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Check-in am Flughafen Frankfurt. Ein paar Fotos mit den Fans dürfen auch nicht fehlen.

Eintracht-Trainingslager

"Da sind wir ein Objekt der Begierde"

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Die Eintracht wird erstmals ein Trainingslager in der arabischen Welt zum Teil refinanzieren und hofft weiterhin auf den großen Coup.

Axel Hellmann ist ein kluger Kopf, Finanzchef der Frankfurter Eintracht, Jurist, 43 Jahre alt; er gilt als Modernisierer, nicht als Verwalter des Status quo. Axel Hellmann, erst kürzlich mit einem Vertrag bis 2019 und folglich weitreichenden Kompetenzen ausgestattet, hat konkrete Vorstellungen, wie er die Marke Eintracht voranbringen, wie er sie stärken, interessant, ja sexy machen will. Hellmann hat erkannt, dass der stolze, aber schon lange im Mittelfeld verankerte Klub eine große Chance durch die Vorzüge der Stadt Frankfurt hat. „Nur durch die Internationalität haben wir die größte Wachstumschance, nur so können wir einen größeren Sprung machen“, sagte er vor genau einem Jahr in einem Gespräch mit der FR. Daran hat sich nichts geändert. Die Bankentürme, der Flughafen, das Drehkreuz in ferne Welten – die Eintracht im Herzen von Frankfurt; Frankfurt im Herzen von Europa.

Kontakte in die Arabische Welt

Axel Hellmann, Eintracht-Fan von Kindesbeinen an, hat vor einem Jahr in Julien Zamberk sogar eigens einen hochqualifizierten Mitarbeiter engagiert, „der den Auftrag hat, internationale Kontakte in Partnerschaftsmodelle umzusetzen“, wie der Finanzvorstand erzählt. Es ist einiges auf die Gleise gesetzt, unlängst weilte die sportliche Führung der Eintracht um Trainer Thomas Schaaf und Manager Bruno Hübner in Japan, um dort einen Fuß in die Tür zu bekommen und am asiatischen Markt anzudocken. Und schon seit drei Jahren knüpfen die Frankfurter Kontakte in die Arabische Welt, gestern Abend ist der 45 Mann starke Eintracht-Tross in Abu Dhabi gelandet, zum dritten Mal hintereinander werden sich die Hessen im finanzstarken Emirat auf die Rückrunde der Bundesliga vorbereiten. Mit an Bord ist alles, was Rang und Namen hat: der komplette Vorstand um Heribert Bruchhagen und Hellmann, Aufsichtsratschef Wilhelm Bender und der einflussreiche Netzwerker Philip Holzer, ebenfalls Mitglied des Kontrollgremiums und des Hauptausschusses.

Neben den perfekten sportlichen Bedingungen vor Ort hat die Eintracht in der Vergangenheit alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Kontakte zu knüpfen, Netzwerke zu spinnen, sich bekannt zu machen am Persischen Golf. Und da scheint der Traditionsklub auf einem vielversprechenden Weg. „Vor drei Jahren sind wir so ein bisschen hereingestolpert“, erinnert sich Hellmann. „Wir waren mit den Gegebenheiten nicht so vertraut.“ Das ist jetzt anders. „Wir bieten ein professionelles Programm an.“

Die Präsenz in der Region hat sich bezahlt gemacht, der Finanzboss spricht „von gewachsenen Beziehungen“. In der Tat hat der Bundesligist schon einige Kooperationen geschlossen, mit dem erfolgreichsten Klub, dem neunmaligen Meister Al Ain beispielsweise. Dort, in der Wüste, wird die Eintracht auch ihre beiden Vorbereitungsspiele gegen den HSV und eben Al Ain Club austragen. Womöglich wird die Eintracht, wenn die Oasenstadt auch fußballerisch und infrastrukturell erschlossen ist, ihr Domizil dort aufschlagen. „Das könnte sein“, sagt Hellmann. Doch das ist Zukunftsmusik.

