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Eintracht Frankfurt gewinnt beim VfB Stuttgart: Sieg mit Signalwirkung - und fadem Beigeschmack

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Von: Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt

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Umsonst geflogen: VfB-Keeper hatte alleine gegen Ajdin Hrustic zweimal das Nachsehen.
Umsonst geflogen: VfB-Keeper hatte alleine gegen Ajdin Hrustic zweimal das Nachsehen. © Jan Huebner/Imago

Eintracht Frankfurt verliert gegen VfB Stuttgart zwar Makoto Hasebe, gewinnt dafür aber das erste Spiel in 2022 – und hat in der Tabelle den Europapokal im Blick.

Frankfurt - Der japanische Großmeister Makoto Hasebe, das ist nun fürwahr Geheimnis, ist ein Vorzeigesportler mit tadelloser Berufseinstellung. Täglich nimmt der 38 Jahre alte Routinier von Eintracht Frankfurt ein Vollbad und bibbert in der Eiskammer, er schwört auf japanische Küche, schläft viel, trinkt viel, aber keinen Alkohol, natürlich nicht. Hasebe ist ein asketischer Ausnahmeathlet. Doch am Samstag in Bad Cannstatt ging sogar der alte Hase in die Knie – weil er unliebsame Bekanntschaft mit dem Knie seines eigenen Torwächters machte. Kevin Trapp knockte seinen Mitspieler im wahrsten Sinne des Wortes aus. Und der fand sich alsbald im Krankenhaus wieder.

Nach 84 Minuten stürmte Eintracht-Keeper Kevin Trapp aus seinem Kasten heraus, es galt schließlich, eine 3:2-Führung im Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, und da ist es ganz hilfreich, wenn ein Schlussmann auch die häufiger werdenden Flanken des Kontrahenten (Stichwort Brechstange) abfängt. Und so sprang der 31-Jährige einer Hereingabe so entgegen, wie es Torhüter nun mal tun: mit angezogenem Knie. Blöd für Makoto Hasebe, dass er in einem doppelten Sandwich feststeckte, zwischen Trapp auf der einen Seite und VfB-Stürmer Sasa Kalajdzic sowie Eintracht-Verteidiger Evan Ndicka auf der anderen. Da gab es kein Entrinnen, Trapps Knie bohrte sich förmlich in den Brustkorb des Liberos, der sich von Schmerzen gepeinigt am Boden krümmte, nach eingehender Behandlung ausgetauscht wurde und dann mit dem Verdacht auf einen Rippenbruch in eine Stuttgarter Klinik eingeliefert wurde, wo er auch die Nacht verbrachte.

Eintracht Frankfurt muss lange auf Makoto Hasebe verzichten

Wie schwerwiegend die Verletzung überhaupt ist, stand auch am Sonntag noch nicht fest. Gut sah das jedenfalls nicht aus, mit einem Rippenbruch wäre Hasebe wohl noch gut bedient. Schwer vorstellbar, dass er schnell wieder wird spielen können. „Er wird wohl eine Zeit lang fehlen“, sagte Trainer Oliver Glasner.

So hat die Eintracht also ihren ersten Sieg im neuen Jahr verdammt teuer bezahlt. Doch klar ist natürlich auch: Verletzungen jedweder Art sind eingepreist und gehören in diesem Metier einfach dazu.

Für die Eintracht war der 3:2 (1:1)-Erfolg bei den schwächelnden Schwaben dessen ungeachtet ein enorm wichtiger, vielleicht kein Befreiungsschlag, dazu war die Situation in toto nicht verfahren genug, aber doch ein Dreier mit Signalwirkung nach innen und außen. Wie viel Druck auf dem Kessel lag, verdeutlicht auch die Wortwahl des Cheftrainers, der über den ersten vollständigen Punktgewinn nach drei sieglosen Spielen mit nur einem eigenen Zähler gleich mal „wahnsinnig froh“ war.

Eintracht Frankfurt: Umkämpfter Sieg gegen VfB Stuttgart von überragender Bedeutung

Der arg umkämpfte, aber letztlich verdiente Erfolg war allein tabellarisch schon von überragender Bedeutung. Er eröffnet der Eintracht nämlich wieder internationale Perspektiven. Zwar haben sich die Hessen im Klassement nicht verbessern können und rangieren weiterhin auf Platz neun, doch das Feld ist sehr viel dichter zusammengerückt. Durch die Niederlagen von Union Berlin, SC Freiburg, RB Leipzig und der TSG Hoffenheim beträgt der Rückstand der Eintracht auf den ersten Champions-League-Rang nur noch drei Pünktchen.

Die großen Nutznießer des kollektiven Federlassens waren neben der Eintracht auch der Nachbar Mainz 05 sowie der 1.FC Köln. Zwischen Platz zehn (Mainz 05, 30 Zähler) und Rang vier (Union Berlin) liegen nur vier Punkte. Bei noch 13 ausstehenden Begegnungen ist diese Differenz maximal minimal.

Sieg von Eintracht Frankfurt gut fürs Selbstvertrauen

Für die Eintracht war der erste Sieg in 2022 aber nicht nur tabellarisch, sondern auch für die mentale Beschaffenheit Gold wert. Er ist gut fürs Selbstvertrauen, den Glauben in die eigene Stärke und das eigene Tun, es ist eine Bestätigung, doch auf dem rechten Pfad zu sein. Die Eintracht hat nun einen Punkt mehr ergattert als zum vergleichbaren Zeitpunkt der Hinrunde.

Und es ist ein Zeichen, dass die Mannschaft vollauf intakt und auf einem Niveau konkurrenzfähig ist, das europäische Ansprüche zumindest rechtfertigt. „Wir wissen, was wir können und wo wir hin wollen“, formuliert der gute Linksverteidiger Christopher Lenz.

Für den Trainer war der Gesamtauftritt entscheidend. „Wir hatten vorher besprochen, dass wir eine großartige Teamleistung brauchen, um den Bock umzustoßen“, sagte Glasner, nachdem der Bock gefallen war. In der Tat: Vielleicht ist die größte Erkenntnis dieses Auswärtssieges beim harmlosen VfB, dass die Mannschaft bereit ist, sich gegen Widerstände aufzulehnen, sie den Charakter und die Mentalität hat, sich trotz Qualitätverlusts zu behaupten und den Erfolg im Notfall auch zu erzwingen.

Eintracht Frankfurt musste gegen VfB Stuttgart auf wichtige Spieler verzichten

Denn natürlich stand da in Stuttgart nicht die bestmögliche Elf auf dem Platz, zwei der Stärksten, Filip Kostic und Daichi Kamada, fielen aus, weshalb der Trainer eine veränderte Grundordnung wählte und drei zentrale Mittelfeldspieler aufbot, die eher defensiv ausgerichtet sind. Nominell standen nur zwei reine Offensivkräfte auf dem Feld, Rafael Borré und Jesper Lindström. Und doch schaffte es die Eintracht, dem VfB mit ihrer Galligkeit und ihrem Pressing den Schneid abzukaufen. Und sie ließ sich auch durch den zweimaligen VfB-Ausgleich durch Waldemar Anton (42.) und Sasa Kalajdzic (70.) nicht aus der Bahn werfen. Weil neben Evan Ndicka (7.) eben auch Ajdin Hrustic traf, gleich doppelt sogar (47./77). Auch das ein Indiz, dass die Mannschaft als Einheit funktioniert: Der Australier hat in dieser Saison noch keine große Rolle gespielt (siehe weiteren Bericht Seite S 11). Bis zu jenem Samstag in Bad Cannstatt. (Ingo Durstewitz und Daniel Schmitt)

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