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Der Frankfurter Torwart Kevin Trapp (r) hält den Ball von Düsseldorfs Rouwen Hennings.

Fortuna Düsseldorf - Eintracht Frankfurt

Im Stile eines Spitzenteams

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    Daniel Schmitt
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Nur drei Tage vor dem Spiel des Jahres in Mailand siegt Eintracht Frankfurt im Stile einer echten Spitzenmannschaft mit 3:0 in Düsseldorf.

Hinterher sind die Frankfurter dann in ihre Kurve gegangen und haben gemeinsam gefeiert. Die drei Tore zum letztlich ungefährdeten 3:0 (0:0)-Sieg bei Fortuna Düsseldorf erzielte die Eintracht just in der Halbzeit, in der die Fans auch im Stadion waren. Es war ein souveräner Erfolg bei den zuletzt so starken Düsseldorfern, womit die Frankfurter weiterhin in diesem Jahr ungeschlagen bleiben und zurück auf den fünften Tabellenplatz kletterten. Zweimal Sebastien Haller und Goncalo Paciencia erzielten die Treffer für die Hessen, bei denen darüber hinaus noch Sebastian Rode und Torwart Kevin Trapp herausstachen. „Die drei Punkte haben wir, das war ein wichtiger Test für unsere Entwicklung“, sagte Mittelfeldabräumer Gelson Fernandes.

Die Eintracht scheint damit gerüstet für das Achtelfinal-Rückspiel am kommenden Donnerstag bei Inter Mailand. Und Blessuren hat augenscheinlich auch niemand davon getragen. In Mailand freilich wartet ein anders Kaliber auf die Hessen. „Das wird extrem schwer, wir wissen, was auf uns zukommt“, betonte Martin Hinteregger. „Aber wir haben alle Möglichkeiten.“ Aufsteiger Düsseldorf war doch über weite Strecken ein biederer Gegner, nicht gut genug jedenfalls für die bärenstarken Frankfurter Angreifer.

Die Frankfurter Fans wollten erst zur zweiten Halbzeit in ihren Block kommen.

Erwartungsgemäß hatte Trainer Hütter die Mannschaft ein wenig verändert, aber nicht in dem Maße, wie allenthalben gedacht. Weder Makoto Hasebe, der noch am Donnerstag im Spiel gegen Inter Mailand einen Nasenbeinbruch erlitten hatte, noch Filip Kostic oder Sebastian Rode bekamen eine Verschnaufpause, sondern Verteidiger Evan Ndicka, Mijat Gacinovic und Stürmer Sebastien Haller. Erstmals, seit er in Frankfurt ist, stand Goncalo Paciencia in der Startformation, auch Jonathan de Guzman war lange nicht dabei.

Von Anfang an nicht dabei war in der Tat, wie angekündigt, das Gros der 3500 mitgereisten Frankfurter Anhänger, der Gästeblock blieb 45 Minuten verwaist. Mit ihrer Absenz demonstrierten sie gegen die verhassten Montagsspiele, die ohnehin abgeschafft werden. Auch die Fortuna-Fans beteiligten sich an dem Protest, sie verzichteten in den ersten 15:30 Minuten auf die Partie, kamen erst dann in die Arena am Rhein. Vor der Partie spielte die Stadionregie sinnigerweise den Gassenhauer der Boomtown Rats „I don’t like mondays“ ein.

Die Eintracht brauchte ein paar Minuten, um im Spiel zu sein. Im Grunde verschlief sie komplett die ersten fünf Minuten. Keine zwei Minuten waren gespielt, da lag der Ball schon im Frankfurter Netz: Dawid Kownacki hatte getroffen. Doch Schiedsrichter Robert Hartmann erkannte den Treffer nicht an, Dodi Lukebakio war die Kugel vorher an die Hand gesprungen. Da hatten die Hessen Glück.

Doch dann fand die Eintracht ins Spiel. Vor allem Sebastian Rode war anfangs ein Aktivposten, der kräftig am Schwungrad drehte und mit feinen Pässen in die Spitze für Gefahr sorgte. Hinten hielt Hasebe den Laden zusammen, er begann die Partie noch mit einer Maske, nahm sie aber nach kurzer Zeit ab und spielte oben ohne.

Spielerisch waren die Gäste überlegen, man spürte auch der Respekt, den die Düsseldorfer vor den Frankfurtern hatten. Aber gefährlich wurde es lange Zeit nicht, mal strich ein Schuss des agilen Luka Jovic über die Latte, mal ein Kopfball von Paciencia am langen Pfosten vorbei. Aber ein Frankfurter Treffer lag erst kurz vor der Halbzeit in der Luft: Da schoss Filip Kostic nach feinem Solo haarscharf am Pfosten vorbei, und in der 44. Minute wehrte Düsseldorfs Torwart Michael Rensing einen Versuch von Jovic, brillant von Hasebe in Szene gesetzt, mit letztem Einsatz ab.

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Mit Beginn der zweiten Halbzeit war dann deutlich mehr Leben in der Bude. Das lag daran, dass die Frankfurter Fans dann ihre Plätze eingenommen hatten, es lag aber auch daran, dass die Eintracht in Führung ging. Jonathan de Guzman, dem bis dahin fast nichts gelungen war, hatte geflankt und Paciencia am langen Pfosten perfekt in den Winkel geköpft (48.). Es war nahezu die Kopie des Treffers vom Spiel gegen die TSG Hoffenheim, als der Portugiese kurz vor Schluss das 3:2 per Kopf erzielt hatte.

Kurz darauf musste der bis dahin beschäftigungslose Kevin Trapp eingreifen, er tat das hervorragend allein gegen Raman in einer Eins-gegen-Eins-Situation. Zuvor war Makoto Hasebe ein Rückpass zu kurz geraten (53.). Es war wahrscheinlich der erste Fehler des Japaners seit Januar dieses Jahres. Glück hatte die Eintracht dann, als der Schiedsrichter eine Strafstoßentscheidung nach dem Studium der Videobilder zurückgenommen hatte. Martin Hinteregger war der Ball an den Oberarm gesprungen. Oder an ein anderes Körperteil, das wusste hinterher niemand so richtig. Auch der Spieler selbst nicht. „War ein bisschen Oberarm, ein bisschen Brust. Aber mehr als wegziehen kann ich ja nicht machen“, sagte er. Die Entscheidung, den Pfiff zurückzunehmen, sei „auf jeden Fall“ korrekt. Das sahen die Düsseldorfer naturgemäß anders.

Nach 67 Minuten konnten dann mal wieder die Hessen ein Ausrufezeichen setzen, Jovic hatte Rensing mit einem Schuss zu einer Glanzparade gezwungen. Doch die Souveränität, mit der die Gäste lange aufgetreten waren, bröckelte. Trapp war es, der die Eintracht vor dem Ausgleich bewahrte, gegen den eingewechselten Rouwen Hennings reagierte er klasse (76.). Die Schlusspunkte setzten dann die Frankfurter: In der 90. Minute machte der eingewechselte Sebastien Haller sehr abgezockt das entscheidende 2:0 (90.). Und kurz darauf sogar noch das 3:0. Mailand kann kommen.

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