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Dragoslav Stepanovic trainierte vor fünf Jahren die Mannschaft aus Nis.

Eintracht Frankfurt

Stepanovic: „Nis hat eine gute, junge und offensivstarke Mannschaft!“

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Ex-SGE-Trainer Dragoslav Stepanovic spricht im Interview über Eintracht Frankfurt und seine Erfahrungen beim serbischen Klub FK Radnicki Nis.

Dragoslav Stepanovic, der frühere Eintracht-Trainer, hat die Auslosung der Qualifikationsspiele zur Europa League mit großem Interesse verfolgt. Und der 70-Jährige hat sich gefreut, dass der Frankfurter Bundesligist in seiner ersten Runde auf den serbischen Vertreter FK Radnicki Nis treffen könnte. Da war Stepi selbst mal Trainer.

Herr Stepanovic, womöglich bekommt es die Eintracht in der Qualifikationsrunde zur Europa League mit FK Radnicki Nis zu tun. Den Verein kennen Sie ja ganz gut, vor fünf Jahren trainierten sie den Klub. Erzählen Sie doch mal.
Der damalige Präsident Vidak Perovic wollte mich unbedingt als Trainer haben, er hatte schon vorher dreimal angefragt. Eigentlich wollte ich es nicht machen, aber ich habe mich dann doch überreden lassen.

Ein Fehler?
Ach was. Ich bereue gar nichts. Aber dass das da unten schwer wird, das habe ich schnell gemerkt.

Sie waren ja auch nicht besonders lange da.
Das kann man so sagen, zwei Monate nur. Nach vier Spielen war schon Schluss.

Wieso denn das?
Wir haben gleich am Anfang gegen Roter Stern Belgrad, Partizan Belgrad, Vojvodina und Cukaricki spielen müssen, vier Spitzenteams. Wir haben alle vier Spiele verloren.

Und dann?
Dann bekam ich einen Anruf, und da hieß es: ,Stepi, Du bist gefeuert.‘

Was haben Sie gesagt?
Okay, danke sehr, dann gehe ich wieder nach Hause (lacht).

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Hört sich fast an, als seien Sie erlöst worden.
Das kann man so sagen. Ich wollte das nicht mehr machen. Sehen Sie, in Jagodina, das ist ungefähr 100 Kilometer entfernt, da sind die Fans in die Kabine gestürmt und haben mit Baseballschlägern alles zertrümmert, weil sie sauer über das Abschneiden der Mannschaft waren. Das brauche ich nicht mehr in meinem Alter. Wobei ich sagen muss, dass die Anhänger in Nis super sind, total positiv, da gab es nie Ärger oder Krawall, im Gegenteil.

Auf was muss sich die Eintracht einstellen, wenn der Gegner Nis heißen würde?
Die Fans würden ihre Mannschaft nach vorne peitschen, ohne Ende. Das Stadion würde voll sein. Es wäre das größte Spiel für Nis seit fast 40 Jahren, ein absolutes Highlight. Die besten Jahre hat der Verein hinter sich, als ich damals noch in Serbien gespielt habe, da hatten sie eine Goldene Generation, richtig guten Fußball gespielt und sind sogar im Uefa-Cup weit gekommen.

Wie schätzen Sie die Chancen für den Außenseiter ein?
Nis hat eine gute, junge Mannschaft, offensivstark. Es ist kein Zufall, dass sie hinter Roter Stern Zweiter geworden und auch im Pokal bis Halbfinale gekommen sind. Aber die Bundesliga ist natürlich ein ganz anderes Kaliber. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass sie gegen die Eintracht eine Chance hätten. Das wäre schon ein Wunder. Aber im Fußball kann ja alles passieren. Ich hätte auch nicht gedacht, dass Wehen gegen Ingolstadt durchkommt und Union Berlin den VfB Stuttgart in die zweite Liga schickt. Die Eintracht sollte gewarnt sein, von alleine wird es nicht gehen. Und es ist ja noch nicht so lange her, da hat man am eigenen Leib gespürt, wie es ist, wenn man sich blamiert. Ich sage nur Ulm.

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Bei der Eintracht spielen ja in Filip Kostic, Mijat Gacinovic und Dejan Joveljic auch drei serbische Spieler, das wäre ja noch mal etwas Besonderes.
Absolut, für die Zuschauer wären die drei Jungs der Anziehungspunkt. Ich bin übrigens sehr gespannt auf Joveljic. Da hat sich ja jetzt sogar Miki Stevic (der frühere Bundesligaprofi; Anm. d. Red.) gemeldet und gesagt, der Junge sei besser als Luka Jovic. Das hat mich schon sehr gewundert. Jovic hat alles, er ist ein kompletter Spieler und Torjäger. Und wenn jemand zu Real Madrid wechselt, sagt das alles. Die sind ja nicht doof bei Real.

Was trauen Sie der Eintracht zu?
Ich bin gespannt. Die vergangene Saison war ja ein Traum, einfach unfassbar gut. Das war so nicht zu erwarten. Als die Spielzeit anfing, wir in Ulm im Pokal ausgeschieden sind und von Bayern im Supercup fünf Dinger kassiert haben, da dachte ich: „Oje, Adi, Du brauchst deinen Koffer gar nicht auspacken, besonders lange wirst du nicht hier sein.“ Und dann hat er die Mannschaft so weiterentwickelt, dass sie phasenweise alles in Grund und Boden gespielt hat. Das war wirklich sensationell. Aber klar ist auch, dass die Erwartungen durch den großen Erfolg jetzt steigen. Dagegen kannst du nichts machen.

Interview: Ingo Durstewitz

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