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Frust pur: Eintracht-Stürmer Luc Castaignos liegt flach.

Schalke 04 - Eintracht Frankfurt

Später Sturmlauf wird nicht belohnt

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt verschläft bei Schalke 04 die erste Halbzeit, spielt nach der Pause deutlich besser und kassiert zwei Gegentore.

Am Ende sanken die Männer in den weißen Hemden auf den Boden, sie stützten die Hände auf die Knie, ließen den Kopf hängen. Ein wilder Schlussspurt und eine mächtige Druckphase waren nicht belohnt worden, das Anrennen, um den 0:1-Rückstand aufzuholen, war vergebens, die Eintracht ging auf die Bretter. Die bedingungslose Offensive wurde in der Nachspielzeit sogar noch bestraft. Da schloss der Schalker Leroy Sane einen Konter zum 2:0 (0:0)-Endstand für den FC Schalke 04 ab. Es war ein nicht unverdienter Erfolg für die Gelsenkirchener, die wacker kämpfende Eintracht hatte diese Partie, auch wenn es merkwürdig klingt, in der ersten Hälfte verloren – selbst wenn die Tore im zweiten Abschnitt fielen. Mittelfeldspieler Stefan Reinartz analysierte hinterher: „Wir hatten vier, fünf, sechs gute Torchancen. Wenn wir da eine rein machen, nehmen wir hier was mit.“ Am Sonntag im Heimspiel gegen Hertha BSC müssen die Frankfurter nun Farbe bekennen. Ein Sieg würde den Hessen, die von den ersten sechs Partien vier in der Fremde bestreiten mussten, nicht schlecht zu Gesicht stehen.

Matter Start

Die Gäste begannen die Partie, als hätten sie sich, wie viele tausende Zuschauer, durch kilometerlange Staus auf den verstopften Autobahnen im Ruhrpott quälen müssen. Sie waren merkwürdig matt. Sie konnten das bemerkenswerte Anfangstempo der Schalker nicht mitgehen, kamen immer einen Schritt zu spät. Und so war es wenig verwunderlich, dass die Platzherren schon das erste Mal nach zwei Minuten vor das Eintracht-Tor kamen, doch Joel Matip verzog.

Die Frankfurter schafften es nicht, Sicherheit in ihre Aktionen zu bringen, weil sie am Ball viel zu hektisch agierten. Gerade Makoto Hasebe vertändelte den Ball in unschöner Regelmäßigkeit, einmal konnte er Marco Höger nach einem eigenen Ballverlust nur noch per Foul stoppen. Den von Johannes Geis getretenen Freistoß lenkte der abermals starke Frankfurter Schlussmann Lukas Hradecky über die Querlatte (10.). Überhaupt machten die Schalker über die rechte Frankfurter Abwehrseite ordentlich Alarm, Hasebe und Aleksandar Ignjovski konnten ihre Seite nie wirklich abdichten. Eric Maxim Choupo-Mouting düpierte Rechtsverteidiger Ignjovski doch das eine oder andere Mal, auch wenn der Serbe sich nach Kräften wehrte und sich im Laufe der Partie steigerte. Auf der anderen Seite hatte Bastian Oczipka auch Probleme, die Flanken der Gelsenkirchener zu unterbinden. Zumindest war auf Torwart Hradecky Verlass, der Flanken gleich im halben Dutzend locker abfing.

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Und die Eintracht? Die kam anfangs nur schwerfällig nach vorne, wenn, dann war der agile Marc Stendera beteiligt, der sich deutlich verbessert zeigte und das Spiel immer wieder ankurbelte. Nach einer Flanke von Alexander Meier verpasste dann Haris Seferovic in der Mitte (18.), der nur wenige Minuten später am rechten Flügel zu Boden ging – ohne Fremdeinwirkung des Gegners brach er einen Sprint ab und fasste sich an die Rückseite des Oberschenkels. Das riecht nach einem Muskelfaserriss. Für Seferovic ging es nicht weiter. Für den Schweizer kam Stefan Aigner.

Nur langsam biss sich die Eintracht in die Partie, vielleicht auch, weil die Schalker ein etwas zu hohes Tempo vorgegeben hatten. Marc Stenderas Schuss ging knapp am Pfosten vorbei (28.), und nach einem resoluten Ballgewinn von Marco Russ und einem Zuspiel von Hasebe kam Alex Meier in vielversprechender Position an den Ball, doch er brachte keinen Druck auf die Kugel, SO4-Schlussmann Ralf Fährmann hatte keine Mühe (42.).

Im zweiten Abschnitt stellte Armin Veh auf ein 4-2-3-1 um, beorderte Hasebe neben Stefan Reinartz als zweiten „Sechser“, zog Aigner nach rechts und den schwachen Luc Castaignos nach links. Stendera versuchte sich hinter den Spitzen und Meier alleine vorne in der Spitze.
Die neue Ausrichtung brachte den Gästen mehr Stabilität, die Schalker kamen lange nicht mehr so oft vor den Kasten der Eintracht, die ihrerseits einige vielversprechende Kontersituationen hatte. Insgesamt wirkten die Hessen nun deutlich wacher und präsenter, auch entschlossener in den Zweikämpfen. Die Frankfurter näherten sich dem Schalker Tor immer häufiger, auch wenn der letzte Ball dann und wann noch zu hektisch gespielt wurde.

Hasebe, im zweiten Abschnitt ebenfalls verbessert, verfehlte das Gehäuse mit einem Schuss aus 18 Metern nur knapp (62.), und dann hätte der zuletzt so arg frustrierte Stefan Aigner der Held des Abends werden können. Doch der Rechtsaußen vergab nach einem schönen Zuspiel von Castaignos die große Chance zur Führung: Aigner setzte den Ball, alleine auf Fährmann zustrebend, Zentimeter am Pfosten vorbei (67.).

Und dann kam das, was vielleicht nicht kommen musste, was auch nicht wirklich in der Luft lag, aber oft so geschieht: Die Schalker schlugen eiskalt zurück. Nach einem Eckstoß köpfte Joel Matip den Ball ins Eintracht-Tor (76.). Marco Russ hatte den Schalker Verteidiger aus den Augen verloren und war ein wenig weggerutscht.

Die Eintracht aber gab sich nicht geschlagen, antwortete mit wütenden Angriffen: Aigner per Kopf (81.) und Stendera mit rechts (82.) scheiterten. Und Alexander Meier vergab die größte Chance: Er brachte die Kugel aus kürzester Distanz nicht im Tor unter (82.), Matip rettete auf der Linie. Und in der 91. Minute machte Sane alles klar.

Vorstandschef Heribert Bruchhagen ärgerte sich hinterher: „Schade, wir haben phasenweise sehr gut gespielt und waren drauf und dran, den Ausgleich zu erzielen. Das Spiel stand lange auf Messer Schneide. Wir sind auch an Fährmann gescheitert. Die Leistung sehr ordentlich.“

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