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Anführer unter sich: Marco Russ debattiert
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Anführer unter sich: Marco Russ debattiert

Marco Russ

Der mit dem Sonderstatus

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Marco Russ kehrt in Windeseile auf einen zentralen Platz im wankelmütigen Ensemble zurück und zählt in Bremen zu den Besseren. Bei Carlos Zambrano wiederum vermisst Thomas Schaaf den „Rhythmus“.

Vielleicht war das die gute Botschaft einer ziemlich frustrierenden Dienstreise in die norddeutsche Tiefebene. „Mein Knie hat gehalten“, berichtete Marco Russ, „darüber bin ich sehr froh.“ Selbstverständlich ist das ja nicht bei der Eintracht, deren Schaffenskrise eben auch mit einigen Verletzten zusammenhängt. Auf der Liste der angeschlagenen Spieler wurde bis vor einer Woche auch der Defensivallrounder mit den hessischen Wurzeln geführt, der zwar nicht per Wunderheilung, aber doch in Windeseile auf den Rasen zurückgekehrt ist.

Und bereits in Bremen sein 90-minütiges Bundesliga-Comeback gab. Zur Erinnerung: Bei der Partie am 8. März in Köln (2:4) zog sich der 29-Jährige eine Meniskusverletzung und eine Ruptur einer Baker-Zyste zu – die Operation war unumgänglich. Dabei wurde durch den von Mannschaftsarzt Wulf Schwietzer vorgenommenen Eingriff zudem ein freies Knorpelfragment entfernt – so stand es in der am 11. März versandten Pressemeldung. Ausfallzeit: Sechs Wochen bei optimalem Heilungsverlauf, doch Sportdirektor Bruno Hübner sagte damals: „Ich denke, dass es für diese Saison gelaufen ist.“

Noch nicht bei 100 Prozent

Typischer Fall von Trugschluss. „Ich habe mit dem Trainer gesprochen, dass ich zur Verfügung stehe“, sagte Russ nun, der nach nicht einmal einer Handvoll Trainingseinheiten den Wettkampfbetrieb aufnahm. Sonntag vor einer Woche mit den Reservisten üben, eine Halbzeit beim Freundschaftsspiel gegen den Verbandsligisten 1. FCA 04 Darmstadt mitwirken, Mittwoch bis Freitag trainieren – das war der Fahrplan im Schnelldurchlauf. „Ich bin zufrieden, ich kann noch nicht bei 100 Prozent sein“, erklärte die Frankfurter Nummer vier.

Für ihn drückte Carlos Zambrano die Bank. Warum? Thomas Schaaf, der am Donnerstag in der Pressekonferenz bereits deutliche Hinweise pro Russ gegeben hatte, hob die Augenbrauen: Die Nachfrage verstehe er nicht. Der Trainer: „Er hat nicht seinen Rhythmus.“ Der Verzicht auf den furchteinflößenden Peruaner hat viele überrascht. Russ aber erhielt ein Sonderlob. „Er war präsent, er war aktiv – er hat gut gespielt“, lautete Schaafs Urteil. Der 54-Jährige hatte mit der Nominierung des 1,90 Meter großen Recken auf die Kopfballstärke des Bremer Angriffsduos reagieren wollen – Werders Stürmer Franco di Santo (1,93 Meter) und Davie Selke (1,92 Meter) haben wahrlich Qualitäten im Luftkampf. Dass Talent Selke dann aber Brust und Schulter benutzte, um Werders Siegtreffer anzubringen – dafür konnte auch Russ nichts.

Selbstkritisch merkte er indes an, dass die Frankfurter in der wirren Viertelstunde nach der Pause „um den Rückstand gebettelt“ hätten. Wortführer Russ war ohnehin einer der wenigen, der im Weserstadion Rede und Antwort stand.

Dass beim Comeback in einer Partie mit „viel Hektik und wenig Spielfluss“ (Russ) aus persönlicher Sicht nicht alles rund bei ihm lief, verstand sich fast von selbst: In nicht allen seiner Zweikämpfe (47 Prozent gewonnen) stellte er sich geschickt an, von 29 Pässen und Schlägen landete zwölf beim Gegner. Das sind verbesserungsfähige Werte.

Der am Oberkörper umfassend tätowierte Russ hatte nur 45 Ballkontakte, lief lediglich 9,6 Kilometer – auch da gibt es Luft nach oben. Dass er seinen Platz in der Anfangself in den finalen drei Spielen räumen muss, davon ist trotzdem nicht auszugehen. Für Schaaf ist der auch im defensiven Mittelfeld verwendbare Russ eine wichtige, vielleicht sogar die wichtigste Vertrauens- und Bezugsperson, zumal der Stabilisator mit der kräftigen Stimme viele Kommandos an die Mitspieler gibt.

Der Profi, der sich in der Hinrunde bei einer Wutrede überflüssigerweise mit der bis heute tief getroffenen Eintracht-Legende Jürgen Grabowski angelegt hat („Es bringt nichts, wenn so ein Vollexperte wie Grabowski, der 1920 Fußball gespielt hat, sein Maul aufmacht“), besitzt bei Schaaf einen Sonderstatus. Der bereits im Kindesalter mit dem Adlertrikot aufgelaufene Russ ist einer der so genannten „Immerspieler“ – so wie es früher in einer fast vergessenen Zeit mal Johannes Flum unter Vorgänger Armin Veh gewesen ist.

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