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Von der grundsätzlichen Richtung überzeugt: Armin Veh.

Eintracht Frankfurt

In der Spitze nicht breit genug

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Eintracht-Trainer Armin Veh sucht nach Erklärungen für das ernüchternde 1:1 gegen die Hertha: „Platt waren wir nicht“. Von der grundsätzlichen Qualität des Kaders ist Veh weiterhin überzeugt.

Mit einer Verspätung von handgestoppten 22 Minuten stiegen die Frankfurter Fußballprofis am Montag auf ihre Mountainbikes und verabschiedeten sich für eine gute halbe Stunde in den Stadtwald. Es gab einen guten Grund für die leichte Verzögerung im Ablaufplan des Vormittags: Trainer Armin Veh hatte nach dem ernüchternden 1:1 (1:0) gegen Hertha BSC erhöhten Gesprächsbedarf verspürt und angemeldet. Eine knappe halbe Stunde wurde das Spiel vom Vortag aufgearbeitet, lauter ist es dabei aber nicht zugegangen, wie Rechtsaußen Stefan Aigner versicherte. „Nein, nein. Das war eine ganz normale Nachbesprechung.“

Die aber deshalb länger ausfiel, weil der Coach mit seiner Mannschaft in den Dialog trat. Veh legte nicht seine Sicht der Dinge dar, sondern bezog seine Spieler mit ein. „Ich möchte ja erfahren, was da los war“, begründete Veh die freie Aussprache. Auch der Fußballlehrer rätselte über diesen merkwürdigen Einbruch in der zweiten Hälfte, als seine Mannschaft gar nicht mehr am Spiel teilnahm, sich zurückdrängen ließ und um den Ausgleich bettelte – der auch prompt fiel. In einer ersten Spontananalyse am Sonntag war Marc Stendera zum dem Schluss gekommen, dass vielleicht die Kraft gefehlt hätte. Auch Veh zog zunächst eine körperliche Abgeschlagenheit als Begründung in Betracht.

Doch nach eingehender Befragung am Montag revidierte der Trainer seinen ersten Erklärungsversuch. „Daran hat es nicht gelegen, alle Spieler haben sich ordentlich gefühlt.“ Veh sieht keinen Grund, an den Ausführungen der Spieler zu zweifeln. „Das macht ja keinen Sinn, wenn sie mir was erzählen würden, was nicht so ist. Wir sind ein Team, und ich rede ja nicht mit Deppen.“ Grundsätzlich ist es für den Trainer wichtig zu wissen, „dass wir nicht platt waren“. Auch die Auswertung der Laufleistung spreche nicht für Müdigkeit. „Wir sind viel gelaufen“, sagte Veh und schob nach: „Aber wir sind nur noch hinterhergelaufen.“

Der 54-Jährige ist sich mit dem Abstand einer fast schlaflosen Nacht sicher, dass es eher eine mentale Geschichte war, die sein Team verkrampfen ließ und fast schon blockiert hat. „Wir wollten das 1:0 verteidigen und sind nicht auf das 2:0 gegangen.“ Das sei das genaue Gegenteil von dem, was man in der Halbzeit besprochen habe. „Dass wir uns zurückziehen, hat niemand vorgegeben“, sagte Veh.

Doch in dem Bewusstsein, etwas zu verlieren zu haben, sind die Frankfurter unerklärlicherweise immer weiter zurückgewichen, anstatt den keineswegs übermächtigen Kontrahenten unter Druck zu setzen und ihn zu Fehlern zu zwingen. „Wir sind gar nicht mehr vorne draufgegangen“, fand Stefan Aigner. „Das war der Hauptfehler.“ Dadurch habe man die Berliner ins Spiel kommen lassen, sei nur noch dem Gegner nachgelaufen, habe seinerseits die Bälle nicht mehr halten und keine Ruhe mehr ins Spiel bringen können. „Das ist dann eine Kettenreaktion.“

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Es fällt auf, dass in schwierigen Phasen, wenn das Spiel aus dem Ruder läuft und die Elf das Heft des Handelns aus der Hand gibt, niemand auf dem Platz ist, der das Spiel ordnen und die Mannschaft in die Spur leiten kann. Weder Marco Russ hinten, noch Stefan Reinartz in der Mitte oder Alexander Meier vorne konnten das Team stabilisieren und das Unheil abwenden.

Eine Erkenntnis ist, dass die Eintracht in der Spitze nicht so breit aufgestellt ist, um das Fehlen wichtiger Spieler adäquat zu ersetzen. Haris Seferovic fehlt an allen Ecken und Enden. Sein Ausfall ist nicht annähernd zu kompensieren. Zudem fehlt nach wie vor ein gutklassiger Linksaußen, Mijat Gacinovic ist es auch noch nicht: „Er kann das irgendwann mal spielen, aber er braucht noch Zeit“, sagte Veh. Auch im defensiven Mittelfeld sind die Bälle viel zu leicht hergeschenkt worden. „Wir haben es nicht geschafft, im Mittelfeld die Ruhe zu bewahren“, befand Veh. Makoto Hasebe wirkt – mit Ausnahme des Köln-Spiels – überspielt, eine schöpferische Pause würde ihm vielleicht mal ganz gut tun.

Für einen Verein wie die Eintracht, der in der Mittelklasse anzusiedeln ist, aber den Blick eher nach oben denn nach unten richten will und kann, ist es verflixt schwer, Spiele zu gewinnen, wenn zu viele Akteure nicht in Form sind oder nicht ihren besten Tag erwischen (Kadlec, Waldschmidt, Castaignos, Hasebe). Veh aber ist von der grundsätzlichen Qualität weiterhin überzeugt. „Wir sind auch in der Lage, mal zwei, drei Spiele hintereinander zu gewinnen.“ Doch dann müsse man die richtige Tagesform haben und auch das Quäntchen Glück auf seiner Seite. „Wir hätten auch fünf Punkte aus der Englischen Woche holen können.“ So sind es nur zwei geworden. Der Weg nach oben wird erst einmal weiter und steiniger.

„Das ist halt das Enge in der Liga“, betonte Veh. Die Eintracht habe eine gute, aber keine überragende Mannschaft. „Soll ich von der Truppe verlangen, dass sie alle wegschießt?“, fragte der Coach rhetorisch. Eine Antwort darauf musste er nicht geben. Um weiter nach oben zu klettern, müssen aber mal solche knappen Spiele trotz weniger guter Leistung gewonnen werden. Vielleicht fehlt das letzte Fünkchen Überzeugung und Entschlossenheit. Veh glaubt weiterhin an sein Team: „Wir sind nicht weit weg.“

Und er glaubt nach wie vor an den jungen Luca Waldschmidt, den der Trainer nach schwacher Leistung ein- und wieder ausgewechselt hatte. Am Montag nahm er ihn zur Seite und ließ ihm Worte des Trostes zukommen. „Ich stehe auf den Jungen, er muss sich keinen Kopf machen. Er kann auch noch fünf solcher Spiele machen, das ändert nichts an meiner Meinung. Der Junge packt das.“ Der 19-Jährige wollte auch kein großes Aufhebens um die ihm aufgebrummte Höchststrafe machen. „Ich kann den Trainer ein Stück weit verstehen“, sagte er. „Ich bin in erster Linie enttäuscht von mir selbst, ich habe viele dumme Fehlpässe gespielt.“ Weshalb, wisse er nicht. „Ich bin nicht reingekommen, das kommt vor. Für mich ist es abgehakt.“ Dass Veh ihm das Vertrauen ausspricht, freut ihn: „Es ist schön, dass der Trainer hinter mir steht.“

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