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Simon Falette macht wieder von sichh reden.

Eintracht Frankfurt

Simon Falette kämpft sich zurück

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Verteidiger Simon Falette hat sich nach großem Frust nicht unterkriegen lassen und übernimmt nun einen wichtigen Posten.

Es ist nicht besonders lange her, da segelte der rechtschaffene Frankfurter Verteidiger Simon Falette so ziemlich unter dem Radar hindurch. In der Bundesliga kam er, bis zum vergangenen Sonntag, elfmal hintereinander gar nicht zum Einsatz. Oftmals schaffte er es gar nicht in den Kader, irgendwann hieß es, er habe eine Verletzung am Fuß, wirklich Notiz genommen hat davon kaum jemand. Der 26-Jährige spielte nur eine Nebenrolle, war eine Randfigur in diesem furios auftrumpfenden Eintracht-Ensemble. 

Erstmals machte er wieder so ein bisschen von sich reden, als er für die Nationalelf Guineas debütierte und sich prompt für den Afrikacup im kommenden Sommer qualifizierte. Das liegt gut einen Monat zurück. Aber in Frankfurt schien seine Zeit irgendwie schon abgelaufen. 

Doch der Franzose ist einer, der nie aufsteckt. Er ist überdies ein guter Typ, sehr beliebt im Team, eine Stimmungskanone, immer positiv. Er durfte dann mal ran im Europapokalheimspiel gegen Marseille (4:0) und auch vor knapp zehn Tagen in Rom, wo die Hessen ebenfalls gewannen, mit 2:1. Und plötzlich ist dieser Simon Falette ja fast schon gesetzt, er stand seinen Mann beim 2:1-Erfolg gegen Bayer 04 Leverkusen und auch in Mainz beim 2:2 zählte er zur ersten Elf. Er profitierte natürlich von den Ausfällen der Stammkräfte Makoto Hasebe und David Abraham, doch er bekam dessen ungeachtet auch den Vorzug vor Urgestein Marco Russ. 

Simon Falette: Kategorie Eisenbieger

Falette spielt nun zudem auf einer wichtigen Position, bekleidet den Mittelpart der Abwehrkette, ein verantwortungsvoller Job. Er könne links in der Abwehr agieren, sagte er, auch ganz links draußen oder eben in der Mitte, kein Problem. Wo er gebraucht wird, gibt er sein Bestes.   Falette war in den vergangenen Partien oft zur Stelle, wenn es brenzlig wurde, er fuhr den Stürmern in die Parade, natürlich hatte er auch ein paar Wackler im Spiel, aber das ist nur allzu normal und verständlich.

In Mainz hat er sich noch mal gesteigert, klärte ab und an in hoher Not, etwa, als er einen Schuss von Jean-Paul Boetius eine Viertelstunde vor Schluss in höchster Gefahrenlage abblockte. Er spielte dort in der Mitte deutlich abgeklärter und souveräner als der Mexikaner Carlos Salcedo rechts neben ihm. Der 25-Jährige, der mit einem Syndesmosebandriss lange ausfiel und sich offenbar erst wieder einfinden muss, entpuppte sich in Mainz fast schon als Sicherheitsrisiko, bei beiden Gegentreffern sah „El Titan“, der Titan, nicht besonders gut aus, griff viel zu zögerlich ein. 

Falette indes erledigt seine Aufgabe ganz anders als der Japaner Hasebe, das liegt in der Natur der Sache, denn Hasebe ist ein strategisch ausgerichteter Vollblutfußballer, der Kopf der Mannschaft. Falette gehört eher der Kategorie Eisenbieger an, was ganz und gar nicht abwertend gemeint ist. Der Franzose erledigt seine Arbeit hart und unerbittlich. Als verkappter Libero, sagt er, habe er „viel mehr Ballkontakte“, es gehe darum, „möglichst viele Duelle zu gewinnen“ und „einfach zu spielen“. Das macht er sowieso meistens. 

Er vermeidet das Risiko, orientiert sich am Machbaren, er passt den Ball lieber quer oder zurück, wenn er befürchtet, die Kugel verlieren zu können oder einen Fehlpass zu produzieren. „Er spielt das, was er kann“, urteilte Coach Hütter und meinte das eher positiv. Es bringt ja nichts, wenn er versucht, jemanden zu imitieren, aber die Fähigkeiten dazu einfach nicht hat. Man dürfe ihn von seinen Anlagen her keinesfalls mit einem Makoto Hasebe vergleichen, findet Adi Hütter. Hasebe ist ein Profi, der Spielzüge schon vorher erkennt, der eben antizipiert. Hütter adelte den Japaner unlängst im FR-Interview als einen der besten und intelligentesten Abwehrmänner der Bundesliga. Diese Gabe haben nicht viele Fußballer. „Im Spielaufbau ist Simon anders“, sagte Hütter. 

Falette hat andere Stärken. Die Zweikampfführung etwa, da ist er eine Bank, fegt rigoros dazwischen. „Er ist sehr konsequent“, beschied der Trainer. „Er ist ein verlässlicher Spieler.“ Hütter ist sehr zufrieden, wie der Franzose seinen Dienst verrichtet. „Er macht das sehr, sehr gut.“ 

Dieser Ansicht ist auch Kevin Trapp, der bei seinem Vordermann eine gute Entwicklung erkannt hat. „Er spielt sehr gut, sehr ruhig.“ Für den Keeper ist es ein klares Signal, dass nicht alles zusammenbricht, wenn ein, zwei Akteure mal ausfallen, und zurzeit sind ja in Kapitän David Abraham und eben Hasebe zwei Korsettstangen weggebrochen. „Aber es ist wichtig, dass wir diese Spieler ersetzen können.“ 

Was passiert im Winter mit Falette?

Es ist beachtlich, wie sich Simon Falette zurückgekämpft hat, schließlich war er ja quasi aussortiert, zu Beginn der Saison in die Trainingsgruppe zwei abgeschoben. Der Frust war groß. „Das war schwierig“, räumte er ein. „Es ist das erste Mal, dass so etwas in meiner Karriere vorkam.“

Falette ist einer der Spieler, die nur dann glücklich sind, wenn sie ihrem Beruf auch auf dem Feld nachgehen können, seinen Vertrag abzusitzen, nein, auf diese Idee käme er niemals. „Mein Vater hat mich so erzogen: Spielpraxis ist wichtiger als Finanzen“, sagte er der FR. 

Er wird nun genau beobachten, wie es weitergeht, er fühlt sich wohl in Frankfurt, aber er wird seine Perspektiven ausloten. „Ich werde weiter hart arbeiten und dann sehen wir, was passiert“, befindet er. Klingt fast so nüchtern, wie er auf dem Feld seine Gegner abkocht. 

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