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Zuweilen unüberwindbar. Zuletzt ragte Defensivstratege Chris im Eintracht-Ensemble heraus.
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Zuweilen unüberwindbar. Zuletzt ragte Defensivstratege Chris im Eintracht-Ensemble heraus.

Familienvater Chris

Auf der Sonnenseite

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der junge Familienvater Chris Maicon Hening schläft zwar wenig, doch auf dem Platz ist er so wertvoll wie nie zuvor.

Die Nächte sind kurz, unruhig, auch anstrengend. So, wie Nächte eben sind, wenn der Nachwuchs gerade einmal ein paar Wochen jung ist. Chris Maicon Hening kann ein Lied davon singen. Seine Augen sind klein morgens, da fühlt sich der Eintracht-Profi manches Mal wie gerädert. Aber er kann es nicht ändern, er schreckt auf aus dem Schlaf, jedes Mal, wenn sich der kleine Stammhalter Enzo Maicon auch nur ein bisschen umherwälzt. "Bei jedem Geräusch werde ich wach", erzählt Chris. "Ich muss dann sofort gucken, ob alles in Ordnung ist. Ich habe immer solche Angst um ihn." Die Zeit im Trainingslager in der Türkei in der vergangenen Woche hat er genossen, "da konnte ich endlich mal ausschlafen", sagt er und lacht. Zurück in Deutschland war es damit vorbei, in der Nacht zum Donnerstag haben Chris und seine Frau Bianca nicht eine Minute geschlafen, weil sich der kleine Enzo fortwährend übergeben musste. Am Morgen fuhr Chris mit seinem Sohnemann zum Arzt, das Vormittagstraining fand ohne hin statt.

Er arbeitet hart an sich und seinem Körper. Unversehrtheit ist für ihn das höchste Gut

Chris, das kann man folgern, ist trotz Schlafdefizit und den üblichen Kinderkrankheiten ein rundum glücklicher Mann, einer, der zurzeit auf der Sonnenseite des Lebens wandelt. Sein privates Glück ist perfekt, und auch im Berufsleben könnte es viel besser nicht laufen. Der Brasilianer, mittlerweile auch schon 31, ist endlich mal fast verletzungsfrei durch die Halbserie gekommen, in 16 Bundesligaspielen stand er auf dem Platz. Das ist für ihn fast schon rekordverdächtig. "Ich bin zufrieden, ich bin fit, nicht verletzt, alles ist bestens", sagt er.

Er überlässt nichts dem Zufall, arbeitet hart an sich und seinem Körper. Unversehrtheit ist für ihn das höchste Gut. Eine Stunde vor dem offiziellen Trainingsbeginn absolviert Chris schon seine Kräftigungsübungen, für den Rücken, den Bauch, die Oberschenkel. Er ist ein gebranntes Kind. Chris ist extrem verletzungsanfällig, von 187 möglichen Bundesligaspielen für die Eintracht hat er nur 105 bestritten.

Immer und immer wieder warfen ihn Blessuren aus der Bahn, vor allen Dingen der Rücken bereitet Sorgen. Im Mai 2006 wurde er an der Bandscheibe operiert, diese Zeit des Leidens will er nie wieder erleben. "Das war fürchterlich, die schlimmste Verletzung, die es gibt." Nach dem schweren Eingriff habe er lange Zeit nicht mal alleine zur Toilette gehen können. "Ich konnte gar nichts, hatte unheimliche Schmerzen." Als es wieder besser ging, wurde er von Ungeduld übermannt, stieg zu früh wieder ein und musste einen Rückschlag verkraften. Mehr als ein halbes Jahr war er außer Gefecht gesetzt. Eine verdammt lange Zeit für einen Profisportler.

Dabei lebt Chris hochprofessionell, nicht erst seit der schwerwiegenden Rückengeschichte. Schon in jungen Jahren, seit er 18 ist, schob er Sonderschichten, trimmte seinen Körper, machte ihn tauglich für den Hochleistungssport. "Ich war früher viel zu dünn", sagt er. "Als junger Kerl hatte ich 73 Kilo, jetzt habe ich zehn Kilo mehr." Er versuche, sich "in allen Bereichen zu verbessern", im Spiel mache eine optimale Vorbereitung eine ganze Menge aus, "15 Prozent bringt mir das", glaubt er.

Chris spielt bisher eine gute Runde, zuletzt ragte er gar er heraus im Eintracht-Ensemble. Da war er nicht selten der Turm in der Schlacht, ohnehin spielt er konstanter, seit er hinten drin seinen Dienst verrichtet, hinten in der Innenverteidigung. Der Defensiv-Allrounder spielt eigentlich lieber im defensiven Mittelfeld, das hat er in der Vergangenheit mehrfach geäußert, doch mittlerweile sagt er nur: "Der Trainer kann immer mit mir rechnen. Egal, wo. Ich spiele da, wo ich der Mannschaft am besten helfen kann." Das wird auch in der Rückrunde in der Abwehr sein.

Chris, der beste Kopfballspieler der Eintracht und auch einer der besten in der gesamten Bundesliga, ist immer dann besonders wertvoll, wenn er hochkonzentriert und voll bei der Sache ist, dann ist er fast unüberwindbar. Denn Chris kennt keine Angst, er wirft sich furchtlos in die Zweikämpfe, schont weder sich noch den Gegner. "Er ist unser härtester Spieler", sagt Vorstandschef Heribert Bruchhagen anerkennend. Nur wenn sich der Schlendrian einschleicht, verliert Chris an Leistungsvermögen, dann neigt er zu Leichtsinnsfehlern.

Für Trainer Michael Skibbe ist er der wichtigste Spieler, "er ist unersetzlich, seine Qualität hat er eindrucksvoll gezeigt". Das sieht auch Heribert Bruchhagen so. Er hat den Vertrag des Brasilianers im vergangenen Jahr verlängert und die Bezüge erheblich angehoben. Mit Ioannis Amanatidis gehört Chris seitdem zu den Profis, die am besten entlohnt werden. Chris freut sich über seine Wertschätzung, die lobenden Worte des Trainers gehen runter wie Öl, "es ist das Beste, so etwas zu hören, das macht mich stolz, das gibt mir Kraft und Selbstvertrauen", befindet er.

Und Chris, seit 2003 in Frankfurt, denkt schon länger ans große Ganze, er übernimmt Verantwortung, führt die Mannschaft, rüttelt sie auf, und er will seine Erfahrung weitergeben. "Ich versuche immer, den jungen Spielern zu helfen." Chris, der stolze Familienvater, ist reifer geworden. Reifer und besser.

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