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Der Spätzünder

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Karim Matmour (M.) jubelt über seinen Treffer zum 1:1.
Karim Matmour (M.) jubelt über seinen Treffer zum 1:1. © dapd

Lange sah es danach aus, als sollte die Frankfurter Eintracht ausgerechnet beim Tabellenschlusslicht Ingolstadt ihre erste Niederlage in der zweiten Liga kassieren. Dann traf Karim Matmour.

Mit Karim Matmour, dem Schützen des 1:1 in letzter Sekunde, war Armin Veh hinterher gar nicht zufrieden. Dabei war der Algerier mit dem französischen Pass recht kurz auf dem Platz, erst knapp 20 Minuten vor Schluss war er eingewechselt worden, für Benjamin Köhler. Veh wollte die Flügel stärken, wollte das Ingolstädter Bollwerk über die Außen knacken. Doch der 26-Jährige lief überall herum, war mal links, mal rechts, meist in der Mitte. So war das nicht besprochen. „Er hat überhaupt nicht gut gespielt. Er war nicht im Spiel. Er hat auch das Gegentor mitverschuldet, da ist er nicht konsequent nachgegangen“, schimpfte der Trainer von Eintracht Frankfurt hinterher. Dann freilich huschte ein Grinsen über sein Gesicht. „Aber es scheint so, als sei er ein guter Joker.“

Das kann man so sagen. Matmour, der Spätzünder, rettete mit seinem Kopfballtor in letzter Minute den Frankfurter Nimbus der Unbesiegbarkeit in Liga zwei. Schon in seinem ersten Einsatz für die Hessen, im Saison-Eröffnungsspiel bei der Spielvereinigung Greuther Fürth, traf der 25-fache algerische Nationalspieler spät. Damals in der 80. Minute (für Caio) eingewechselt, schoss er die Eintracht in der 89. Minute zum 3:2-Sieg, jetzt, in Ingolstadt, wartete er mit seinem Treffer noch sieben Minuten länger. Dazu stehen zwei Vorlagen (83. und 85. Minute) im Spiel gegen Eintracht Braunschweig in seiner Bilanz. So einen nennt man einen Joker.

Klar, Matmour, zuvor bei Borussia Mönchengladbach und dem SC Freiburg unterwegs, mit 77 Bundes- und 89 Zweitligaspielen, ist damit nicht zufrieden. In Frankfurt stand er bislang bei elf Einsätzen nur zweimal von Anfang auf dem Rasen, ansonsten kam er von der Ersatzbank ? neunmal wurde er eingewechselt. Einmal nur – gegen Hansa Rostock (4:1) – spielte er 90 Minuten durch, das sogar gut, doch er kommt einfach nicht an dem giftigeren Sebastian Rode vorbei. Zudem passt er nur schwerlich in das auf Kurzpässe und Kombinationsfußball angelegte Frankfurter System.

Matmour ist mehr einer, der mit langen Sprints eine Abwehr aufreißen kann. Oft ist er dennoch die erste Alternative, der zwölfte Mann sozusagen. Er kommt rein, wenn es nicht so läuft oder ein schneller Konterspieler gefragt ist. Das liegt daran, dass der WM-Teilnehmer keine lange Anlaufzeit benötigt. In Ingolstadt freilich gelang ihm vor seinem Paukenschlag nicht so viel, er fügte sich in das niveauarme Spiel problemlos ein. Einmal drosch er den Ball aus aussichtsreicher Position hoch in den Fangzaun.

Das Tor hilft ihm kaum weiter

„Zum Schluss haben wir nur noch lange Bälle nach vorne geschlagen. Da musst du kämpfen, um an den Ball zu kommen“, sagte Matmour. Beim viel umjubelten Ausgleich hat er spekuliert, ist richtig in den Pass von Pirmin Schwegler gelaufen und „dann habe ich den Torwart überlupft.“ Sanft senkte sich der Ball über Sascha Kirschstein ins Netz. Matmour war gar der Meinung, dass mehr drin gewesen wäre. „Wenn wir noch mehr Zeit gehabt hätten, hätten wir wohl noch gewonnen.“

Aber auch er hatte gespürt, dass die ganze Mannschaft am Sonntag nicht ihren besten Tag erwischt hatte. „Wir hatten nicht viele Chancen gehabt. Wichtig war, diese Begegnung nicht zu verlieren.“ Sein spätes Tor freilich hilft ihm ironischerweise bei seinem Kampf um einen Stammplatz nicht wirklich weiter. Im Grunde festigte Karim Matmour mit jeder guten späten Tat seinen Ruf als Joker von Eintracht Frankfurt – gerade nach diesem Spiel, in dem er die taktischen Maßgaben des Trainers nicht befolgte.

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