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Marco Russ, Caio und Selim Teber (von links nach rechts) niedergeschlagen nach dem Spiel gegen Köln (30.01.2010).
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Marco Russ, Caio und Selim Teber (von links nach rechts) niedergeschlagen nach dem Spiel gegen Köln (30.01.2010).

Eintracht-Kolumne

Zu spät aufgewacht

Die Eintracht muss die erste Niederlage nach sechs Spielen hinnehmen. Halil Altintop gab ein unglückliches Debüt, und, schlimmer noch: Ümit Korkmaz droht länger auszufallen. Von Ingo Durstewitz und Jan Christian Müller

Von Ingo Durstewitz und Jan Christian Müller

Ganz zum Schluss flog der knallrote Fußball dann im dichten Frankfurter Schneetreiben fast im Minutentakt in den Kölner Strafraum. Selim Teber, Alex Meier, Halil Altintop, Alex Meier, Caio, Alex Meier - es brannte lichterloh, doch der Ball wollte einfach nicht über die Linie, mal warfen sich die Kölner mutig in die Schussbahn, mal parierte Torwart Faryd Mondragon, mal irritierte der eigene Mitspieler, mal zischte die Kugel über die Latte.

Und dann kam das, was so oft kommt im Fußball: Petit feuerte einen Freistoß scharf in die Mitte, Eintracht-Manndecker Marco Russ warf sich wagemutig und per Flugkopfball hinein - und der Ball landete punktgenau im Eintracht-Netz. 2:1 für den 1. FC Köln, sechs Minuten vor Schluss. Es war die Entscheidung. "Es hat stark geschneit, der Ball geflattert, er rutscht mir über den Kopf, und dann war er drin." So fasste Pechvogel Russ die unheilvollen Sekunden zusammen. Was ihm da durch den Kopf gegangen sei? "Scheiße gelaufen", antwortete er, so direkt es ging.

Die Eintracht musste letztlich die erste Niederlage nach sechs ungeschlagenen Spielen hinnehmen, es war eine unnötige, ja unverdiente Niederlage. "Wir hätten einen Punkt mehr als verdient gehabt, aber wir haben zu schlecht abgeschlossen", haderte Trainer Michael Skibbe. "Wir hatten zum Schluss so viele Chancen wie schon lange nicht mehr." Nutzen sollte es nichts. Der Eintracht-Coach wollte sich allerdings nicht lange aufhalten mit dem missglückten Heimauftritt. "Jetzt müssen wir sehen, dass wir verlorenen Boden wieder gut machen." Das wird nicht so leicht, nächsten Sonntag geht es zu Borussia Dortmund.

Die Eintracht ist am Samstag vor allem deshalb bitter bestraft worden, weil sie quasi eine Stunde komplett verschlafen hatte. Erst nach dem Rückstand durch ein Tor von Maniche (59.), das ebenfalls Marco Russ durch einen Stellungsfehler einleitete, wurde es besser. Russ räumte sein Fehlverhalten löblicherweise auch ein: "Wenn der Spieler da so frei steht, kann es ja nur mein Fehler gewesen sein." Die Hessen taten sich zuvor unglaublich schwer gegen die geschickt und massiert verteidigenden Kölner, die sich sehr gekonnt verschoben und den Platzherren gar keinen Raum ließen. Das Spiel der Eintracht war auch viel zu bewegungsarm, viel zu schleppend und berechenbar. "Uns fehlte Schnelligkeit und Geradlinigkeit im Mittelfeld", monierte Skibbe. Da hatte er durchaus Recht.

Der Plan war natürlich ein anderer: Der Trainer wollte die spielerische Komponente stärken, weshalb er ein offensives Mittelfeld aufbot. Teber gab den einzigen Sechser, davor tummelten sich Patrick Ochs, Alex Meier, Nikos Liberopoulos und Benjamin Köhler. Sie sollten im Verbund den Ausfall von Pirmin Schwegler (doppelten Bänderriss im Knöchel) kompensieren. Stratege Schwegler gilt als der mit Abstand wichtigste Spieler im Eintracht-Ensemble. "Seinen Ausfall konnten wir nicht wegstecken", analysierte Klubchef Heribert Bruchhagen.

In vorderster Linie verdingte sich Neuzugang Halil Altintop als Alleinunterhalter, er war sehr bemüht und viel unterwegs, aber sein Einstand war doch ziemlich unglücklich, "durchwachsen", wie Bruchhagen fand. Die Abstimmungsschwierigkeiten waren offensichtlich, mitunter wirkte er wie ein Fremdkörper da vorne. Das darf nicht verwundern, das Spiel kann noch gar nicht mit ihm abgestimmt sein. Altintop sah es ähnlich, er erklärte sein mittelmäßiges Debüt auch nicht mit fehlender Spielpraxis. "Das hat eher damit zu tun, dass ich erst zwei Tage mit der Mannschaft trainiert habe." Je länger aber die Partie dauerte, "desto besser bin ich ins Spiel gekommen". Das wiederum lag daran, dass die Eintracht dann, nach dem Rückstand, endlich aufwachte und "sich mit Herzblut zurückkämpfte", wie Bruchhagen urteilte. Auch Skibbe war der Meinung, dass das Spiel "dann mächtig Fahrt aufgenommen hat".

Die Eintracht rannte wild an, auf einmal mit Feuer und Biss. Eine gewisse Aggressivität kam zudem ins Spiel, als der Kölner Neuzugang Zoran Tosic beim Kopfballduell dem Sekunden zuvor einwechselten Ümit Korkmaz mit dem Ellenbogen im Gesicht traf. Korkmaz brach benommen zusammen, er spielte aber weiter. Aber hinterher sah er nicht gut aus, der Österreicher. "Sein Gesicht war mächtig eingefallen", sagte Skibbe. "Das sah nicht gut aus."

Korkmaz wurde direkt ins Krankenhaus zum Röntgen gefahren, es besteht der Verdacht auf Jochbeinbruch. "Das ist ganz bitter", befand der Trainer und kritisierte den Unparteiischen Peter Sippel: "Der Schiedsrichter hat die Gelbe Karte gezeigt - es war die falsche Karte." Er sprach den Serben Tosic davon frei, absichtlich eine Verletzung des Kontrahenten in Kauf genommen zu haben. "Das ist bei kleinen Spielern ein Selbstschutz für fehlende Klasse im Kopfballspiel", sagte Skibbe. "Aber die Aktion war schon sehr hart. So etwas will man nicht sehen." Korkmaz spielte aber weiter, anfangs sogar richtig gut, da sorgte er für Wirbel und neuen Dampf. Die Eintracht kam nach einer Ecke von Ochs, einem wuchtigen Kopfball des verbesserten Caio und einem verunglückten Nachschuss von Maik Franz dann zum Ausgleich. Chris hämmerte den Ball nach den beiden erfolglosen Versuchen der Mitspieler ins Netz (76.). Der Siegtreffer fiel dann auch noch, allerdings auf der anderen Seite. Das hätte man nicht mehr geglaubt.

Die vielleicht rührendste Szene hatte es jedoch kurz vor dem Anpfiff gegeben. Da war Christoph Preuß, der am Donnerstag wegen seines dritten Knorpelschadens seine Karriere beenden musste, vor die Fankurve getreten, hatte ein paar warme Worte verloren und dann die Mannschaftsaufstellung verlesen. "Christoph, unsere Herzen bluten mit dir", hatten die Treuen auf ein Transparent gemalt. Es gibt wichtigeres als eine 1:2-Niederlage gegen Köln und eine gerissene Erfolgsserie.

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