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Spuren im Sand

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Von: Thomas Kilchenstein

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Der Eintracht-Kontaktpfleger: Axel Hellmann.
Der Eintracht-Kontaktpfleger: Axel Hellmann. © imago

Neben der sportlichen Vorbereitung geht es für die Eintracht im Trainingslager in Abu Dhabi auch um die Pflege der Beziehungen in die Region.

Als die gut 50 Köpfe umfassende Frankfurter Entourage nach etwas mehr als sechsstündigem Nachtflug am Donnerstagfrüh, kurz vor 6.30 Uhr Ortszeit, in Abu Dhabi landete, herrschten angenehme Temperaturen, 17, 18 Grad, leichter Wind. Nach einer kurzen Busfahrt vom internationalen Flughafen konnte die Frankfurter Reisegruppe das Emirates Palace beziehen, ein Milliarden-Dollar teures Luxushotel, eine Herberge für Könige, Kalife und Kicker – mit Privatstrand, Jachthafen und rund 100 Suiten. Alles vom Allerfeinsten.

Dort betten die 27 Fußballprofis von Eintracht Frankfurt nach einem ersten Frühstück ihre müden Häupter in samtweiche Kissen. Am späten Nachmittag bittet Trainer Niko Kovac dann zur ersten von vielen, vielen Trainingseinheiten auf den akkurat gestutzten Rasenplatz. Es gibt kaum bessere Trainingsbedingungen, kurze Wege, blauer Himmel, ein liebevoll gepflegtes Spielfeld, der Hügel des Grauens ist nicht fern, und die Gefahr, „abzusaufen“ (Axel Hellmann) besteht in der Wüste so gut wie nicht.

Zum fünften Mal in Folge hat der hessische Bundesligist sein nobles Quartier am arabischen Golf aufgeschlagen, man betritt keinesfalls Neuland, im Gegenteil: man kennt und schätzt sich. „Wir sind“, sagt Vorstand Axel Hellmann, der morgen nachreisen wird, „gute Gäste“. Die Hessen seien der einzige Klub, neben dem FC Bayern München (der in Katar sein Wintercamp bezieht), der „in dieser Konsequenz“ diese Region bereise. Zuletzt hatten auch Borussia Dortmund und jetzt der Hamburger SV im benachbarten Dubai ihr Trainingscamp aufgeschlagen. Pikanterweise hospitierten Niko Kovac und Bruder Robert im vergangenen Jahr beim BVB in Dubai, bekanntlich spielte die Eintracht im Test gegen Dortmund und damals haben die Hessen die ohnehin bestehenden freundschaftlichen Kontakte zu Kovac aufgefrischt. Drei Monate später heuerte das Brüderpaar in Frankfurt an.

Natürlich ist in diesem Jahr der Fokus stärker auf den Sport gerichtet, Eintracht Frankfurt steht nach einer beeindruckenden Hinrunde glänzend da. Das ist auch den Arabern nicht entgangen, die den Werdegang der Eintracht durchaus mit Interesse verfolgen, sagt Hellmann. Der Standort Abu Dhabi ist ja nicht zufällig gewählt. Es geht während des knapp elftägigen Aufenthalts bis zum 15. Januar für den Klub weiterhin um Kontakte, um den Ausbau bereits geknüpfter Netzwerke, um internationale Strategien, ums Strippenziehen. Da hat die Eintracht in den vergangenen Jahren einiges aufs Gleis gestellt.

Die Präsenz in der Region am Persischen Golf habe sich ausgezahlt, wenn auch nicht groß in barer Münze. Hellmann spricht gerne „von gewachsenen Beziehungen“. Und: „Wir werden wahrgenommen als der Bundesligist, der die engsten Beziehungen in dieser Region pflegt.“ Es gibt durchaus Interesse von arabischer Seite, sich stärker bei Eintracht Frankfurt zu engagieren, sogar in größerem Stil. Meist wünschten arabische Unternehmen große Beteiligungen oder gar Übernahmen des Klubs, das sei mit der Eintracht, unabhängig von der 50+1-Regel, nicht zu machen. „Das ist nicht kompatibel mit unseren Interessen“, sagt Hellmann. „Wir wollen nicht in Octagon-Verhältnisse zurückfallen.“

Dennoch sind eine Reihe von Kooperationen geschlossen worden, etwa mit dem erfolgreichsten Klub des Landes, mit Al Ain. Neben der Partnerschaft mit dem Fußballverein sowie Al Ain Investment ist Eintracht Frankfurt mit der größten Versicherung des Landes, Daman, eng verbandelt, zudem ist die in Abu Dhabi bestens verdrahtete BHF-Bank ein wichtiger Partner vor Ort. Es wird erneut hochrangige Begegnungen vor Ort geben, ein bisschen mehr als bei einem kreuznormalen Trainingscamp werden Frankfurter Kicker auch als Botschafter gefragt sein. Immerhin wird die Eintracht einen Teil des nicht gerade billigen Trainingslagers refinanzieren können. „Es gibt nicht nur Ausgaben, es gibt auch Einnahmen“, sagt Hellmann und rechnet mit einem kleinen sechsstelligen Betrag.

Die Eintracht hat auch in diesem Jahre wieder ihre Fußballschule vor Ort, Ikone Karl-Heinz Körbel und ehemaligen Eintracht-Profis sind mit dabei, um professionell die Werbetrommel zu rühren und vor Ort Kinder und Jugendliche für den Klub aus Deutschland zu begeistern. Zum ersten Mal wird auch Mädchenfußball angeboten.

Es geht für die Eintracht auch im fünften Jahr darum, persönliche Kontakte zu pflegen. „Wenn wir durch diese Tür gehen wollen, müssen wir präsent sein“, umschreibt Hellmann. Eintracht Frankfurt sei nicht, wie Bayern München oder Borussia Dortmund, eine „internationale Marke“, also müsse man freundschaftliche Bande knüpfen und vertiefen.

Vieles spricht allerdings dafür, dass es im nächsten Winter keinen Trip in die Wüste geben wird. Das liegt nicht daran, dass die Beziehungen nach Abu Dhabi ausgereizt seien, sondern schlicht in der Tatsache begründet, dass es in der kommenden Saison praktisch keine Winterpause gibt und die Rückrunde bereits am 12. Januar 2018 beginnt.

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