Die neue Nummer 11: Steven Zuber erhält Gacinovics Trikot.
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Die neue Nummer 11: Steven Zuber erhält Gacinovics Trikot.

Steven Zuber

Die Attacke der Allzweckwaffe

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Der ehemalige Hoffenheimer Steven Zuber tauscht mit Mijat Gacinovic den Verein und will bei Eintracht Frankfurt vor allem offensiv Akzente setzen.

Die emotionale Abschiedsrede von Mijat Gacinovic offenbarte eindrucksvoll, wie schwer es diesem bodenständigen, immer noch erst 25 Jahre alten Fußballer gefallen sein muss, Frankfurt und der Eintracht den Rücken zu kehren. Es sei nicht weniger als „die schwierigste Entscheidung“ seines Lebens gewesen, sagte Gacinovic, der vor fünf Jahren aus Serbien als schmächtiger, schüchterner Bursche in die Stadt am Main gewechselt war, dort Freunde fand, eine Familie gründete - und sich „wie zu Hause“ gefühlt habe. Erst vor wenigen Tagen ping-pongte die serbische Frankfurt-Fraktion um Gacinovic sowie Ösi-Schmetterer Hinteregger freudig an der Tischtennisplatte um die Wette.

„Ich werde sicher irgendwann nach Frankfurt zurückkehren, um vielleicht nach der Karriere hier zu leben“, lauteten die finalen Worte des Mittelfeldspielers, der es - wie berichtet und gestern auch von den beteiligten Klubs offiziell verkündet - knapp 120 Kilometer weiter südlich im Kraichgau versuchen wird. Bei der TSG Hoffenheim unterschrieb Gacinovic einen Vierjahresvertrag. Dieser „Tapetenwechsel“ könne ihm helfen, „um weitere Prozente aus sich herauszuholen“, sagte der Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner. Bei der Eintracht, so die logische Schlussfolgerung dieser Aussage, trauten sie ihm diesen Entwicklungsschritt nicht mehr zu.

Stattdessen setzen die Frankfurter künftig auf die Dienste des vorherigen Hoffenheimers Steven Zuber. Ein Spielertausch also, bei dem die Vereine nicht preisgaben, ob zusätzlich eine kleinere Ablösesumme die Konten gewechselt hat. Sehr wahrscheinlich ist das aber allemal, dem Vernehmen nach darf sich die Eintracht über einige Extra-Scheine freuen. Zuber jedenfalls unterschrieb ein Arbeitspapier für die kommenden drei Spielzeiten, erhielt die zuvor von Gacinovic getragenen Trikotnummer 11 und stellte sich gestern bei einer Pressekonferenz vor. „Ich sehe in mir noch viel Potenzial. Die Eintracht ist der beste Verein, um mich weiterzuentwickeln“, sagte der 28-Jährige.

Abwehrjob ist nichts für ihn

Steven Zuber, geboren im nördlich von Zürich gelegenen Winterthur, aufgewachsen in einem Bauernhaus mit fünf Geschwistern, passionierter Kaffeetrinker, lese-affin, verheiratet mit dem Schweizer Model Mirjana, erlebte seine fußballerische Ausbildung beim Grasshopper Club Zürich, schon mit 17 kickte er das erste Mal für die Profis. Mit 21 wechselte er zu ZSKA Moskau, spielte unter anderem sechsmal in der Champions League, wurde in Russland aber nicht recht glücklich. Die Sprachbarriere machte ihm zu schaffen. 2014 schloss sich der eher schüchtern wirkende Zuber der TSG Hoffenheim an, wurde zwischenzeitlich mal zum VfB Stuttgart verliehen. 109 Bundesligaeinsätzen und 14 Tore stehen bisher in seiner Statistik, zudem absolvierte er 23 Länderspiele für die Schweiz. Bei der WM 2018 bestritt er drei Partien, köpfte ein Tor gegen Brasilien. „Mit Steven Zuber verstärken wir uns auf mehreren Positionen. Zum einen erweitert er unsere Möglichkeiten auf beiden Außenbahnen, zum anderen kann er in der Mittelfeldzentrale auflaufen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic.

Zuber selbst ist die Position fast egal, „Hauptsache offensiv, dann blühe ich auf.“ Er, der einst auch schon links in der Abwehr auflief, sei jedenfalls nicht nach Frankfurt gekommen, „um linker oder rechter Verteidiger zu sein. Ich wurde geholt, weil ich offensiv viele Positionen spielen kann. Auf rechts, auf links, hinter den Spitzen.“ Vergangene Saison stand Zuber aufgrund einer Fuß-OP insgesamt nur 14-mal für die TSG auf dem Rasen, im Saisonendspurt war er aber meist gesetzt.

Bei aller emotionaler Note, die der Abschied des einstigen Relegationsheldens und Pokalsiegers Gacinovic auch versprühen mag, macht die Verpflichtung von Zuber für die Eintracht dahingehend Sinn, dass der Neue seinem Trainer Adi Hütter auf mehreren Positionen weiterhelfen kann. Als Backup für Filip Kostic auf der linken Seite, als Herausforderer für Danny da Costa auf der rechten Bahn, auch als anderer, weil wuchtigerer Spielertyp zu Techniker Daichi Kamada hinter den Spitzen. Und im Notfall, auch wenn er das nicht will, gar als Außenpart einer Viererabwehrkette. „Steven kennt die Bundesliga, ist als Schweizer Nationalspieler auch international erfahren, torgefährlich und kann unseren Kader mit seinen Qualitäten zusätzlich bereichern“, sagte Bobic.

Vor rund zwei Wochen sei es zum ersten Kontakt mit der Eintracht gekommen, berichtete Zuber, ein Tausch mit Gacinovic war damals noch kein Thema. Eine Viertelstunde lange unterhielt sich der Schweizer auch mit Trainer Hütter und kam daraufhin trotz loser Anfragen anderer Klubs zum Ergebnis: „Ich möchte entweder nach Frankfurt oder bleibe in Hoffenheim.“ Man habe in den vergangenen Jahre gesehen, was bei der Eintracht alles los sein kann. „Ich glaube, in diese Richtung soll es auch in Zukunft gehen“, sagte Zuber, der keineswegs nur dafür da sei, um die Lücke von Mijat Gacinovic zu füllen. „Ich habe meine eigenen Qualitäten, von denen ich überzeugt bin.“ (Von Daniel Schmitt)

Bei Eintracht Frankfurt könnte Zuber Filip Kostic ersetzen, sollte dieser noch wechseln.

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