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Lucas Piazon: Ersatz für Inui.

Eintracht Frankfurt

Spektakel bleibt Trumpf

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Eintracht Frankfurt wird trotz personeller Veränderung nicht vom Spielstil abweichen. Piazon kommt in die Stammelf, Kadlec steht weiter auf dem Prüfstand.

Der Mittwoch steht für die Berufsfußballer der Frankfurter Eintracht zur freien Verfügung. Kein Training, keine Laufeinheit, keine Maloche im Kraftraum. Freizeit. Aber auch keine Sonne mehr, die die Luft auf 23, 24 Grad erwärmt, kein Pool, in den die Spieler um die Mittagszeit mal schnell per Hechtsprung eintauchen können. Und kein Blick aufs wogende Meer, das die Seele beruhigt. Eintracht Frankfurt ist wieder zurück in der kalten Heimat, nach einem Nachtflug ist der 45 Mann starke Tross des hessischen Bundesligisten am Mittwochmorgen kurz nach sieben auf Rhein-Main gelandet. „Wir sind ein bisschen traurig, wir wären gerne noch geblieben“, sagte Trainer Thomas Schaaf. Die Eintracht habe im achttägigen Trainingslager in Abu Dhabi aber ihre Aufgaben erledigt und sich bestens präpariert. „Wir kommen mit einem guten Gefühl nach Hause.“

Das wurde gestern noch mal auf eine harte Probe gestellt, das gute Gefühl. Denn ausgerechnet im letzten Training in den Emiraten musste die Eintracht-Entourage eine Schrecksekunde verdauen. Im abschließenden Trainingsspiel spürte Torwart Kevin Trapp bei einem Rettungsversuch einen Stich in der Leiste. Der Kapitän brach das Training sofort ab und wurde von Mannschaftsarzt Christoph Seeger untersucht. Ein paar Minuten später ging er flüssigen Schrittes auf sein Hotelzimmer. Womöglich hat Trapp Glück im Unglück gehabt. Sportdirektor Bruno Hübner beschwichtige jedenfalls umgehend: „Kevin hat bei der Aktion einen Schmerz im rechten Adduktorenbereich gespürt. Aber nach einer ersten Untersuchung können wir Entwarnung geben. Es sieht nicht nach einer schweren Verletzung aus.“ Ein erneuter Ausfall wäre für den gerade wieder genesenen Schlussmann auch extrem bitter.

Medojevic in Poleposition

In zehn Tagen wird es wieder ernst, dann reisen die Frankfurter zum Rückrundenauftakt nach Freiburg. „Wir freuen uns auf den Start“, bekundete Schaaf. „Wir sind gut vorbereitet.“ Am Persischen Golf hat der Coach sein Team auf die Rückrunde eingeschworen, er hat seine Spieler zur Mittagszeit zu einem persönlichen Gespräch an den Pool gebeten. Und auf dem Platz vor allen Dingen „im taktischen Bereich gearbeitet“, wie Linksverteidiger Bastian Oczipka ausführte. „Wir haben viele Spielzüge einstudiert.“ Man kann nun nicht behaupten, dass in den beiden Testspielen gegen den Hamburger SV (2:3) und Al Ain FC (3:1) besonders viel davon zu sehen war. Doch die Vorbereitung heißt nun mal Vorbereitung, weil sie dazu dient, sich auf den Ernstfall einzustellen.

Wenn nicht alles täuscht, wird sich aber nicht so viel ändern bei Eintracht Frankfurt. Natürlich wird die Mannschaft versuchen, ihre Aufgaben in der Defensive besser zu lösen, kompakter zu stehen und als Team geschlossener gegen den Ball zu arbeiten. 34 Gegentore sind zu viel. Dessen sind sich alle bewusst. Doch wird es keine Abkehr von der Philosophie geben, Spektakel und bedingungslose Offensive sollen Trumpf, der Spielstil erhalten bleiben. „Ich glaube, dass es da keine großen Veränderungen geben wird“, sagte Schaaf.