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Neben der Partnerschaft mit dem Fußballverein Al Ain pflegt die Eintracht gute Beziehungen zu der größten Versicherung des Landes, Daman, und dem Tourismus-Verband, zudem ist die in Abu Dhabi bestens verdrahtete BHF-Bank ein wichtiger Partner vor Ort. Alles in allem wird die Eintracht einen Gutteil des nicht gerade preiswerten Trainingslagers refinanzieren können. „Wir werden einen kleinen sechsstelligen Betrag erlösen“, verrät Hellmann. Erstmals. Zum größten Teil auch durch die Antrittsgage für das Privatspiel gegen Al Ain.

Die Eintracht lässt nichts unversucht, um ihren Auftritt vor Ort zu verbessern und zu professionalisieren. Dieses Mal sind beispielsweise eigens Rekordspieler Charly Körbel und Torwart-Ikone Oka Nikolov mitgereist, um mit der Eintracht Frankfurt Fußballschule die Werbetrommel zu rühren und schon die Kinder und Jugendlichen für den Klub aus Deutschland zu begeistern. Da ist ein straffes Programm geschnürt. Vor einigen Wochen waren Armin Kraaz und Alexander Schur vom Leistungszentrum der Eintracht in Abu Dhabi, um die dortigen Trainer für einige Tage zu schulen. Anstrengungen, die sich irgendwann auszahlen sollen.

Die Eintracht ist ein Begriff

Durch die Präsenz in der Finanzmetropole am Golf hat die Eintracht schon einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sie wird wahrgenommen, sicherlich nicht so wie die Bayern, die auch in den Emiraten das Aushängeschild der Bundesliga sind. Aber die Eintracht ist ein Begriff. Und deshalb freut es Hellmann auch, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) den arabischen Markt erschließen will und dort schon mit dem übertragenden TV-Sender einen Abschluss getätigt hat, der ein ungeheueres Volumen haben soll: Die Rede ist von 50 Millionen Euro pro Saison. Und doch ist die Bundesliga im Vergleich zur englischen Liga noch ein kleiner Fisch. „Die Premier League hat hier die dominierende Position“, bekundet Hellmann. Das liegt natürlich in erster Linie am Abu-Dhabi-Klub Manchester City. Doch die Bundesliga ist laut Hellmann auf dem Vormarsch: „Das deutsch-deutsche Champions-League-Finale zwischen Bayern und Dortmund und der Weltmeistertitel haben Deutschland in den Fokus gerückt.“ Die Eintracht segelt im Windschatten ganz gut.

Träume vom großen Coup

Und doch haben die Frankfurter im potenten Wüstenstaat noch nicht den großen Wurf landen, den großen Deal nicht an Land ziehen können. Ob das noch klappt, steht in den Sternen. Doch klar ist, dass die intensiven Kontakte zu Abu Dhabis mächtiger Fluggesellschaft Etihad die heimische Lufthansa auf den Plan gerufen hat, die vor einigen Monaten einen fünf Jahres-Vertrag mit dem Frankfurter Erstligisten abschloss und die Eintracht-Entourage am Dienstag mit einem Airbus auch nach Abu Dhabi brachte. „Unsere Gespräche mit Etihad waren sicher nicht unentscheidend, dass sich die Lufthansa für uns entschieden hat“, sagt Hellmann. Die Träume vom großen Coup im Emirat sind noch nicht ausgeträumt. „Das sind Türen, die man nicht schließen darf“, sagt der Eintracht-Vorstand. „Etihad wird immer ein Gesprächspartner bleiben.“ Die große Fluggesellschaft habe ein „besonderes Interesse an dem Standort Frankfurt“, was freilich weniger mit der Eintracht, sondern eher mit dem Flughafen zu tun hat. „Das macht uns attraktiv, attraktiver als etwa Hamburg, Köln oder auch Bayern München“, führt Hellmann aus. „Da sind wir ein Objekt der Begierde.“

Autor Ingo Durstewitz bloggt aus dem Trainingslager im Eintracht-Blog der FR. Teil 1: Angekommen.

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