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Wird wohl bald nicht mehr im Eintracht-Dress jubeln, vielleicht sogar in dem von Schalke 04: Omar Mascarell.

Eintracht Frankfurt

Spiel ohne Grenzen

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Die Summen auf dem Transfermarkt explodieren ? doch die Eintracht bleibt ihrer Linie treu.

Der französische Abwehrspieler Abdou Diallo hat in der abgelaufenen Spielzeit für den FSV Mainz 05 27 Bundesligapartien bestritten und zwei Tore erzielt, zuvor stand der 22-Jährige bei AS Monaco unter Vertrag, Leistungsnachweis: genau fünf Einsätze in der Ligue 1. Auf höchstem Niveau spielt der talentierte U21-Nationalverteidiger also noch nicht so furchtbar lange. Doch es reicht für den großen Karriereschub, am Dienstag gab Borussia Dortmund die Verpflichtung der Abwehrkante bekannt, Kostenpunkt rund 30 Millionen Euro. Ein himmlisch warmer Geldregen für Mainz 05. 

Es ist bemerkenswert, dass der BVB so viel Geld für einen Innenverteidiger hinblättert. Doch damit nicht genug: Die Westfalen haben überdies den kampferprobten Mittelfeldarbeiter Thomas Delaney von Werder Bremen losgeeist, Ablöse: gut 23 Millionen Euro. Zuvor haben die Dortmunder in Frankfurt gewildert, den Durchstarter Marius Wolf, der auf eine einzige gute Runde in der Bundesliga verweisen kann, dank einer Ausstiegsklausel für lumpige fünf Millionen Euro bekommen, ihn dafür aber mit knapp sieben Millionen Euro Gehalt zugeschüttet. Der Wahnsinn kennt keine Grenzen. 

Noch ein paar Beispiele? Borussia Mönchengladbach will den Hannoveraner Stürmer Niclas Füllkrug aus dessen bis 2020 laufenden Vertrag auslösen, das letzte Gebot betrug 18 Millionen Euro. Füllkrug, zur besseren Einordnung, hat genau ein gutes Jahr in der Premiumklasse hinter sich und 14 Tore erzielt. Es war aber die erste Spielzeit, die der 25-Jährige auf diesem Niveau bestreiten konnte, zuvor trieb sich Füllkrug zumeist in der zweiten Liga umher. Sind da fast 20 Millionen Euro gerechtfertigt? 

Auch der SC Freiburg könnte jetzt fett abkassieren, angeblich will der FC Arsenal Verteidiger Caglar Söyüncü abwerben, schlaffe 40 Millionen soll der türkische Nationalspieler kosten. Ist er ganz bestimmt wert.

Klar ist, dass die Summen auf dem Transfermarkt förmlich explodieren, es ist ein Haufen Kohle in den Kreislauf gepumpt worden – das wird in erster Linie auf die Spieler (und natürlich deren Berater) umgelegt. Für gehobene Mittelklassevereine wie Eintracht Frankfurt ist diese Entwicklung problematisch. Zwar steht der Bundesligist wirtschaftlich so gut da wie nie und ist durchaus in der Lage, die Mannschaft mit 30 Millionen Euro aufzupimpen, doch im Vergleich zu den Topklubs hinkt er hinterher. 

Manchmal ohnmächtig

Für die Eintracht stellen die Ablösesummen mittlerweile nicht mehr die größte Schwierigkeit dar, es sind die Gehälter, die andernorts gezahlt werden, die dem Frankfurter Traditionsverein das Leben erschweren. Wenn ein Akteur wie Lukas Hradecky in Leverkusen mit seinem Fünfjahresvertrag insgesamt etwa 30 Millionen Euro einnimmt, wenn Marius Wolf in Dortmund noch ein bisschen mehr einstreicht und ein Omar Mascarell mit Fug und Recht ein Jahressalär von sechs Millionen Euro verlangen kann und auch bekommen wird, dann kann man sich in etwa ausmalen, welch Ohnmacht den aktuellen Pokalsieger befällt. 

