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An 26 von 34 Tore beteiligt: Alex Meier (Mitte) und Haris Seferovic (links). Bamba Anderson ist zum Tore-Verhindern da.

Eintracht Frankfurt

Das Spiel der Wagemutigen

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Für Eintracht Frankfurt gibt es eigentlich keine Alternative zum riskanten Offensivspektakel. Die kommenden Wochen werden für die Eintracht wegweisend. Binnen acht Tagen stehen drei Spiele auf dem Programm.

Wenn sich der Eintracht-Tross heute Mittag auf den Weg in den Breisgau machen wird, um anderntags erstmals in diesem Jahre um Punkte zu kämpfen, werden einige Unbekannte an Bord des Mannschaftsbusses sein. Keine Spieler, nein, eher eine latente Unsicherheit, eine gewisse Ungewissheit. Eintracht Frankfurt geht mit mehr als nur drei Fragezeichen in die Rückserie. Das eint den Frankfurter Klub aber mit den meisten anderen Bundesligisten, außer den Bayern vielleicht, deren Ungewissheit darin besteht, ob sie im März oder erst im April Meister werden.

Für die Eintracht steht gleich eine wegweisende Woche an, binnen acht Tagen und drei Spielen (in Freiburg, gegen Wolfsburg, in Augsburg) können Weichen gestellt werden – die grobe Stoßrichtung soll Europa sein. Auf diesem Weg gilt es, einige Stolpersteine zu umdribbeln. Ob das gelingt? Das wird von verschiedenen Faktoren abhängen.

Eine Frage wird sein, ob die Offensive weiterhin so spektakulär funktioniert wie in weiten Teilen der Vorrunde. Die Eintracht ist immer in der Lage, sich Möglichkeiten herauszuspielen und Tore zu machen – das liegt an ihrer individuellen Klasse im Spiel nach vorne. Stefan Aigner und Takashi Inui sind auf den Flügeln an guten Tagen schwer auszurechnen; Marc Stendera, erst kürzlich von der Eintracht für seine Verdienste geehrt, spult ein ungemeines Pensum ab, ist neben Lucas Piazon der laufstärkste Spieler der Eintracht. Der Regisseur hat obendrein die Gabe, den entscheidenden Pass zu spielen. Und ganz vorne, ja, da treibt das kongeniale Duo Alexander Meier und Haris Seferovic sein Unwesen. Meier (13 Tore, zwei Vorlagen) und Seferovic (7 Treffer, 6 Assists) waren an 28 der 34 Eintracht-Toren beteiligt. Der morgigen Gegner, das Schlusslicht SC Freiburg, hat insgesamt lediglich 17 Treffer erzielt.

Grundsätzliche Ausrichtung beibehalten

Hält dieser Lauf der Frankfurter Offensive an? Kann Meier weiter wie am Fließband treffen, womöglich gar die Torjägerkanone erstmals seit Anthony Yeboah an den Main holen? Wird Seferovic seine Form konservieren können? Zuletzt war Meier durch eine leichtere Blessur etwas außer Tritt geraten, bei Seferovic gibt es indes keine Anzeichen, dass er seine guten Leistungen nicht wird bestätigen könnte.

Die grundsätzliche Ausrichtung sollte die Eintracht beibehalten, nur durch aktives Auftreten, mutiges Offensivspiel und aggressives Pressing konnten die Hessen im zweiten Teil der Vorrunde nach oben klettern. Es ist ein riskantes Spiel, ein Spiel für Wagemutige und mit einigen Unbekannten, aber für diese Mannschaft gibt es keinen anderen Weg, zumindest ist noch kein anderer entdeckt worden, der erfolgversprechend wäre. Will man mit diesem Team taktieren oder sich zurückziehen, beraubt man es seiner Stärke.

Das hat Trainer Thomas Schaaf längst erkannt. Das Spektakel ist zur Normalität geworden. Nicht immer, das liegt in der Natur des Sports, hat die Eintracht dabei das gute Ende für sich. Und trotzdem: „Wir sind keine Mannschaft, die abwarten kann“, sagte Verteidiger Bamba Anderson. „Egal, gegen wen – wir spielen nach vorne.“

In der Vorbereitung hat das Pressing nicht mehr so gut geklappt wie zuletzt im Ligabetrieb. Das bedingungslose Attackieren von ausnahmslos allen Spielern ist aber oberste Pflicht, wenn diese Art des Fußballs Erfolg haben soll. „Wenn ein paar Spieler nicht mitmachen, wird es für die ganze Mannschaft schwer“, sagte Linksverteidiger Bastian Oczipka.

Dann sind nämlich die Löcher im Mittelfeld zu groß, die Abstände stimmen nicht mehr, was zur Folge hat, dass die Defensivspieler gar nicht mehr in die Zweikämpfe kommen. Deshalb ist die Eintracht auch in der Defensive so verwundbar, das hat nicht alleine mit den Abwehrspielern zu tun. Zumeist reicht ein guter Pass in die Schnittstelle der Viererkette, um die Deckung auszuhebeln.

Hoffnungen ruhen auf Zambrano

Auch aus diesem Grund sind alle Verantwortlichen heilfroh, dass Makoto Hasebe, der Chef im Mittelfeld, rechtzeitig vom Asien-Cup zurückgekehrt ist. Er alleine kann es zwar auch nicht richten, aber der Japaner kann mit seinem strategischen Geschick und seiner Laufstärke für mehr Stabilität sorgen. 34 Gegentreffer sind, so oder so, zu viel. Viel deutet aber nicht darauf hin, dass die Eintracht in der winterlichen Vorbereitungsphase eine bessere Balance und eine defensivere Struktur gefunden hat: Eigentlich sahen die Testspiele, auch wenn sie ja nicht mehr als ein Muster ohne Wert sind, aus wie die Bundesligaspiele: Vorne mit Wucht und Durchschlagskraft, hinten mit Löchern und fast schon chaotischen Verhältnissen. Torwart Kevin Trapp kann einem fast schon leid tun. Auch bei ihm wird man übrigens abwarten müssen, ob er nach langer Verletzungspause gleich wieder der Alte ist.

Die Hoffnung von Thomas Schaaf beruht natürlich auch auf Abwehrchef Carlos Zambrano, der durch seine Schnelligkeit auf den ersten Metern und seiner kompromisslosen Zweikampfführung für mehr Ordnung sorgen kann. Gemeinsam mit Bamba Anderson, der gerade durch sein Tempo auf der Strecke von Wert ist. Zambrano ist, wenn er fit ist, gesetzt – obwohl Trainer Schaaf über seine nächtlichen Aktivitäten ziemlich verärgert war.

Die Frage wird sein, ob sich die Mannschaft unbeeindruckt von den Turbulenzen in den letzten Tagen zeigen wird. Spurlos kann, muss so etwas aber nicht an einer Gemeinschaft vorbeigehen.

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