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Er brach das Eis: Haris Seferovic traf schon nach vier Minuten zum 1:0 gegen Leverkusen. Es war das zehnte Tor des Schweizers.

Eintracht Frankfurt besiegt Bayer Leverkusen 2:1

Sieg und Kanone

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Der 2:1-Sieg über Bayer Leverkusen am letzten Spieltag befördert Eintracht Frankfurt nicht nur auf den neunten Tabellenplatz, sondern spült rund 2,6 Millionen Euro Fernseh-Geld in die Kassen. Dazu wird Alex Meier Torschützenkönig – zuletzt hatte die Kanone in Frankfurt Anthony Yeboah gewonnen.

Als alles zu Ende war, das Spiel gegen Bayer Leverkusen und die 52. Bundesliga-Saison sowieso, da ging es im Frankfurter Stadtwald eigentlich erst so richtig los. Die Profis von Eintracht Frankfurt trugen, mitten auf dem Rasen, ein riesiges Plakat vor sich her, auf dem diese Liedzeile stand: „What  if god was one of us – AM14“ – „was wäre, wenn Gott einer von uns wäre -, dann betrat einer in zivil das Feld, der gar nicht mitgespielt hat und doch der Spieler des Tages war, vielleicht sogar der Saison: Alexander Meier.

Er hatte sich sein Trikot übergestreift, sein Trikot mir der Nummer 14, er wirkte, wie immer, wenn er im Mittelpunkt steht, ein bisschen verlegen, schlaksig, unsicher. Dann kam Jörg Jakob, einer der Chefredakteure des  „kicker sportmagazin“ und überreichte dem 32-Jährigen die so sehr ersehnte Torjägerkanone.

Die 19 Treffer, die er in nur 26 Partien erzielt hatte und die alle noch mal im Schnelldurchlauf über den Videowürfel flimmerten, reichten zum Sieg. Die Konkurrenz aus Bayern, Wolfsburg und Dortmund trafen am letzten Spieltag nicht ausreichend. So erhielt Alex Meier das erste Mal seit Tony Yeboah im Jahr 1994, vor 21 Jahren also, die begehrte Trophäe. „Mein erster Titel“, sagte Meier hinterher. Für ihn, da hat er nie einen Hehl gemacht, ist das etwas ganz Besonderes.

Gänsehaut und Ovationen

Es war ein sehr bewegender Moment. Die Fans schwangen Schals mit der Nummer 14, das ganze Stadion bebte, jubelte, freute sich, ja gönnte Meier diese Triumph. Meier selbst war sichtlich angefasst, Tränen vergoss er dennoch nicht. „Das hatte ich im Griff gehabt“, aber eine Gänsehaut ist ihm dennoch über den Rücken gelaufen. „Ich will einfach nur Danke sagen. Das hier macht mich stolz.“ Auch Klubchef Heribert Bruchhagen war sichtlich gerührt, zu Meier, einen Profi, den er außerordentlich schätzt, sagte er via Stadionmikrofon nur einen Satz und selbst da kippte ihm die Stimme weg. „Eintracht  Frankfurt ist stolz auf Alex Meier.“

Derweil hatte die komplette Mannschaft von Eintracht Frankfurt schwarze T-Shirts übergestreift: „Alex Meier – Torschützengott.“  Die Ovationen für den Mittelfeldstürmer wollten kein Ende nehmen, die Zuschauer wussten sehr genau, wem sie im hohen Maß zu verdanken hatten, dass Eintracht Frankfurt in dieser Saison von Abstiegsgefahr nichts mitbekommen hatte. Hinterher hievten ihn die treusten der treuen Fans am Parkplatz Gleisdreieck mittels Kran sogar noch auf einen Container und feierten den Publikumsliebling ab.

Und es gab sogar zwei Fans, die aus Meiers Heimatstadt Buchholz in der Nordheide stammten, die das Original-Ortsschild  abgeschraubt  und ihm überreicht hatten. „Ich habe die beiden im Trainingslager im Winter in Abu Dhabi kennengelernt“ , sagte Meier. Das Schild soll nun mit den Unterschriften der Eintracht-Spieler versehen für einen guten Zweck versteigert werden.

