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Ballfertig und flink: der Japaner Daichi Kamada.

Neuzugang Daichi Kamada

Der Spielmacher aus der Provinz

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Daichi Kamada: beidfüßig, flink und gut am Ball. Der Neuzugang aus Japan führt eine Eintracht-Tradition fort.

Daichi Kamada, der neue Japaner, der in diesen Tagen einen Kontrakt bei Eintracht Frankfurt unterschreiben wird, ist alles andere als ein Kraftpaket. Der Offensivspieler, beidfüßig, flink und gut am Ball, wiegt 72 Kilogramm bei einer Größe von 1,80 Meter. Er ist damit immerhin kein „zartes Geschöpf“. So hat der frühere Trainer Armin Veh den kleinen Wirbelwind an der Außenlinie, Takashi Inui, genannt, der von 2012 bis 2015 für die Hessen am Ball war und in 75 Spielen sieben Treffer erzielt hat. Inui, der seitdem in Spanien bei Eibar spielt und dem lange nachgetrauert wurde, stand beim früheren Trainer hoch im Kurs; ohnehin mochte Armin Veh Mentalität und Disziplin japanischer Fußballspieler, stets um ein Widerwort verlegen, dazu lernwillig und pflegeleicht.

Eintracht Frankfurt hat in der jüngeren Vergangenheit durchweg gute Erfahrungen mit Fußballern aus Nippon gemacht, seien es nun Naohiro Takahara (von 2006 bis 2007, 38 Spiele, zwölf Tore), Junichi Inamoto (von 2007 bis 2009, 42 Spiele, kein Tor) oder eben seit drei Jahren Makoto Hasebe, der sich ohnehin als eminent wichtiger Stratege entwickelt hat. Gerade dem 33 Jahre alten Hasebe, zudem Kapitän der japanischen Nationalmannschaft, fällt die Aufgabe zu, Daichi Kamada die Eingewöhnung in die ihm fremde Kultur zu erleichtern. Allerdings hat Hasebe noch selbst mit den Nachwirkungen seiner Knorpeloperation im Knie zu kämpfen.

Ein unbeschriebenes Blatt

Von Kamada versprechen sich die sportlich Verantwortlichen vor allem in der Offensive einige zündende Ideen. Daran hat es in der Vergangenheit ja durchaus gemangelt, zu starr und eingefahren war vieles. Der 20-Jährige gilt in der japanischen J-League als Vollstrecker und Vorbereiter, er spielt hinter den Spitzen. Am vergangenen Sonntag hat er mit seinem Klub Sagan Tosu noch ein Punktspiel bestritten und beim 2:1-Sieg gegen Urawa Red Diamonds (bei dem Mitte der 90er-Jahre übrigens auch Uwe Bein gespielt hatte) die Führung vorbereitet. In der ersten Halbserie der seit Februar laufenden Saison hat Kamada in 15 Partien drei Tore erzielt. In den drei Jahren in Tosu kam er auf 65 Pflichtspiele und 13 Treffer. Ganz billig soll der Neue nicht sein, rund 2,5 Millionen Euro soll die Ablöse betragen. Er wäre hinter Sebastien Haller (etwa sieben Millionen Euro) der bisher zweitteuerste Transfer der Saison.

Einem größeren Publikum ist der U23-Nationalspieler bislang noch nicht aufgefallen; selbst unter den in Deutschland stationierten japanischen Berichterstattern ist die Offensivkraft, weitgehend ein unbeschriebenes Blatt. Das liegt auch daran, dass er in der Provinz Fußball spielt, in Tosu, einer 73.000 Einwohner zählende Stadt auf der Insel Kyushiu, rund 1100 Kilometer südwestlich von Tokio gelegen. In die A-Nationalelf wurde der Spielmacher bislang nicht nominiert, für die Olympiamannschaft Japans im vergangenen Jahr auch nicht.

Kamada wird sich strecken müssen, um sich in der Bundesliga gegen kräftigere Gegenspieler durchzusetzen. Was für ihn spricht, sind seine Ballsicherheit und seine technischen Fertigkeiten, dazu gilt er als flink und behände. Kamada wird den USA-Trip der Eintracht, anders als etwa Mijat Gacinovic, Marco Fabian (Urlaub nach Confed-Cup), Aymen Barkok (U19-EM in Georgien), Carlos Salcedo (Schulter-OP), Alex Meier (Knöchel-OP) oder Omar Mascarell (Achillessehne), mitmachen. Ein größeres Problem dürfte indes das Erlernen der fremden Sprache sein. Nicht jeder ist so begabt, wie Hasebe, der prima Deutsch spricht. Inui etwa hat selbst nach drei Jahren in Frankfurt kaum Deutsch gesprochen. Veh erinnerte sich: „Ich habe ihm mal was gesagt und gleich darauf das Gegenteil. Wenn er zweimal genickt hat, wusste ich: Er hat’s nicht verstanden.“

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