Zur Orientierung: Alex Meier war in Frankfurt mit einem Gehalt von knapp 2,5 Millionen Euro der Topverdiener, ein Spieler wie Haris Seferovic kam in der Saison 2016/2017 auf 1,4 Millionen Euro. Der Schweizer Nationalspieler hat sich schon vor einem Jahr deutlich verbessert, bei Benfica Lissabon wird sein Fünfjahresvertrag mit einem Gesamtvolumen von zehn Millionen Euro vergütet – netto wohlgemerkt. Kaum auszudenken, wie viel der 26-Jährige heute hätte herausschlagen können. Die Eintracht, und da zeigt sich das Dilemma ganz deutlich, hat sogar überlegt, bei Omar Mascarell über die Schmerzgrenze hinauszugehen und Real Madrid den Spieler für rund zehn Millionen Euro abzukaufen, das hätte sie bewerkstelligen können – doch auf der Gehaltsseite hätte sie ihn niemals auch nur annähernd so lukrativ bedenken können wie es etwa der FC Schalke 04 könnte. 

Ein Gesamtpaket von 25, 30, 35 Millionen Euro kann der Klub aus dem Hessischen noch nicht stemmen. Und er will es auch gar nicht, das Gehaltsgefüge muss sukzessive und nicht holterdipolter wachsen. Ansonsten wird der Neidfaktor innerhalb des Gefüges zu groß. Doch ganz ohne ein paar Anstrengungen geht es nicht, Ante Rebic etwa hat sich eine Vervielfachung seiner Bezüge verdient, 3,5 Millionen Euro sollte die Eintracht dem Kroaten künftig zukommen lassen. Das wäre vertretbar. 

Und es gibt noch ein Beispiel, das verdeutlicht, wie die Preisspirale sich immer weiter nach oben dreht: Dominique Heintz, der vom Absteiger 1.FC Köln zum SC Freiburg gewechselt ist, kann im Breisgau mit gut 2,1 Millionen Euro rechnen – das war der Eintracht, die sich ebenfalls um den 24-Jährigen bemüht hatte, eindeutig zu viel. Es geht schließlich nicht um einen begehrten Mittelstürmer, sondern um einen stattlichen Verteidiger.

Die Freiburger gehen ihren Weg dennoch unbeirrt weiter, holen in erster Linie deutsche Spieler, die am besten noch entwicklungsfähig sind. So haben sie auch Ex-Eintracht-Stürmer Luca Waldschmidt vom HSV verpflichtet – für fünf Millionen Euro. Nicht wenig für einen Spieler, der zwar veranlagt ist, bei dem aber nicht wenige davon überzeugt sind, dass er den Durchbruch nicht schaffen wird. 

Ricardo Moar kommt

Die Eintracht verfolgt bekanntermaßen eine andere Strategie, sie baut auf Spieler aus dem Ausland. Die sind, zumindest dann, wenn man nicht im obersten Segment sucht, noch finanzierbar und versprechen durchaus eine Rendite. Spieler wie Sebastien Haller (sieben Millionen Euro Ablöse) oder der bevorstehende Kauf von Luka Jovic für gut zwölf Millionen sind Investitionen in die Zukunft. Dieser Kurs ist unter Sportvorstand Fredi Bobic alternativlos, nur mit diesem Modell sieht er die Chance, den Verein gegen die starke Konkurrenz wettbewerbsfähig zu halten. 

Das bedeutet, dass man bei der Spielersuche besser hinschauen, gut verhandeln, verdammt schnell sein und ein gutes Gefühl haben muss. Die Scoutingabteilung der Eintracht mit Kaderplaner Ben Manga an der Spitze ist im Vergleich zu früher um Klassen besser aufgestellt.  

Dazu passt eine Meldung der „Sport Bild“, wonach die Eintracht den früheren Hannoveraner Manager Ricardo Moar, 64, als weiteren Scout für den spanischen Raum verpflichtet hat. „Ich bin glücklich, für Fredi und Ben Manga zu arbeiten“, wird der Ex-Sportchef von Deportivo La Coruña zitiert. „Ich liebe es, Spieler zu suchen. Ich bin lieber auf dem Platz als im Büro.“ Moar soll die ohnehin nahezu perfekt ausgebildeten Iberer schon im Jugendalter entdecken. Ein Schachzug der Sinn macht: Den spanischen Markt hat die Eintracht für sich als höchst spannend bewertet. 

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