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Stina Johannes: Torhüterin aus Überzeugung

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Von: Katja Sturm

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Beschwörender Blick auf den Ball: Torhüterin Stina Johannes von Eintracht Frankfurt beim Eröffnungsspiel.
Beschwörender Blick auf den Ball: Torhüterin Stina Johannes von Eintracht Frankfurt beim Eröffnungsspiel. © Imago/HMB-Media

Stina Johannes hat das Zeug dazu, bei Eintracht Frankfurt als Nummer eins eine Entwicklung zu nehmen wie Merle Frohms.

Stina Johannes zog es früh dorthin, wo sie jetzt steht. Als Sechsjährige von der Männer-WM 2006 in Deutschland zum Fußballspielen motiviert, war der Niedersächsin nach einem halben Jahr klar, dass sie die Position zwischen den Pfosten übernehmen wollte. Nicht etwa, weil für sie als Mädchen bei den Jungen woanders kein Platz gewesen wäre. Die in Hannover geborene Burgdorferin suchte die besondere Herausforderung, und es kam ihr entgegen, dass es in ihrem „Dorfverein“ sogar einen eigenen Trainer dafür gab. „Man ist Teil einer Mannschaft und hat doch eine ganz spezielle Position mit sehr viel Verantwortung“, erklärt Johannes. Torhüterin sei „ein affengeiler Job“.

Seit dieser Saison übt die 22-Jährige ihn bei den Bundesliga-Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt aus. Als Nachfolgerin der zum VfL Wolfsburg zurückgekehrten Nationaltorhüterin Merle Frohms wurde sie vom Klassenkonkurrenten SGS Essen zu den Hessinnen geholt. Sowohl im DFB-Pokal beim Regionalligisten SV Weinberg (7:0) als beim Liga-Auftakt gegen Bayern München (0:0) vor 23 200 Zuschauenden hielt die Neue den Kasten sauber. Ihre abgeklärte Leistung im Eröffnungsspiel verblüffte nur diejenigen, die ihr Potenzial nicht kennen. Sie bringt vieles mit, was eine Toptorhüterin ausmacht.

Hilfe vom Mentalcoach

Beim Qualifikationsturnier für die Champions League in Dänemark hatte die neue Nummer eins der Eintracht noch aussetzen müssen. Muskuläre Probleme im Rücken plagten Johannes während der Vorbereitung. Ähnliche Beschwerden bremsten das schon mehrmals zu Lehrgängen der A-Nationalmannschaft geladene, hoch gehandelte Talent bereits in der vergangenen Spielzeit. Doch „körperlich bin ich wieder komplett fit“.

Johannes weiß, was sie will. Mit 16 zog sie ins Sportinternat nach Jena, um dort ihr Abitur und ihre sportliche Entwicklung miteinander in Einklang zu bringen, und gab ein Jahr später bei den Thüringerinnen ihr Erstligadebüt. Kurz zuvor war sie mit der U17-Auswahl Europameisterin geworden und hielt auf dem Weg zum Titel fünf Strafstöße.

Als „Elfmeterkillerin“ würde sie sich trotzdem nicht bezeichnen. Im Nachwuchsbereich habe man genügend Zeit zu schauen, wohin die Gegenspielerin schießt. „Bei den Frauen sieht das ganz anders aus.“

2018 katapultierte eine schwere Verletzung die Begabung aus der bis dahin scheinbar geradlinigen Bahn. Mittlerweile in Essen engagiert, zog sich Johannes eine Luxationsfraktur am rechten Sprunggelenk zu. Der Fuß habe damals 60 bis 70 Grad zur Seite gestanden, erzählt sie. Ein Trauma war programmiert, dessen war sie sich bewusst.

Noch bevor sie ohne Krücken laufen konnte, suchte die Rekonvaleszentin Hilfe bei einem Mentalcoach. Schon nach ein oder zwei Treffen war der Schock verarbeitet. Bis heute besteht die erfolgreiche Zusammenarbeit, und die Mathematik-Studentin bereitet in ihrem Kopf jeden ihrer Auftritte sorgfältig vor.

Bevor sie im Sommer in der Stadt am Main ankam, war Johannes drei Monate lang in Japan. In der neuen Profiliga der Asiatinnen war sie beim Spitzenreiter INAC Kobe Leonessa engagiert, als einzige Europäerin unter lauter Japanerinnen, weitab der Heimat, ohne die Sprache zu können. Als der Anruf mit dem Angebot sie eines Morgens aus dem Schlaf riss, sei es ihr wie ein Traum vorgekommen. „Aber es gab kein Risiko“, nur die Chance, sich weiterzuentwickeln. Nach wenigen Stunden sagte sie zu.

Jetzt liegt ihr Fokus zu 100 Prozent auf Frankfurt. „In jedem Training und in jedem Spiel mein Bestes geben“, formuliert Stina Johannes ihre Ziele in dem neuen Team. Wohin sie der Weg führen wird? „Erst mal nach Freiburg“, sagt sie lächelnd. Beim Sportclub gastiert der Vorjahresdritte aus dem Hessischen am Sonntagnachmittag (16 Uhr). „Alles andere“, sagt Johannes, „ist nur Spekulation.“

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