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Mit Köpfchen, aber ohne Chance: Branimir Hrgota kann nur im Training oder in Freundschaftsspielen zeigen, was er kann.

Branimir Hrgota

Der Sitzenbleiber

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Stürmer Branimir Hrgota schaut Spiele von Eintracht Frankfurt nur von der Tribüne aus.

Den Spaß an seinem Beruf lässt sich Branimir Hrgota offenbar nicht nehmen. Am Montag bekam das sogar Christian Peintinger, Co-Trainer von Eintracht Frankfurt, zu spüren. Der sympathische Österreicher mit dem über den Bauch spannenden Trainingsshirt versuchte da, dem kickenden Personal die Abfolge einer Passübung näher zu bringen. Peintinger visierte also den knapp zehn Meter entfernt stehenden Hrgota an, trat gegen das Kunstleder und verfehlte den Schweden derart weit, dass dieser seinen Lacher nicht unterdrücken konnte. „Aufpassen, Brane“, erwiderte Peintinger und schmunzelte zurück. Sollte wohl heißen: Mach‘ es lieber erst mal selbst besser. 

Ein paar Tage zuvor hatte es Branimir Hrgota sogar so gut gemacht, dass dem 25-jährigen Stürmer, der in dieser Saison noch ohne eine einzige Einsatzminute in Pflichtspielen für die Eintracht ist, für einen kurzen Moment die Schlagzeilen gehörten. Acht Tore erzielte Hrgota beim 13:0-Testspielerfolg gegen den Sechstligisten FC Hanau 93, zwei weitere bereitete er vor. Klar, da wollten die Reporter natürlich etwas hören vom Mann des Spiels, wie er das denn so gut ohne jegliche Matchpraxis hinbekommen habe, ob er sich denn auch bald einen Einsatz in der Bundesliga erhoffe, und wie er denn überhaupt seine Zukunft bei der Eintracht sehe. Das Blöde nur, zumindest für die anwesenden Reporter, Hrgota wollte nicht reden. Er schwieg lieber.

Das ist einerseits verständlich, muss man doch so ehrlich sein und feststellen, dass auch in den zurückliegenden Monaten die Einschätzungen des Angreifers kaum jemanden interessiert hatten. Andererseits aber verpasste es der ehemalige schwedische Nationalspieler (immerhin drei Länderspiele), sich mal wieder ein bisschen Profil zu verschaffen, Aufmerksamkeit zu erhaschen, vielleicht sogar öffentlich ein paar Ansprüche anzumelden. 

Denn so sehr Hrgota nach seinen acht Toren für kurze Zeit die Schlagzeilen auch gehörten, so wenig Einsatzchancen hat er weiterhin in den kommenden Wochen. Der Platz des laufstarken, aber torungefährlichen Angreifers wird mit ziemlicher Sicherheit die Tribüne bleiben. Neben den beiden Ersatztorleuten Jan Zimmermann und Felix Wiedwald sowie den Talenten Noel Knothe, Nelson Mandela und Deji Beyreuther ist Hrgota der Spieler im Eintracht-Kader, der im bisherigen Saisonverlauf keine Rolle in den Überlegungen von Trainer Adi Hütter gespielt hat.

Die Konkurrenz im Angriff ist schlicht zu groß. An Ante Rebic, Sebastien Haller, Luka Jovic und auch dem derzeit verletzten Goncalo Paciencia wird Hrgota auch in Zukunft aller Voraussicht nach nicht vorbeikommen. Hütter betont zwar, dass bei ihm jeder Spieler immer eine Chance habe, auch behandelt er Hrgota im Training nicht auffällig anders als dessen Teamkollegen, eine Nominierung für die Bundesliga - für die Europa League ist Hrgota ohnehin nicht gemeldet - käme aber doch äußerst überraschend.

Für Hrgota ist diese fußballerische Bedeutungslosigkeit keine neue Situation. Schon in der vergangenen Saison spielte er nur eine Mini-Rolle. Fünf Kurzeinsätze gönnte ihm der heutige Bayern-Trainer Niko Kovac in der Rückrunde, ein Tor gelang dem 25-Jährigen nicht. „Ich weiß, was ich an Brane habe und lasse ihn nicht gehen – es sei denn, es kommt ein Monster-Angebot, bei dem Eintracht Frankfurt immer überlegen muss“, sagte Kovac im Januar dieses Jahres, nachdem Hrgota in einem Testkick gegen Erzgebirge Aue (3:1) ein Treffer gelungen war. 
„Im Fußball kann es sehr schnell gehen, dass man seinen Platz zurückbekommt. Ich kämpfe und versuche alles, um zu spielen“, war Hrgota damals noch guten Mutes. Doch: Weder ging es schnell noch kam das Monster-Angebot. Hrgota blieb also bei der Eintracht und spielte nur selten. Auch Kovac hatte für ihn keine Verwendung.

Vertrag läuft 2019 aus

Insofern war es nur logisch, dass der Schwede auch in dieser Sommerpause auf der Verkaufsliste der Hessen landete. Nun soll es auch Anfragen aus Hannover und Nürnberg gegeben haben, erfolgreich waren diese letztlich aber nicht. Angeblich, bestätigt ist das nicht, soll der immer ein bisschen zurückhaltend wirkende Stürmer selbst abgelehnt haben. So blieb Hrgota wieder und spielte wieder nicht. Eine Entwicklung, die weder Verein noch Spieler zufrieden stellen dürften.

Nun hat der Schwede, der sich mit seinen 25 Jahren ja gerade im besten Fußballeralter befindet, nur noch bis zum kommenden Sommer Vertrag bei den Frankfurtern. Eine Verlängerung ist nahezu ausgeschlossen, der längst überfällige Vereinswechsel für ihn die einzig sinnvolle Option - vielleicht ja sogar schon in der Winter-Transferperiode.

Argumente, ihn zu verpflichten, hat Hrgota jüngst mit seinem Achterpack jedenfalls endlich mal wieder ein paar geliefert, wenngleich die Kiebitze auf dem Trainingsplatz am Montag auch die andere Seite des Stürmers zu sehen bekamen. Denn kurz nachdem sich Hrgota so ein bisschen über Peintinger lustig gemacht hatte, setzte er selbst einen Zehn-Meter-Pass derart weit daneben, dass der  Co-Trainer die Retourkutsche prompt parat hatte: „So, Brane, bist wohl genauso blind wie ich.“ Peintinger lachte, Hrogta konnte darüber aber nicht so richtig schmunzeln.

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