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Die Frankfurter Baumeister: Manager Bruno Hübner (links) und Sportvorstand Fredi Bobic.

Eintracht Frankfurt

SGE-Kaderplanung: Sparfuchs gegen Sturkopf

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Weshalb Eintracht Frankfurt mit Geduld auf dem Transfermarkt unterwegs ist und wie sich der Klub ausrichten will.

Die Bestmarken, man weiß das, sind allesamt pulverisiert: Alle Eintracht-Trikots sind ausverkauft, alle Logen weg, alle Business Seats weg, alle Werbebanden ausgebucht, die Mitgliederzahlen schießen durch die Decke, gehen stramm auf die 80 000 zu, die 1000 zusätzlichen Dauerkarten waren binnen 20 Minuten vergriffen, die 40 000 aufgelegten Europa-League-Tickets sind in Windeseile verkauft worden, gestern meldete die Eintracht: sold out. Unglaublich.

Luka Jovic ist für 70 Millionen Euro zu Real gewechselt

Auch die wirtschaftlichen Kennzahlen sind beeindruckend: Der Umsatz durchbricht erstmals die 200-Millionen-Grenze, im Europacup sind mehr als 40 Millionen Euro eingenommen worden, Luka Jovic ist für 70 Millionen Euro zu Real gewechselt, und der Lizenzspieleretat wird in der neuen Saison erstmals die 70-Millionen-Marke knacken – vor drei Jahren wendeten die Frankfurter gerade mal die Hälfte für ihr Personal auf. Die Eintracht ist so potent wie nie zuvor.

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Und doch agiert sie auf dem Transfermarkt bisher auffallend zurückhaltend. Nicht nur, aber auch, weil sie den anderen Klubs so ein bisschen den Wind aus den Segeln nehmen will. Denn die wollen auf ihre Kosten kommen – auf Kosten der Eintracht. „Alle spekulieren darauf, dass wir erheblich beweglicher werden“, sagt Vorstand Axel Hellmann, „aber da wird sich der eine oder andere verspekulieren.“ Es sind gute Nerven, Verhandlungsgeschick und Geduld gefragt, und vielleicht wird sich die Sportliche Leitung auch von dem einen oder anderen Wunschkandidaten verabschieden müssen, weil die Vernunft siegt. „Man muss auch mal eine Sache liegenlassen, wenn man nicht davon überzeugt ist, dass es ökonomisch sinnvoll ist, selbst wenn sie sportlich total attraktiv ist“, sagt Hellmann.

Tauziehen um Martin Hinteregger

Das Paradebeispiel ist das Tauziehen um den bislang ausgeliehenen Verteidiger Martin Hinteregger, mit dem die Eintracht schon lange klar ist. Das heißt aber nicht, dass der beliebte Österreicher tatsächlich in Frankfurt bleiben darf. Der Augsburger Manager Stefan Reuter gilt als einer der härtesten Verhandlungspartner der Branche. Für Hinteregger möchte Reuter 15 Millionen Euro erzielen. Keine Peanuts. So viel wird die Eintracht nicht bezahlen. FCA-Sportchef Reuter ist aber zuweilen ganz schön störrisch. Einen Transfer des wechselwilligen Philipp Max verhinderte er bereits im Vorjahr, auch jetzt pocht er auf eine Ablöse in Höhe von 20 Millionen Euro – die wird wohl keiner zahlen. Ergo wird Max am Freitag zur sportärztlichen Untersuchung in Augsburg erwartet. Hinteregger ebenfalls.

Da steckt die Eintracht, die gestern ihren bislang nach Belgien verliehenen Mittelfeldspieler Max Besuschkow an den Zweitligisten Jahn Regensburg verkauft hat, in einem ziemlichen Dilemma: Nachgeben oder sich umorientieren? Ein Faustpfand ist das klare Bekenntnis des Spielers zu Frankfurt, da scheinen Nebenbuhler wie Lazio Rom oder Crystal Palace erst einmal chancenlos. Der sparsame Schwabe Fredi Bobic gegen den sturen Franken Reuter – das Ganze kann sich ziehen. Eine späte Einigung ist aber nicht unwahrscheinlich.

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Nicht so vertrackt ist es bei Torwart Kevin Trapp, der rund acht Millionen Euro kosten wird, nachdem PSG ursprünglich zehn Millionen aufgerufen hatte. Gestern gab es Meldungen aus Frankreich, wonach der Transfer fix sei. Klar ist, dass es zu einem Deal kommen wird. Beim Gehalt wird die Eintracht knapp fünf Millionen Euro berappen, nicht wenig. Trapp hatte aber schon im vergangenen Jahr auf eine Million verzichtet, um nach Frankfurt zurückzukehren.

Merkwürdig mutet das Prozedere bei Sebastian Rode an. Da ist die Dortmunder Forderung von fünf Millionen Euro einigermaßen utopisch, weil Rode eine schwere Knieverletzung (Knorpelschaden) hat, sein Vertrag nur noch ein Jahr läuft (was den Preis drastisch nach unten drückt) und Trainer Lucien Favre ihn schon im vergangenen Sommer aussortiert hat. Für einen verletzten und in einem Jahr ablösefreien Ersatzspieler fünf Millionen aufzurufen, das ist abenteuerlich. Doch auch bei Rode dürfte es zu einer Übereinkunft kommen.

Weniger Leihspieler

Alleine diese drei Personalien zeigen jedoch, dass die Eintracht mehr als 20 Millionen Euro zahlen muss (das Gehalt der Akteure nicht eingerechnet), um die Spieler zu behalten, die schon zuletzt das Dress mit dem Adler auf der Brust trugen. Das Niveau wäre gehalten, die Mannschaft noch nicht verstärkt, aber eine Menge Geld weg. Selbst wenn der Klub gewiss 40, 50 Millionen investieren kann.

Von der Leihspieler-Praxis will sich der Verein daher lösen, nicht gänzlich, aber er versucht, sich davon zu emanzipieren oder mit anschließenden Kaufoptionen zu arbeiten. „Wir sind jetzt in der Lage, Spieler zu holen, die uns auch gehören. Das ist strukturell ein riesiger Unterschied. Für die Gesamtstrategie sind wir damit drei Schritte weiter als vor zwei, drei Jahren“, sagt Axel Hellmann.

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Und klar ist auch, dass der Klub versuchen wird, die Partizipationen für Drittparteien bei einem Weiterverkauf (bei Luka Jovic gingen 30 Prozent an Benfica Lissabon, bei Ante Rebic würden fast 50 Prozent nach Florenz abfließen) zu minimieren. Das geht nur, wenn die Ablöse der potenziellen Neuzugänge entsprechend hoch ist. Die einfache Formel: höhere Ablöse, weniger Rechte für andere. Insofern geht es bei Verhandlungen wie die mit dem Berner Djibril Sow nicht immer nur um zehn, zwölf oder 14 Millionen, sondern auch um das Kleingedruckte auf dem Papier. Das kann große Auswirkungen haben.

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