus der Hand zu reißen, als die Kugel ins Netz zu donnern. Auch Altintop, am Mittwoch im Pokal noch Schütze aus elf Metern, wollte antreten, doch dies ließ der Grieche nicht zu. Schnell war klar, wer Platzhirsch ist.

All das hätte man den früheren Nationalspieler und Ex-Bundesligatorjäger gerne mal gefragt, aber der Mann ist des Deutschen nicht mächtig, selbst nach bald fünf Jahren in Deutschland nicht. Er spricht ohnehin nicht gerne. Dafür lässt er Tore sprechen.

Im Zweifelsfall ist das dem Frankfurter Trainer Skibbe auch lieber als ein abgeschlossenes Germanistikstudium mit Nebenfach Philosophie. Natürlich konnte sein größter Förderer nicht ahnen, dass der Vater von Zwillingen derart phänomenal einschlagen würde. „Man darf immer hoffen, dass einer, der solche Stärken hat, sie auch zeigt“, lobte Skibbe zum x-ten Mal seinen derzeit wichtigsten Mann. Ohne Gekas, das ist gewiss, würde die Eintracht derzeit nicht im oberen Tabellendrittel zu finden sein. Neun der 17 Frankfurter Tore erzielte er selbst, zu zwei weiteren leistete er die Vorarbeit. Das ist eine überragende Quote.

Weltklasse Gekas

Entsprechend beliebt ist der Grieche im Kreis der Mannschaft, selbst wenn er nicht gerade durch viel Kärrnerarbeit oder übermäßige Laufarbeit glänzt. Aber weil er so zuverlässig die Bälle im Netz versenkt, laufen die Kollegen auch gern mal für ihn mit. „Wir freuen uns, dass wir so einen Spieler haben“, sagte Kapitän Patrick Ochs. „Sensationell“, lobte auch der deutlich harmlosere Halb-Stürmer Halil Altintop, „wer ihn kennt, der weiß: Das ist kein Zufall. Er ist ein sehr cleverer Torjäger und für uns Gold wert.“ Selbst Gegenspieler Markus Thorandt zog den Hut: „Wie er den Ball vor dem 2:1 mitgenommen hat, das war Weltklasse.“

Natürlich hatten die Frankfurter bei ihrem vierten Auswärtssieg auch Glück. Im ersten Abschnitt fanden die Hessen überhaupt keine Bindung zum Spiel, nichts funktionierte, „gedanklich und emotional waren wir viel zu langsam“, fasste Skibbe die ersten schwachen 40 Minuten zusammen. Folgerichtig ging der sehr nicklig und körperbetont spielende Aufsteiger in Führung. Später brachten sich die Hamburger durch überhartes, fast brutales Einsteigen selbst aus dem Rhythmus. Bruchhagen sprach davon, dass die Hamburger „getreten“ hätten, „wie die Kesselflicker“. Pauli-Trainer Holger Stanislawski lag später mit seiner Analyse daneben, als er ständig von einem „überforderten“ Schiedsrichter sprach, der verhindert habe, dass „wir Zweikämpfe führen konnten“. Der Unparteiische ahndete nur die unsaubere Spielweise der Pauli-Spieler.

Der glückliche Ausgleich – Asamoah sah dabei wegen Meckerns noch die Gelbe Karte – war die eine Schlüsselszene, die Gelb-Rote Karte für Asamoah (47.) die zweite. Der ehemalige deutsche Nationalspieler hielt gegen Marco Russ die Sohle drauf und wurde deshalb des Feldes verwiesen. „Wir haben von diesem Platzverweis profitiert“, sagte Skibbe. Tatsächlich fing dann die Eintracht erst an, ihr Kombinationsspiel aufzuziehen, erst in Überzahl begann sie, Fußball zu spielen. Das sah dann aber ziemlich souverän aus.

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