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Spielt klug mit: Lukas Hradecky, hier gegen den Hamburger Nicolai Müller; rechts Hradeckys Teamkollege David Abraham.

Lukas Hradecky

Die Spinne mit der weißen Weste

Erstmals in seiner Bundesliga-Debütsaison bleibt der neue Frankfurter Torwart Lukas Hradecky ohne Gegentor. Der Schlussmann ist zudem noch ein ausgesprochen guter Fußballer.

In Dänemark, bei seinem alten Klub Bröndby Kopenhagen, trug Lukas Hradecky den Spitznamen „Mr. clean shirt“. Man kann das vielleicht mit „weißer Weste“ übersetzen, zumal wenn man seine Statistik aus der letzten Saison zu Rate zieht. Da hat Lukas Hradecky, der finnische Nationaltorwart mit slowakischen Wurzeln in Diensten von Eintracht Frankfurt, in 33 Spielen 15-mal zu Null gespielt. Das ist keine ganz schlechte Bilanz.

Jetzt hat es Lukas Hradecky auch in der Bundesliga geschafft, eine weiße Weste zu behalten. Er hat sich riesig gefreut über das 0:0 in Hamburg. „Das war ein erster Schritt“, sagte der sympathische Ballfänger, ein erster Schritt auf dem Weg zu seinem alten Spitznamen. In Frankfurt hat ihm der Boulevard schnell einen anderen Namen gegeben, „Spinne“, weil er mit seinen langen Armen reflexartig auch in die entferntesten Ecken kommt. Am Samstag schaffte er es, im fünften Spiel zum allerersten Mal ohne Gegentor zu bleiben.

Ein moderner Torwart

Denn das hat ihn bei seinem Debüt vor fünf Wochen in Wolfsburg schon befremdet: Da stand er im Tor, bekam kaum etwas zu halten und musste doch gleich zweimal den Ball aus dem Tor holen – ohne sich groß auszeichne zu können. Das hat er inzwischen ausreichend tun können, gegen Augsburg im ersten Heimspiel bewahrte er sein Team gerade in der Schlussphase vor einer Niederlage, auch jetzt in Hamburg war der Mann eine sichere Bank. „Er ist ein extremer Rückhalt“, sagte Stefan Aigner dieser Tage.

Was vor allem in Hamburg auffiel: Hradecky spielte ganz prächtig mit, klärte zuweilen weit in der eigenen Hälfte gegen durchgebrochene Hamburger im Stile eines Liberos mit dem Fuß. Das sah richtig gekonnt aus. „Das ist es, was wir wollten, als wir Lukas verpflichteten“, sagte Trainer Armin Veh nach der Nullnummer. Dass die Eintracht in Hradecky einen richtig guten Torwart bekommen hat, der auch noch gut Fußball spielen kann, hat man in Frankfurt gehofft. Dass es aber so schnell gehen wird mit der Integration, ist einigermaßen erstaunlich.

Von seinem Vorgänger, dem zu Paris Saint-Germain abgewanderten Kevin Trapp, spricht in Frankfurt kaum einer. „Wir hätten nicht so lange gewartet, wenn wir nicht voll überzeugt gewesen wären“, hat Veh immer gesagt, als sich der Wechsel aus Kopenhagen mehr und mehr hingezogen hatte.
Lukas Hradecky, der sich früher mal Iker Casillas zum Vorbild nahm und mittlerweile den Stil von Nationalmannschaftstorwart Manuel Neuer bewundert, ist sicher das, was man einen modernen Torwart nennt. „Das ist mein Spiel, auch außerhalb des Strafraums zu klären .“

Ins Fußballtor ging der 25 Jahre alte Blondschopf übrigens nur, „weil ich nicht so gut laufen konnte“, wie er einmal grinsend sagte. Zuvor habe er Tennis, Basketball und Eishockey gespielt. Und auch da muss man antizipieren und mitdenken. „Für mich ist das eine völlig normale Sache.“ Die weiße Weste will er, logisch, so schnell nicht wieder ausziehen. (kil)

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