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Sieg der Eintracht in Magdeburg – Erstaunlich souverän

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Von: Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt

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Die Hände zum Himmel, komm lasst uns fröhlich sein: Eintracht-Jubel nach Jesper Lindströms 2:0.
Die Hände zum Himmel, komm lasst uns fröhlich sein: Eintracht-Jubel nach Jesper Lindströms 2:0. © dpa

Angetrieben von einem starken Mario Götze zieht die Eintracht mit einem ungefährdeten 4:0 in die zweite Runde des DFB-Pokals ein.

Magdeburg – So richtig wusste Markus Krösche den Leistungsstand seiner Eintracht-Mannschaft auch kurz vor dem einsetzenden Ernstfall nicht einzuschätzen. Klar, die Vorbereitung sei vernünftig gewesen, aber er, der Frankfurter Sportvorstand, halte ja eigentlich nicht viel von Vorbereitung. „Wir müssen es auf den Platz bringen, fokussiert und wach sein.“ Schließlich sei der DFB-Pokal, klare Sache, „extrem wichtig für uns.“ Sie haben es beim Zweitligaaufsteiger 1. FC Magdeburg dann relativ schnell auf den Platz gebracht, die Europapokalsieger aus dem Hessischen. Nach vier Minuten stand es 1:0, Torschütze Daichi Kamada, nach sieben Minute durfte Kevin Trapp, der überragende Torwart, mal wieder einen Elfer parieren, schwach getreten von Andreas Müller. Ganz schön was los im Magdeburger Tollhaus.

Und anschließend zeigte die Eintracht einen Auftritt, der nicht spektakulär oder atemberaubend war, aber bemerkenswert cool und abgebrüht, am Ende hieß es 4:0 (2:0). Hochverdient. „Hier 4:0 gewinnen in dem Hexenkessel, das war eine tollte Leistung“, sagte Trainer Oliver Glasner.

Eintracht Frankfurt gegen 1. FC Magdeburg: Ein Klassenunterschied – auf dem Papier und dem Rasen

Auf dem Papier stand ein Klassenunterschied – auf dem Rasen ebenfalls. Die Gäste zeigten dem frechen Neuling zumindest im ersten Abschnitt die Grenzen auf, spielten ihre spielerische, taktische und physische Überlegenheit locker aus. Allen voran, man lese und staune: Mario Götze, der hochdekorierte Starspieler, der sich in der Vorbereitung noch vornehm zurückgehalten hatte. Am Montagabend nicht. „Er muss nichts Außergewöhnliches machen, er soll nur Spaß am Fußball haben und unser Spiel prägen“, sagte Trainer Oliver Glasner. Gesagt, getan.

Klassenbuch

Eintracht-Spieler in der Einzelkritik

Vor der frühen Führung hatte der einstige Nationalspieler die Füße am Ball, geschickt ließ er sich fallen und schickte dann Filip Kostic mit einem kleinen Lupfer auf die Reise: Der Serbe trat an, wie immer, passte nach Innen, wo der etwas zurückgezogen, aber stark aufspielende Daichi Kamada zum 1:0 einschoss. Ein Tor wie aus dem Bilderbuch, und eines, das die Eintracht schon am Fließband erzielt hat. Ein Treffer, der den mutigen Magdeburgern den Stecker ziehen und den Hexenkessel beruhigen sollte? Erst einmal nicht.

Das lag in erster Linie an Stürmer Rafael Borré, der den Ball vertändelte, und in zweiter Linie an Abwehrchef Tuta, der unmotiviert grätschte und Gegenspieler Leonardo Scienza im Sechzehner zu Fall brachte. Den fälligen Strafstoß parierte Trapp, weil dem Schützen Müller doch arg das Füßchen zitterte – und der Nachschuss des gebürtigen Hanauers Leon Bell Bell zischte an die Oberkante der Latte (7.). Das wäre das Comeback für den FCM gewesen. So war es ein zweiter Nackenschlag in der Anfangsphase.

Eintracht Frankfurt: Überfallartige Angriffe

Nach einer guten Viertelstunde zogen die Frankfurter, vor Jahresfrist in Mannheim blamabel aus dem Pokal geflogen, das Spiel an sich, auf durchaus beeindruckende Art und Weise. Das Offensivspiel war total variabel, ständig wurde rochiert und die Positionen getauscht, dem Spielfluss und den schnellen, überfallartigen Angriffen hatten die Platzherren wenig entgegenzusetzen. Die Eintracht wollte unberechenbarer werden, das hat sie zumindest am Montagabend geschafft – auch wenn der frische Zweitligist ja nur bedingt als Maßstab taugen kann, und doch muss man erst einmal so souverän in die nächste Runde einziehen. Satt sah das jedenfalls nicht aus, eher topmotiviert und extrem hungrig.

Mario Götze bestach durch viele kleine, kluge Aktionen, sehr ballsicher, spielstark und intelligent, Daichia Kamada spielte so gut wie keinen Fehlpass, im Halbraum sprintete sich Jesper Lindström die Lunge aus dem Leib, rechts legte Ansgar Knauff immer wieder den Turbo ein. Das sah schon sehr überzeugend, planvoll und klar strukturiert aus.

Nach einer guten halben Stunde war dann der Deckel drauf auf der Partie, erneut war es Götze, der den Treffer einleitete, nach seinem perfekt getimten Pass in die Tiefe auf Knauff verbaselte dieser zwar die Chance, doch im Nachschuss war der flinke Lindström erfolgreich. Aus der Distanz jagte er die Kugel ins Netz (32.). Was gar nicht so bekannt ist: Der Däne hat eine ganz hervorragende Schusstechnik. Quasi mit dem Pausenpfiff hätte Knauff fast schon alles wasserdicht gemacht, doch sein Schuss ging an die Latte.

Der zweite Durchgang begann erst einmal gar nicht, einige unbelehrbare Frankfurter Fans zündelten im Block, schossen Leuchtraketen aufs Feld und vernebelten das Stadion. Später flogen noch welche in die Ränge der Magdeburger Fans. Eine ätzende Unart, gefährlich obendrein. Als es weiterging, hatten die Gastgeber eine ganz gute Phase, auch eine passable Chance, doch die Eintracht blieb immer Herr der Lage. Lindström zwang den gerade eingewechselten Tatsuya Ito zum Ballverlust, Rafael Borré legte auf Kamada, der so frei war und sehr überlegt zum 3:0 einschoss (59.).

Und dann, ganz zum Schluss, durfte auch die beiden eingewechselten Neuzugänge noch ihren Teil zum ungefährdeten Erfolg beitragen: Randal Kolo Muani tanzte Torwart Dominik Reimann aus, passte nach Innen zu Lucas Alario, der den 4:0-Endstand herstellte (90.). Runde Sache, so alles in allem. (Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt)

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