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Es hat eine Weile gedauert, am Montag platzt Heribert Bruchhagen (rechts) der Kragen. Die ständige und jüngste Kritik von Trainer Michael Skibbe nervt den Eintracht-Vorstandschef.
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Es hat eine Weile gedauert, am Montag platzt Heribert Bruchhagen (rechts) der Kragen. Die ständige und jüngste Kritik von Trainer Michael Skibbe nervt den Eintracht-Vorstandschef.

Bruchhagen: "Das nervt!"

Für Skibbe wird die Luft dünner

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Es hat eine Weile gedauert, jetzt platzt Heribert Bruchhagen der Kragen. Die ständige und jüngste Kritik von Michael Skibbe nervt den Eintracht-Vorstandschef. Der Trainer muss zum Rapport und vielleicht sogar gehen. Von Ingo Durstewitz

Am Tag nach der Abrechnung mit seinem Arbeitgeber ist Michael Skibbe fernmündlich zum Rapport einbestellt worden. Fast schon erwartungsgemäß. Am Dienstag während der Vorstandssitzung wird sich der Trainer des Bundesligisten Eintracht Frankfurt um die Mittagszeit erklären müssen. Die Verantwortlichen sind stinksauer auf den 44-Jährigen, der an diesem denkwürdigen Sonntag mal wieder zur Attacke blies, die Stagnation und die fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten des Klubs anprangerte.

Skibbe ging die Vereinsführung in der Vergangenheit schon vier-, fünfmal frontal an, immer mit mächtig Getöse, vornehmlich über die Öffentlichkeit. Nach FR-Informationen ist der Fußballlehrer deshalb bereits zweimal abgemahnt worden, nun droht ihm noch mehr Ungemach. Für Michael Skibbe wird die Luft dünner. Es ist sogar nicht mehr völlig auszuschließen, dass Eintracht Frankfurt seinen leitenden Angestellten freistellt - wenige Tage vor dem Rückrundenauftakt gegen Werder Bremen.

Vorstandsboss Heribert Bruchhagen reagiert zunehmend ungehalten auf die steten Vorstöße seines leitenden Angestellten.

"Ich habe kein Verständnis für seine provokanten Äußerungen, die er immer wieder in der Öffentlichkeit macht. Das nervt", sagte er. "Ich bin es in 21 Jahren Bundesliga nicht gewohnt, plötzlich Druck von innen zu bekommen. Bei seinem Amtsantritt war dem Trainer klar, wie ich die Geschäfte führe, für die ich die Verantwortung trage. Meine Richtlinien bei der Sparpolitik haben sich nicht geändert", betonte Bruchhagen.

Der Trainer ruderte am Montag vor dem Abflug aus der Türkei in die Heimat ein wenig zurück. "Ich habe es nicht so empfunden, dass ich das System Eintracht Frankfurt hart kritisiert habe", sagte er. "Ich habe nur die sportliche Situation dargelegt und den Leistungsstand, wie ich ihn zurzeit gerade sehe." Er gehe ohne besondere Erwartungen" in die Unterredung, "wir werden halt ein Gespräch führen", sagte er lapidar. Skibbe stellte aber auch klar: "Ich werde meinen Standpunkt noch mal deutlich machen."

"Ich habe einen Vertrag, und den möchte ich schon erfüllen"

Seinen Standpunkt legte er am Sonntag im Gespräch mit Frankfurter Medien sehr nachhaltig dar: "Eintracht Frankfurt ist nicht in der Lage, sich weiterzuentwickeln. Perspektivisch wird der Verein nicht vorankommen. Es ist keine Entwicklung mehr möglich. Der Substanzverlust ist zu groß, um dauerhaft erfolgreich Fußball zu spielen", polterte er. "Auch in der kommenden Saison wird es nicht besser." Am Sonntag drohte er nicht mal versteckt mit Rücktritt im Sommer, am Montag sagte er dazu: "Ich habe einen Vertrag, und den möchte ich schon erfüllen."

Das kann man glauben, muss es aber nicht. Zudem: Der ausgehandelte Kontrakt ist mitnichten, wie bei Skibbes Vorstellung im Sommer 2009 von der Vereinsführung kommuniziert, bis 2011 datiert. Das Arbeitspapier enthält eine Klausel, wonach die Zusammenarbeit nur dann bis 2011 ausgedehnt würde, wenn Skibbe mit der Mannschaft 40 Punkte holt. Wenn nicht, ist im Juni ohnehin Schluss. Vielleicht schon vorher?

Bruchhagen ballte ob der Angriffe in der Vergangenheit schon häufig die Faust in der Tasche, er versuchte mühsam, den tanzenden Deckel auf dem Topf zu halten. Mit einer medienwirksamen Replik hielt er sich stets zurück, eine Schlammschlacht auf offener Bühne wollte er vermeiden. Intern wurde dem Trainer allerdings häufiger der Kopf gewaschen. Bruchhagen versuchte des Öfteren, den Coach einzubremsen, er bimste ihm ein, dass Kritik ausschließlich intern und hinter verschlossenen Türen zu äußern sei. Erfolglos.

Skibbe ist nicht einzufangen, er ist unberechenbar. Wer anfangs dachte, da komme ein blasser Abnicker, der irrt. Er hat alle überrascht und sein eigenes Profil geschärft. Am Sonntag ließ er einen bemerkenswerten Satz fallen: "Eintracht Frankfurt hat sich eine schwere Aufgabe gestellt, als sie mich als Trainer geholt haben." Da steckt eine Menge Wahrheit drin.

Mehr ist nicht drin. Das weiß er

Die Frage ist natürlich, was Skibbe mit seinen gezielten Vorstößen bezweckt? Er will aufrütteln, den starren Klub bewegen. Ansonsten werde es bergab gehen mit der Eintracht. Perspektivisch gesehen, glaubt Skibbe, werde der Verein eher nach unten durchgereicht als ein paar Schritte nach oben zu kommen. Das ist mit Skibbe nicht zu machen. Dafür ist er zu ambitioniert.

Es gehört nicht viel dazu, um zu erahnen, dass Skibbe seinen Abschied im Sommer vorbereiten will. Auf Frankfurt hat er jedenfalls keine große Lust mehr. Auf die Klubführung schon gar nicht. Und seine Position ist nicht schlecht, er hat gute Arbeit geleistet in Frankfurt, er hat - im Rahmen der Möglichkeiten - für besseren Fußball gesorgt und aus dieser limitierten Mannschaft das Maximum rausgeholt. Das ist aller Ehren wert. Doch mehr ist nicht drin. Das weiß er.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Eintracht in der Rückrunde keine 24 Punkte mehr holen wird, ist recht hoch. Vielleicht will Skibbe auch vorbauen, weil er ahnt, dass sein Team in der Rückrunde einbrechen wird. Dann hätte er es zumindest vorher gewusst.

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