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Ab über den Fangzaun: Trainer Adi Hütter macht im Training selbst mit, schießt aber zu hoch.

Länderspielpause für die Eintracht

Spaßige Erholung

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Eintracht-Trainer Hütter nimmt in der Länderspielpause das Tempo heraus, für den Brasilianer Tuta und den Spanier Torro steht heute dennoch ein Spiel an.

Was die Bundesligaprofis von Eintracht Frankfurt da gestern Vormittag so trieben, das hatte schon ein bisschen was von einem lockeren Kickchen auf dem Bolzplatz. Lachend schlurften die zehn Feldspieler und drei Torhüter bei herrlichem Sonnenschein auf den Rasen im Schatten der großen Arena, wärmten sich beim von noch lauterem Gelächter begleiteten Acht-gegen-Zwei-Spielchen auf, schwitzen schließlich eine knappe halbe Stunde bei einer Trainingspartie auf kleinem Feld ein wenig an, um sich zum Abschluss die Bälle noch einmal rund um dem Strafraum hinzulegen. Da standen sie nun also, die nicht zu ihren Nationalteams entsandten oder im Fitnessraum trainierenden Fußballer und hämmerten die Bälle zum Abschluss der spaßigen Erholungseinheit Richtung Kasten - mittendrin Coach Adi Hütter.

Der 49-Jährige visierte das Tor an, machte zwei Schritte nach vorn und pfefferte den Ball mal ganz locker über den Fangzaun hinweg auf dahinter parkende Autos. Beim Kick auf dem Bolzplatz wäre dieser Fehlschuss wohl eine Kiste Kaltgetränke für die ganze Truppe wert gewesen, bei Eintracht Frankfurt freilich musste Adi Hütter nur den Schmunzler von seinem Assistenten Christian Peintinger ertragen. Die Profis hielten sich doch sichtbar zurück und machten es ihrem Chef lieber vor, wie das so geht. Direkt nach Hütters Versuch zischte ein Schuss in den Winkel.

„Wer war denn das?“, fragte ein Zaungast der Einheit, die umherstehenden Beobachter zuckten nur mit den Schultern. „Öh, der da in der Mitte.“ ... „Ah, aber wer ist das?“ ... „Öh, ich bin mir nicht ganz sicher, ist das nicht dieser neue Brasilianer, dieser, ähm...“ ... „Ach, der Tuta.“ ... „Ja genau der, der Tuta war es.“

Und tatsächlich, den Ball in den Winkel gezimmert hatte der 19-jährige Lucas Silva Melo, kurz Tuta, den die Frankfurter in der Wintertransferperiode vom brasilianischen Traditionsverein FC Sao Paulo für 1,8 Millionen Euro loseisen konnten. Schon bei Bekanntgabe der Verpflichtung wiesen die Frankfurter Klubverantwortlichen darauf hin, dass der Teenager keine Soforthilfe wie etwa Sebastian Rode oder Martin Hinteregger sein soll, sondern ein Mann für die Zukunft. „Wir hoffen bei Tuta, dass er uns perspektivisch weiterhelfen kann“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic im Januar, Tuta selbst gab an, dass er „voller Vorfreude“ auf die Aufgabe bei solch einem „tollen Verein“ wie der Eintracht sei.

Während also die Hintereggers und Rodes dieser Welt sofort großartig durchstarteten, führt Tuta in seiner neuen Heimat ein Leben unter dem Radar, abseits der Aufmerksamkeit. Selbst regelmäßige Beobachter erkennen den jungen Mann, geboren in Sao Paulo, nicht auf Anhieb.

Tuta, so hört man, sei ein ziemlich schüchterner Typ. Einer, der in der Kabine gewiss keine großen Reden schwingt und deshalb auch auf dem Platz nicht sofort den Zampano mimt, was gewiss keine schlechte Eigenschaft ist. Nachdem der 19-Jährige kurz nach seiner Ankunft in Frankfurt auch schon wieder in seinem brasilianische Heimat zurückkehren musste, um Passangelegenheiten zu klären, trainiert er nun seit einigen Wochen im Kreise der neuen Kollegen mit. Vor allem unterstützt vom argentinischen Kapitän David Abraham und Sprachgenie Gelson Fernandes scheint Tuta angekommen zu sein in Frankfurt. Er hat eine Wohnung in der Stadt bezogen und lebt dort zurzeit gemeinsam mit seiner Freundin Victoria. „Ziemlich kalt“, „eiskalt“, „brr“, weitere Worte sind vom Neuen aus Südamerika bisher nicht übermittelt. Freilich, am fehlenden Fleiß liegt das nicht, Tuta arbeitet in einer Lerngruppe mit dem Franzosen Almamy Touré mehrfach in der Woche an seinen Deutschkenntnissen.

Almamy Touré, auch erst 22 Jahre alt, ist sprachlich mit Tuta so ziemlich auf einem Level, sportlich ist er ihm ein, vielleicht eher zwei oder drei Schritte voraus. Nicht nur, dass der in Paris aufgewachsene Verteidiger in der Bundesliga bereits viermal zum Einsatz kam und seine Sache gut machte, auch wurde er gestern für die U21-Nationalmannschaft der Franzosen nachnominiert. Touré erfuhr von der Berufung ins Juniorenauswahlteam kurz vor der Trainingseinheit und machte sich sofort auf den Weg nach Essen, wo die U21-Auswahl des Weltmeisters heute Abend (18.30 Uhr) auf jene des ehemaligen trifft. Es sei eine Ehre für ihn und er freue sich, so Touré, der neben der französischen auch die Staatsbürgerschaft Malis besitzt.

Während sich der robuste Abwehrmann also heute mit dem DFB-Nachwuchs messen darf, steht für den schmächtigen Tuta ebenfalls ein besonderer Abend bevor: sein Debüt im Adlerdress. Um 18 Uhr sind die Frankfurter Profis bei den Amateuren des TuS Mensfelden gefordert. Neben dem brasilianischen Debütanten soll dann auch der spanische Mittelfeldmann Lucas Torro gegen den A-Ligisten aus dem Kreis Limburg-Weilburg vier Monate nach einer Leistenoperation sein Comeback feiern. Anschließend, von Freitagmittag an, gewährt Trainer Adi Hütter seinen Jungs bis Dienstag dreieinhalb freie Tage zur weiteren Erholung.

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