Da sei es auch nicht von entscheidender Bedeutung, dass Takashi Inui und Makoto Hasebe zu Beginn fehlen, zwei Spieler, die zuletzt absolute Stammspieler waren. Beide spielen zurzeit mit Japan beim Asien-Cup. Erfolgreich. Gestern gewannen sie auch ihrer drittes Gruppenspiel. „Man sollte die Ausrichtung nicht an Personen festmachen“, befand der Fußballlehrer. Vieles spricht dafür, dass Slobodan Medojevic den zuletzt so starken Hasebe im defensiven Mittelfeld ersetzen wird, obwohl der Serbe bislang auch keine Bäume ausgerissen hat und seit Monaten mit einer entzündeten Achillessehne spielt.

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Doch die Alternativen sind rar, Aleksandar Ignjovski hat fast die ganze Vorbereitung verpasst, jetzt liegt er mit einer Grippe flach. Martin Lanig ist eher als Ergänzung gedacht. Und Johannes Flum kommt auch nicht ins Rollen, er klagte kürzlich erneut über muskuläre Beschwerden. „Es ist eine schwierige Zeit für ihn“, sagte Schaaf. „Für einen Spieler ist es das Wichtigste, einen Rhythmus zu bekommen. Das schützt ihn auch vor Verletzungen. Flumi schlägt sich mit zu vielen Sachen herum.“ Der Ex-Freiburger war nach seinem schwachen Auftritt gegen Al Ain total geknickt.

Es gibt noch die Möglichkeit, dass Marco Russ ins Mittelfeld rückt und Hasebes Position einnimmt. „Das ist eine Option“, urteilte Schaaf. Aber nur dann, wenn Carlos Zambrano rechtzeitig fit werden sollte. Was vor kurzem noch ausgeschlossen schien, nimmt konkretere Formen an. Der Peruaner scheint schon wieder Zutrauen in sein vormals lädiertes Knie gefunden zu haben. „Er hat im Training doch gleich einen weggebügelt“, sagte Schaaf lächelnd. Der Trainer will seinen Abwehrchef nach Möglichkeit im letzten Testspiel gegen Servette Genf am Samstag (15 Uhr) ein paar Minuten spielen lassen.

Kadlec nicht nach Paderborn

Wer hingegen Inui auf dem linken Flügel ersetzen wird, ist ausgemachte Sache. Lucas Piazon. Am Dienstag hielt der Coach noch mal ein Plädoyer für den Brasilianer, der ihm in der öffentlichen Wahrnehmung „zu schlecht wegkommt“. Man müsse sehen, „wie viel er powert, dass er nie aufhört und immer weitermacht.“ Natürlich sei es ihm nicht verborgen geblieben, dass er „mehr Effektivität erreichen“ und sich im Zweikampf besser behaupten müsse. „Da ist ein Missverhältnis.“

Aber an den grundsätzlichen Fähigkeiten des seit gestern 21-Jährigen gebe es keinerlei Zweifel. Die Leihgabe des FC Chelsea habe herausragende Möglichkeiten, und wenn er die immer auf den Rasen bringen würde, dann würde er quasi durch die Decke schießen. Im Vergleich zu Piazon ist Vaclav Kadlec weit im Hintertreffen. Ein Verleihen des Angreifers ist noch immer nicht vom Tisch, in diesen Tage werde man die Situation analysieren und bewerten und dann eine abschließende Entscheidung treffen, sagte Hübner. „Wir sind immer noch am Überlegen“, assistierte Schaaf.

Die Kardinalfrage laute: „Können wir ihn abgeben, auch um für ihn eine verbesserte Situation zu erreichen? Oder sagen wir: Wir brauchen ihn hier.“ Grundsätzlich ist Schaaf allerdings der Meinung, dass die Eintracht auch ohne Kadlec in der Offensive Möglichkeiten hat, um zu variieren. „Wenn das richtige Angebot kommt, würden wir darüber nachdenken“, so Schaaf. Wenn Kadlec gehen sollte, sei kein Neueinkauf zwingend notwendig.

Die richtige Offerte war jedoch noch nicht dabei, auch die Anfrage des Ligakonkurrenten SC Paderborn beschied die Eintracht abschlägig. „Das kommt für uns nicht in Frage“, sagte Hübner. Schließlich sei es ja so, „dass wir schon gucken wollen, wie wir den Spieler platzieren.“ Der Klub aus Ostwestfalen sei für Kadlec nicht die richtige Adresse.

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