Trainer Thomas Schaaf, der Meier zu Beginn der Saison nicht für die Stammformation vorgesehen  hatte und ihn erst im vierten Spiel gegen den FC Schalke 04 erstmals von Beginn an aufstellte, sagte hinterher: „Das ist eine Auszeichnung für ihn. Aber auch für die Mannschaft, die ihn in diese Position gebracht hat.“

Ein langer Weg zurück

Lange hatte Alex Meier nicht damit gerechnet, Torschützenkönig zu werden. „Das wird einer von den Bayern“, hat er immer wieder gesagt. Und es ernst gemeint. Dass einer Torschützenkönig wird in einer Mannschaft, die  im Mittelfeld des Klassements aufschlägt, ist umso höher zu bewerten. Manches spricht dafür, dass der 32-Jährige sein Torkonto noch erhöht hätte, hätte er sich nicht einer schweren Knie-Operation an der Patellasehne unterziehen müssen. Die Reha dauert noch an, vier bis sechs Monate wird er ausfallen, „für den Start in die neue Saison wird es eng“, sagte Meier launig. Wahrscheinlich ist, dass er frühestens im Oktober, November wieder zurückkommen wird. Bereits am Montag reist er wieder nach Basel, zur Reha. Es wir ein langer Weg zurück.

Nach dem Spiel herrschte allenthalben eitel Sonnenschein. Mit dem 2:1-Sieg über Bayer Leverkusen hat sich Eintracht Frankfurt noch auf einen neunten Tabellenplatz gehievt, 43 Punkte sind ordentlich, ein Torverhältnis von 56:62 ist spektakulär . Und natürlich dachten manch daran, was in dieser Saison möglich gewesen wäre mit  ein wenig mehr Konstanz und Mut.

Schlappe drei Punkte hinter einem einen internationalen Platz bringenden siebten Rang beendeten die Hessen diese Runde.  Ein Sieg in Stuttgart, eine 2:0-Führung zu Hause gegen Hannover über die Zeit bringen – und schon wäre der Sprung nach Europa gelungen. „Wir wissen um unsere Fehler, die wir gemacht haben: auswärts vor allem und die vielen Gegentore, die wir zugelassen haben“, resümierte Trainer Thomas Schaaf, der dennoch hoch zufrieden war mit seinem ersten Jahr in Frankfurt: „Die Punktzahl ist eindrucksvoll“, sagte er.

Auch Kapitän Kevin Trapp sprach von einem „gelungenen Abschluss – Torschützenkönig, Platz neun, Sieg gegen Bayer Leverkusen, das war es , was wir den Fans zum Schluss schenken wollten.“ Und dass man am Ende die Europa League verpasst hat, konnte der Schlussmann auch verkraften: „Wenn wir wegen eines Punktes an den Europa League-Plätze vorbeigerutscht wären, wäre es bitter. Aber so wussten wir es ja auch schon vor dem Spiel.“

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Bemerkenswert ist auch: Seit Kevin Trapp vor dem Heimspiel gegen Hoffenheim in einer Erklärung der Mannschaft an die Öffentlichkeit gegangen ist, wonach sich das Team für die letzten drei Wochen noch einmal am Riemen reißen wolle, hat die Eintracht sieben Punkte geholt. Das erinnert stark an die Hinrunde, als sich die Mannschaft nach der Partie gegen Hannover 96 (0:1) für eine offensivere Spielweise stark gemacht hat. Es hat den Eindruck, als regele die Mannschaft viele Dinge intern.

Aigner: Bleibe in Frankfurt

Der Spielfilm ist schnell erzählt: In einem munteren, abwechslungsreichen Spiel erzielte Haris Seferovic schon nach vier Minuten und einem schönen Pass von Marco Russ das 1:0. Es war das zehnte Tor des Schweizers, der damit hinter Meier auf Platz zwei der internen Torjägerliste rangiert, vor Stefan Aigner (neun Treffer), der zehn Minuten vor dem Ende gegen Aleksandra Ignjovski ausgewechselt wurde und vom ganzen Stadion mit stehend dargebrachten Ovationen verabschiedet wurde. „Da hatte ich Gänsehaut“,  sagte der gebürtige Münchner.

Die Fans haben ein feines Gespür für Spieler, die mit Herzblut und Engagement bei der Sache sind. Stefan Aigner gehört definitiv dazu. Seferovic gab nach der Partie im übrigens ein klares Bekenntnis zur Eintracht ab: „Das ist mein Hafen“, sagte er. Zwar werde er, weil er in den nächsten 15 Tagen noch mit der Nationalmannschaft unterwegs ist, erst zwei Wochen später (am 15. Juli) zum Trainingsstart erscheinen, er werde aber definitiv in Frankfurt bleiben.

Zuletzt hat es Gerüchte gegeben, der Linksfuß würde wechseln, Mönchengladbach war im Gespräch.  Der Ausgleich zum1:1 (6.) durch einen sehenswerten Treffer von Nationalspieler Karim Bellarabi  konterte Alexander Madlung, der nach einer abgeblockten Ecke den 2:1-Siegtreffer (39.) erzielte. Es war sein vierter Treffer, damit avancierte der Stopper zum viertbesten Frankfurter Schützen. Und vieles spricht dafür, dass der 33-Jährge auch im kommenden Jahr noch das Trikot von Eintracht Frankfurt trägt.

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