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Auf ihn wird es heute bei den Bayern besonders ankommen: Kevin Trapp.

Bayern München - Eintracht Frankfurt

Auf dem Sprung

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Auf Torwart Kevin Trapp wird es im Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Rekordmeister Bayern München besonders ankommen.

Am Tag vor dem Spiel bei „der besten Mannschaft der Welt“, wie Thomas Schaaf den FC Bayern München beharrlich nennt, ist natürlich auch die Rede auf die 54 Gegentore der Eintracht gekommen. Das lag nahe, weil die Bajuwaren gerne und oft treffen, 71 Mal in jetzt 27 Begegnungen. Da traf es sich, dass der Frankfurter Torwart Kevin Trapp bei der turnusgemäßen Pressekonferenz auf dem Podium saß. „Gegen Bayern haben Torleute meistens ein bisschen was zu tun“, sagte Trapp sehr smart.

Das Thema Gegentore indes war dem 24 Jahren alten Ballfänger sichtlich unangenehm, bald wies er dezent darauf hin, dass ihm ja nicht allein alle 54 Gegentore angelastet werden können. Das stimmt. Kevin Trapp, immer noch oder wieder auf dem Sprung in die deutsche Nationalmannschaft, hat lange gefehlt. Er hat sich im Hinspiel gegen Mainz 05 das Syndesmoseband gerissen. Deshalb hat er bislang erst in 15 Spielen unter der Latte gestanden, aber auch 27 Tore kassiert, genau die Hälfte.

Auch seine Vertreter Felix Wiedwald (zehn Spiele/19 Gegentreffer) und Timo Hildebrand (drei Spiele/acht Gegentore) konnten die Toreflut nicht entscheidend eindämmen. Für Trapp sind die vielen Gegentore ein echtes Ärgernis, zumal er von sich selbst sagt, „sehr selbstkritisch zu sein“ und sich die Tore bei der Fehleranalyse noch einmal zu Gemüte zu führen „und zu schauen, ob welche zu verhindern gewesen wären“.

Das eine oder andere Gegentor war sicherlich darunter, etwa das 1:2 gegen Köln oder das 1:1 in Stuttgart. Kevin Trapp hat, ebenso wie die gesamte Mannschaft, bisweilen durchaus Luft nach oben, wenn auch ein Torwart bei Eintracht Frankfurt angesichts eher lockerer Defensivarbeit sicherlich nicht zu beneiden ist. Trapp hält nach Kräften, versucht mit Verve, an die überragende Form von vor zweieinhalb Jahren anzuknüpfen, als der Aufsteiger Frankfurt in der Hinrunde die Liga aufmischte und Trapp hinten kaum zu überwinden war. In dieser Saison hat er es immerhin geschafft, sich wieder ins Blickfeld der DFB-Auswahl gehechtet zu haben. „Ich kann nur meine Leistung abrufen, mich selbst nominieren kann ich nicht.“

In Frankfurt, bei der Eintracht, genießt der Saarländer einen hohen Stellenwert, für seine Vertragsverlängerung hat sich der Klub finanziell mächtig gestreckt. „Um ihn herum wollen wir eine Mannschaft aufbauen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner bei der Verkündigung der Vertragsverlängerung bis 2019 an einem Spieltag. „Er ist Sympathieträger, Leistungsträger, Kapitän,“ zählt der Manager auf. „Das ist ein Zeichen nach außen.“ Hübner hofft auf eine Art Aufbruchstimmung.

Davon ist aktuell im Klub nicht viel zu spüren, obwohl die Mannschaft wisse, „dass sie bisher tolle Spiele abgeliefert hat“, wie Schaaf am Freitag vor dem Flug nach München sagte. Auch Trapp findet es „komisch, was geschrieben wird“. Die Kritik an der Mannschaft jedenfalls sei „krass“. Im vergangenen Jahr habe man sich „lange im Abstiegskampf befunden, dennoch ist die Kritik dieses Jahr lauter“, sagte der Kapitän. „Ich habe das Gefühl, es wird schlechter geschrieben als wir sind.“

Allerdings hat auch Trapp, ein Mann der eher leisen Töne und auch keiner, der mit der Faust auf den Tisch haut, nach dem Hannover-Spiel in aller Öffentlichkeit davon gesprochen, dass „die negativen Dinge überwiegen“ und dass man eigentlich eine ganz ordentliche Saison spiele, „gefühlt aber nicht“.

Für Kevin Trapp ist es egal, wer bei den Bayern im Angriff spielt. Dass Robben und Ribery fehlen, hat für ihn kein große Bedeutung, als Torwart könne man sich ohnehin nicht auf einen Stürmertyp einstellen und alle Bayern „haben eine brutale Qualität“. Dass es in den 90 Minuten vor allem auf ihn ankommt, weiß er natürlich. „Wir müssen alle über 100 Prozent gehen, um erfolgreich zu sein.“ Vor allem sollte man selbstbewusst sein, sich nicht verstecken und selbst die Bayern unter Druck zu setzen versuchen. „Wir haben schon gezeigt, dass wir ein unangenehmer Gegner sein können.“

Zumindest hat sich die Eintracht in dieser Saison gegen über ihr platzierte Teams besser aus der Affäre gezogen als gegen die Leichtgewichte der Liga. Thomas Schaaf jedenfalls will gar nicht so viel von der Stärke der Bayern erzählen. „Das Allerwichtigste ist, dass wir an unsere Qualitäten glauben.“ Er jedenfalls habe volles Vertrauen ins selbstbewusste Team: „Die Mannschaft funktioniert und besitzt die Qualität, den Gegner zu verletzen.“

Und dann hat er noch gesagt, dass Eintracht Frankfurt in den letzten 16 Spielen immer mindestens ein Tor erzielt hat. Das schafften nicht viele. Das letzte Mal, dass die Hessen torlos blieben, war beim 0:4 gegen die Bayern im Hinspiel.

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